Auf dem neuen Sampler „Karneval der Stars“ ist die Neuaufnahme von „Komm mit mir nach Ründeroth, wo die Liebe und die Sünde droht“ zu hören.
Ründeroth-LiedTravestie-Star Ken Reise aus Engelskirchen hat einen Karnevalsschlager neu aufgelegt

Wo die Sünde droht: Ken Reise alias Julie Voyage hatte ein Heimspiel beim Ordensabend des Ründerother Karnevalsvereins.
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Lichter spiegeln sich in Pfützen. Die Fahrt von der Wahlheimat Köln zurück ins dunkle Oberberg ist für Ken Reise auch diesmal „ein Flashback“, sagt er. Hier ist er aufgewachsen, auf einem Hof in Engelskirchen-Remerscheid, den er „mein Ruhepol, mein Zuhause“ nennt, wenigstens für ein paar Tage um den Jahreswechsel. Denn der allergrößte Teil seines Lebens spielt sich inzwischen ab auf kleinen Bühnen ab und immer häufiger auf großen, auch ganz großen.
„Glitzer, Klamauk und Trallala“, das sei seine Welt, wenn er als Travestiekünstler in der Rolle der schrillen Julie Voyage auftritt. Am Elften im Elften zur Eröffnung der Karnevalssession in der Kölnarena, mit den Höhnern in Paris, vor Weihnachten unterwegs mit Brings.
Auf dem neuen Sampler „Karneval der Stars“ reiht er sich nahtlos ein zwischen Cat Ballou und Bläck Fööss, Paveier und Räuber mit einer Neuaufnahme des alten Schlagers „Komm mit mir nach Ründeroth, wo die Liebe und die Sünde droht“.
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„Das passt doch wie Arsch auf Eimer. Die Streamingzahlen gehen gerade durch die Decke und überall wird das kleine, gallische Dorf in Oberberg bekannt“, freut er sich. Längst lebt der gelernte Tierpfleger von seinen Auftritten. Er blickt schmunzelnd zurück auf die musikalischen Anfänge als Trommler im Ründerother Spielmannszug und im Jugendchor Sankt Stephan, auf sein „erstes Mal“ als Jugendlicher, als er „aus Spaß und Jeckerei“ zu Weiberfastnacht in Glitzerfummel und Strumpfhose schlüpfte. Später trat er bei Talentshows in Kölner Kneipen wie TimP und Zicke auf. „Damals hätte ich nie gedacht, dass sich das alles mal so entwickelt. Ich bin selbst ein bisschen überwältigt.“
Als deftig-erotische Julie Voyage rockt er mühelos große Säle. Und beim Ordensabend des Ründerother Karnevalsvereins bringt er auch die Freundinnen, Nachbarn und Freunde von früher und ihren Nachwuchs in Wallung, wenn sie lautstark in die Ründerother Hymne einstimmen und stöhnen: „Sei mein Stier heute Nacht!“ Seine Wurzeln hat der Travestiekünstler bei allem Erfolg in der Welt von Glanz und Glaomour nicht vergessen: Das „Handwerkszeug“, das er sich auf Schützenfesten und bei Goldhochzeiten erworben hat.
Dankbar für die Unterstützung seines Opas aus Remerscheid
Er denkt dankbar an den Remerscheider Opa, der seinen regenbogenbunten Enkel ermunterte: „Jung, es ist egal, was du mal machst – aber mach es ordentlich.“ An denkt an etablierte Künstler, die ihn an die Hand nahmen. Wie etwa die Kölner Legende Ludwig Sebus, der ihn zur Travestie ermutigte.
Mehr als 20 Jahre ist das her. „Es war noch eine andere Zeit“, blickt der heute 40-jährige Ken Reise zurück. „Als Heinz Baumeister damals in der Rolle der Putzfrau in Frauenkleidern und Kopftuch mit dem Ründerother Lied auftrat, hat er manchmal Dresche gekriegt.“
Und heute? Alles Sonnenschein? „Manche Herrensitzungen sind schwierig“, räumt Reise ein. „Dann quatschen und stören einige Leute nach dem Motto, was will die Trulla hier. Schön ist es, wenn es gelingt, sie am Ende trotzdem zu begeistern.“ So wie bei einer Stadtrundfahrt, als er es mit lauter skeptischen, „von oben bis unten tätowierten Kleiderschränken“ zu tun hatte, die ihm dann doch nach zwei Stunden überraschend auf die Schulter klopften und lobten: „Dat wor richtig jood.“ „Dann denke ich, vielleicht hat sich doch was im Kopf gedreht – obwohl ich niemanden bekehren will.“ Seine Auftritte sollen vor allem Spaß machen, ein Ausbruch aus dem Alltag sein, besonders in schwierigen Zeiten. Das ist sein Anspruch.
Beim Ordensabend des Ründerother Karnevalsvereins fahren die Leute voll drauf ab. Wollen den „Jung“ aus Remerscheid, der anderthalb Stunden vor dem Spiegel braucht, um sich in die funkelnde Diva Julie Voyage zu verwandeln, gar nicht mehr gehen lassen.
Aber der straffe Plan sieht zur Karnevalszeit drei, vier Auftritte am Abend vor. Im April geht es dann zum Windhoek-Karneval nach Namibia. Das Soloprogramm will absolviert sein und die Kölsche Woche im Bierkönig auf Mallorca. „Dann wird Ründeroth über alle Grenzen bekannt!“, freut sich Ken Reise alias Julie Voyage, klimpert mit den Megawimpern und lacht.

