Raoul Halding-Hoppenheit hat im Herbst seine erste Amtszeit als Gummersbacher Bürgermeister angetreten. Im Interview spricht er über das, was in diesem Jahr erledigt werden muss und was seine Pläne sind.
Ausblick 2026Mehr Sicherheit, mehr Ärzte, mehr Gewerbe für Gummersbach

Raoul Halding-Hoppenheit (M.) bei seiner ersten Ratssitzung mit seinen Stellvertretern Jürgen Marquardt (1./r.) und Oliver Kolken (2.)
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Herr Halding-Hoppenheit, was ist für Sie das wichtigste Thema?
Raoul Halding-Hoppenheit: Ganz klar der Haushalt 2026. Unser Ziel ist es, wie ich bei der Einbringung des Etats am Montag deutlich gemacht habe, die Steuern nicht zu erhöhen und dennoch die Haushaltssicherung zu vermeiden. Und Stand jetzt, gelingt uns das. Die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen in NRW lastet auch auf unserer Arbeit. Wenn man bedenkt, dass wir trotz Gewerbesteuereinnahmen in Rekordhöhe von 59 Millionen Euro nichts übrig behalten, ist das schon erdrückend. Wir müssen leider nach wie vor zu viel an die Umlageverbände abgeben, den Kreis und der wiederum an den Landschaftsverband. Wir wollen in Gummersbach ja keinen Stillstand, sondern weiter gestalten und investieren. Und dafür brauchen wir Geld. Etwa für die Erneuerung der Kunstrasenplätze in Becke und Bernberg, die in diesem Jahr den Auftakt des Sanierungsprogramms bilden werden.
Und was muss bis Ende des Jahres auf jeden Fall erledigt sein?
Die besagten Kunstrasenplätze sind gesetzt. Auf der Agenda steht auch die technisch-energetische Sanierung des Hallenbads in Derschlag. Dafür erhoffen wir uns wie bei den Kunstrasenplätzen Fördermittel vom Bund.
Eines Ihres Wahlkampfthemen war, in Sachen Sauberkeit sowie Sicherheit und Ordnung etwas ändern zu wollen in Gummersbach.
In diesem Zusammenhang habe ich mit unserem Landrat Kontakt aufgenommen und bin bei Klaus Grootens offene Türen eingelaufen. Wir haben abgesprochen, dass wir uns gegenseitig unterstützen wollen, denn ohne die Kreispolizei geht es nicht. Der Landrat möchte in diesem Kontext eine Sicherheitskonferenz einberufen. An der sollen Bürgerschaft, soziale Träger, Politik, Polizei und nicht zuletzt die Justiz teilnehmen.
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Was erwarten Sie sich?
Die Ausgangslage ist klar: Die Zahlen, die Oberberg in NRW objektiv als sichersten Kreis ausweisen, decken sich nicht mit dem, was das subjektive Sicherheitsempfinden vieler jüngerer und älterer Menschen in Gummersbach angeht. Daran gilt es zu arbeiten.
Wo ist in Gummersbach akuter Nachholbedarf?
Vielen Bürgern ist das Trinkerbüdchen am Busbahnhof ein Dorn im Auge. Den Menschen, die sich dort treffen, diesen Ort wegzunehmen, wäre schnell möglich. Nur was kommt dann? Wohin verlagert sich die Szene? Das muss man gründlich abwägen.
Und was muss in Sachen Sauberkeit passieren?
Wir haben in der Stadt eine Minderheit, die sich nicht an Regeln hält. Das beginnt bei den vielen Graffitis und geht bis zu den Kippen, die einfach achtlos weggeschnippt werden. Dem müssen wir gemeinsam Herr werden. Ich bin dabei, die Bußgelder für solche Vergehen anzuheben. Und ich lasse auch mehr Videoüberwachung in der Stadt prüfen. Die am Busbahnhof ist ein Gewinn für die Vermeidung und Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten.
Ein ganz anderes Thema ist der Mangel an Hausärzten in der Kreisstadt.
Das ist in der Tat ein Thema, wobei wir in Gummersbach das Glück haben, dass unser Krankenhaus direkt vor der Türe liegt. Der Klinikkonzern ist sehr gut aufgestellt. Und auf der Berstig gibt es ja schon ein MVZ mit Fachärzten. Was uns fehlt, sind Kinderärzte und Allgemeinmediziner. Vor diesem Hintergrund werde ich auch mit der Kassenärztlichen Vereinigung sprechen, denn ohne die geht es nicht. Die Gründung eines städtischen MVZ hier in Gummersbach sehe ich allerdings nicht als Lösung an.
Immer mehr im Fokus ist der Bedarf an neuem Wohnraum. Was ist hier Ihr Plan?
Bei der Erschließung des alten FH-Standorts auf dem Sandberg sind wir inzwischen einen Schritt weiter. NRW Urban als Verwalter der Fläche hat uns als Stadt in die Entwicklung des Areals mit eingebunden. Da sind wir, wie ich denke, auf einem guten Weg. Und das gilt erst recht für das Areal der ehemaligen Hauptschule in Strombach, wo wir schon bald in die Vermarktung der Grundstücke einsteigen wollen. Daneben gibt es noch einen privaten Investor, der in Hülsenbusch ein Wohngebiet entwickelt.
Bleibt noch die Frage nach weiteren Gewerbeflächen in Gummersbach.
Da haben wir in der Tat keine verfügbaren Flächen mehr. Im Rahmen unserer Wirtschaftsförderung konzentrieren wir uns daher im Moment auf die Nachverdichtung im Bestand. Zudem haben wir ein Brachflächenmanagement und unterstützen Eigentümer bei der Nachnutzung von leerstehenden Gewerbeimmobilien. Die im Regionalplan ausgewiesenen Potenzialflächen in Herreshagen und Rospe/Hardt-Hanfgarten stoßen auf Widerstand bei Teilen der Bevölkerung. Wir tun als Stadt Gummersbach allerdings auch gut dran, Unternehmen, die sich hier gerne ansiedeln oder erweitern wollen und Arbeitsplätze schaffen, Flächen anbieten zu können.

