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Ehrensache
„Über den Wolken“ – Angelika Schumacher und Hans Mössing singen mit Senioren

3 min
Volkslieder und Schlager klingen durch das Otto-Jeschkeit-Altenzentrum in Engelskirchen-Ründeoth, wenn Angelika Schumacher und Hans Mössing ihre Gitarren ausgepackt haben.

Volkslieder und Schlager klingen durch das Otto-Jeschkeit-Altenzentrum in Engelskirchen-Ründeoth, wenn Angelika Schumacher und Hans Mössing ihre Gitarren ausgepackt haben.

Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer in so vielen Bereichen käme die Gesellschaft in Oberberg zum Erliegen. Tausende engagieren sich.

Schon auf dem Parkplatz ist durch die geöffneten Fenster fröhliches Singen zu hören. Im „Treffpunkt“ des Otto-Jeschkeit-Altenzentrums der Arbeiterwohlfahrt in Ründeroth, in dem gerade die Frühlingslieder geschmettert werden, ist nur noch ein einziger Platz frei. Auf der grünen Tafel steht „Herzlich willkommen im Singtreff“.

Jeden Donnerstag laden Angelika Schumacher aus Engelskirchen und der Wiehler Hans Mössing die Senioren dazu ein, mit ihnen zu singen. Die beiden spielen Gitarre, erzählen Geschichten und spenden vor allem viel Lob. So ruft Angelika Schumacher nach einem gelungenen Kanon lachend: „Wir sind jetzt bald reif für den Auftritt im Kölner Dom!“

Angelika Schumacher und Hans Mössing kennen sich schon lange. 24 Jahre waren sie als Förderschullehrer an der Hugo-Kükelhaus-Schule in Wiehl-Oberbantenberg im gleichen Team. Auch dort sangen sie oft mit ihren Schülerinnen und Schülern. Die positiven Auswirkungen von Musik sind ihrer Meinung nach einfach nicht zu verleugnen.

Nach der Pensionierung engaierten sich die beiden ehrenamtliche Tätigen aus Engelskirchen und Wieh, zunächst in der Hospizarbeit

Nach der Pensionierung wandten sich beide zunächst der Hospizarbeit zu, die Engelskirchenerin in Siegburg, der Wiehler in Engelskirchen bei den Maltesern. Doch dann nahm Beate Ruland, die Ehrenvorsitzende der Awo Rhein-Oberberg, ihrer Bekannten Angelika Schumacher das Versprechen ab, in Ründeroth einen Singtreff auf die Beine zu stellen. Vor rund zweieinhalb Jahren löste sie dieses Versprechen ein.

Seitdem geht es an jedem Donnerstagvormittag im Ründerother Altenheim  mit rund 40 Teilnehmenden munter zu. Bei schlechter Witterung im Treffpunkt, bei gutem Wetter auch im Innenhof. „Wenn wir draußen singen, öffnen sich schnell ganz viele Fenster“, berichtet Schumacher und lächelt.

Hans Mössing kam rund ein halbes Jahr später dazu. Er ist überzeugt, dass das Singen den Bewohnerinnen und Bewohnern unglaublich guttut. „Die Angehörige einer Bewohnerin sprach mich an und sagte, sie käme am liebsten am Donnerstagnachmittag zu Besuch. Ihre Verwandte sei dann immer so fröhlich. Für viele ist der Singtreff das Highlight der Woche.“

Nicht nur im Karneval geht in dem Seniorenzenrum in Engelskirchen-Ründeroth die Post ab

Die beiden Ehrenamtler haben Themenmappen mit Liedern zusammengestellt – da gibt es den Frühling, Schlager oder auch Stimmungsklassiker. „In der Karnevalszeit geht hier richtig die Post ab“, versichert Hans Mössing.

Sabine Fleischer und ihre Kolleginnen vom Sozial-Kulturellen Dienst der Awo unterstützen die Musiker. Rund drei Stunden wöchentlich investieren die beiden in ihr Ehrenamt – eine gute Stunde dauert der Singtreff. Etwas Zeit brauchen die zudem für die Vorbereitung und das Üben der Lieder. Dabei werden die beiden Musiker von den Teilnehmenden durchaus gefordert, denn Wünsche möchten sie nach Möglichkeit erfüllen. So schafften es  „Lili Marleen“ und Lieder von Udo Jürgens in die Top Ten des Singtreffs.

Eine Dame, sie ist mittlerweile 106 Jahre alt, liebt „Über den Wolken“ von Reinhard Mey und singt es mit viel Herz. Eine andere Teilnehmerin mit spanischen Wurzeln hat sich „Viva España“ gewünscht, das alle begeisterte, zumal sie die Strophen auch gerne mal alleine singt, während die anderen den Refrain übernehmen.

Sehr viele Senioren im Singtreff berichten immer wieder von ihrer Zeit in einem der vielen oberbergischen Chöre. Ein älterer Herr brachte seine Mundharmonika mit und spielte zur Begleitung. „Die persönliche Ansprache ist so wichtig“, hat Hans Mössing beobachtet. Wer singt, wird fröhlich, trainiert sein Gedächtnis, bei den Bewegungsliedern auch seine Motorik und findet einen Weg, gar nicht erst in soziale Isolation zu geraten. „Selbst Menschen mit einer dementiellen Erkrankung machen mit, erinnern sich an Texte und freuen sich.“

Aber das Ganze funktioniert auch umgekehrt. Die beiden Leiter des Singtreffs berichten, dass sie auch selbst nach jedem Donnerstagstermin fröhlicher sind als vorher. Angelika Schumacher sagt: „Es tut mir gut, wenn ich sehe, wie hier alle aufblühen, wenn ich in all die lachenden Gesichter blicke.“