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FastenbrechenMuslime und Christen feiern in Engelskirchen gemeinsam

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Das Foto zeigt viele Teilnehmer des Fastenbrechen aus der Vogelperspektive

An langen Tafeln sitzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fastenbrechen in Schnellenbach

Gemeinsam haben rund 100 Muslime und Christen in Engelskirchen-Schnellenbach Fastebrechen gefeiert. Dabei ging es auch um die Bedeutung des Fastens.

Ein Gefühl des Willkommen seins stellt sich ein. Jeder, der sich der gemütlich beleuchteten evangelischen Kirche nähert, wird beim Eintreten mit einem Lächeln begrüßt. Schnell sind viele Plätze an den langen Tafeln besetzt, Menschen umarmen sich, lachen, plaudern. Rund 100 Gäste muslimischen und christlichen Glaubens sind hier, um gemeinschaftlich das Fastenbrechen, im Ramadan das tägliche Ende des Fastens, zu begehen.

Zum dritten Mal haben die Mitglieder der Viola Fraueninitiative Oberberg nun zu diesem besonderen Abend nach Engelskirchen eingeladen. „Viola“, das ist eine interkulturelle und interreligiöse Gemeinschaft von Frauen.

„Dieser Abend steckt immer so voller Liebe und Herz
Henning Strunk, Pfarrer

Die Mitglieder möchten die Stärken der Frauen zum Wohl der Gesellschaft einsetzen, die Begegnung von Kulturen fördern und zeigen, dass ein Kennenlernen, ein Austausch untereinander, Vorurteile beseitigt, ein friedliches Miteinander möglich macht. Als Viola auf Henning Strunk mit der Frage zuging, ob das interkulturelle Fastenbrechen in Schnellenbach stattfinden könne, sagte der Pfarrer gerne zu. „Dieser Abend steckt immer so voller Liebe und Herz“, ist er überzeugt.

Inci Özmen von Viola berichtet, die christlichen Gäste wurden im Wesentlichen zwei Fragen stellen: Warum fastet ihr? Und warum tragt ihr als Frauen das Kopftuch? „Auf beide Fragen kann ich antworten, dass wir auf diesem Weg Gottes Nähe suchen.“

Bewusster Verzicht soll Raum schaffen für Gott

Esra Hamidullin ergänzt: „Im Fasten werden wir uns unserer menschlichen Schwäche bewusst. Wir erleben Hunger – für so viele Menschen auf der Welt ist das Alltag. Das wird uns in dieser Zeit sehr deutlich.“ Und Rabia Karataş erläutert: „Wenn ich mein Kopftuch trage, zeige ich, dass ich mich nicht über mein Äußeres definieren lassen möchte.“

Wie gut diese muslimische Sicht zur christlichen Auffassung des Fastens passt, wird deutlich als Vikarin Judith Fresen ihren Impulsvortrag hält. Sie spricht davon, wie bewusster Verzicht Raum schaffen kann für Gott: „Wir spüren, Gott schenkt nicht nur Brot, sondern auch Wort, Nähe und Barmherzigkeit. Was wir hier heute gemeinsam tun, ist aber leider gerade weltweit eher die Ausnahme.“

Auch Enes Günes vom Kölner Verein „Verband engagierte Zivilgesellschaft in NRW“ betont: „In der Begegnung steckt große Kraft. Demokratie ist nicht nur Politik, sondern beginnt mit Menschen, die sich voller Respekt zuhören.“

Schließlich erklingt meditative Flötenmusik, gespielt auf der Ney, einem Instrument, das wie ein langes melodisches Atmen klingt. Viele Gäste hören mit geschlossenen Augen zu – auch als vor dem eigentlichen Essen Efraim Can den Ruf des Muezzins ertönen lässt. Der Muezzinruf zum Abendgebet signalisiert im Ramadan das Fastenbrechen – und so wird nun gespeist, in großer Gemeinschaft und noch größerer Zugewandtheit.