Dieter Müller, Schulleiter des Gymnasiums Herkenrath, hält nichts von langen Reden. Er lässt lieber seine Kunstwerke sprechen.
Bergisch GladbachSchuleiter tritt bei seinem Abschied als Chef und als Künstler auf

Schulleiter Dieter Müller präsentiert über 80 seiner Kunstwerke in der Aula des Gymnasiums Herkenrath, ergänzt durch Bilder seiner Schüler.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Dieter Müller verabschiedet sich nach zwölf Jahren als Schulleiter des Gymnasiums Herkenrath in Bergisch Gladbach auf eine ganz besondere Weise in den Ruhestand: mit einer Kunstausstellung. Bei der Vernissage in der Aula tritt der 66-Jährige in einer Doppelrolle auf: als Chef der Schule und als Maler.
Eingerahmt von seinen eigenen Werken und denen seiner Schülerinnen und Schüler, die sich kreativ mit seinen Bildern auseinandergesetzt haben, offenbart er vielen seiner Gäste eine ungewohnte Seite.
„Ich bin kein Wortkünstler, deshalb habe ich meine Bilder mitgebracht“, sagt Müller. Sie ermöglichen seinen Gästen – einem kleinen Kreis von Kollegen, Schülern, Vorgesetzten aus der Bezirksregierung, Ansprechpartnern der Stadt Bergisch Gladbach, Ehemaligen und Freunden – den Blick auf den anderen Herrn Müller, den Künstler, der als sichtbareres Zeichen der Verwandlung an dem Abend eine Sonnenbrille trägt.
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Seine 80 expressionistischen Ölgemälde und zwölf Holzschnitte im Großformat füllen die Aula vollständig, ergänzt durch viele kleinformatige Bilder, die Schüler als Replik auf seine Motive angefertigt haben.

Big Band und Schulchor spielen und singen „Happy“ von Williams Ferrell.
Copyright: Christopger Arlinghaus
Den Titel der Ausstellung „un-art-ig“ habe er bewusst doppeldeutig gewählt: „Mir geht es nicht um die große Kunst an sich, sondern um den Gestaltungsprozess.“ Das freie malerische Handeln, Experimente, Offenheit und Selbstausdruck, diese Herangehensweise im Kunstunterricht zu vermitteln, sei ihm immer wichtig gewesen.
„Kunst oder Lehrer, das war für mich eine Lebensentscheidung“, erzählt Müller. Der Meisterschüler an der Kunstakademie Düsseldorf, mit eigenem Atelier und großen Ausstellungen präsent, entschied sich Ende der 1980er Jahre in den Schuldienst zu wechseln, als ihm eine der damals raren Lehrerstellen in Essen angeboten wurde.
Als neuer Schulleiter initiierte Müllerals erstes ein Kunstprojekt
Eine Zwischenstation legte er als stellvertretender Schulleiter in Langenfeld ein, bevor er 2013 die Schulleitung des Gymnasiums Herkenrath übernahm und endlich, wie er sagt, wieder in seiner Geburtsstadt Köln leben konnte.
Als Müller in dem grauen Betongebäude ankam, sah er direkt Handlungsbedarf und initiierte ein Kunstprojekt. Seit 2013 verschönern Schüler von Kunstkursen die düsteren Flure mit Portraits von Persönlichkeiten: Einstein, Nelson-Mandela, die Geschwister Scholl bis hin zu Yoda aus Star Wars. „Heute sind wir fast durch mit allen Gängen“, berichtet der Schulleiter.
„Die letzte Rede fällt schwer“, sagt er und hält sie entsprechend kurz. Auf der Liste der Dinge, die er nicht vermissen wird, stehen Widersprüche, unnötige Diskussionen und Dienstaufsichtsbeschwerden. Eine kurze Liste. „Ja, ich war gerne Schulleiter. Ich werde Sie und die Schüler vermissen“, sagt er.

Sind ein gutes Team: Dieter Müller und seine Stellvertreterin Romina Matthes.
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Einige würden vielleicht sagen, er sei der Verwalter des täglichen Schulwahnsinns gewesen. Andere hätten ihn Schulleiter genannt. Im Rückblick auf seine Zeit spricht wieder der Künstler in ihm: Er sehe ein buntes Bild. Nicht immer harmonisch, manchmal mit kräftigen Pinselstrichen, gelegentlich mit kritischem Duktus, aber immer lebendig – so wie seine eigenen Werke sind: bestehend aus vielen Farbschichten und Materialien, kontrolliert und gleichzeitig intuitiv.
Weggefährten, vor der Eröffnung fragt, bescheinigen ihm unisono eins: „Herr Müller ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen“, so drückt es Schulsekretärin Simone Linden aus. „Er hat es immer geschafft, die Wogen zu glätten“, meint Angelika Meurer, frühere Schulpflegschaftsvorsitzende.
„Bei Problemen war er immer als Ansprechpartner da. Sein Büro ist wie ein Wohnzimmer. Man geht einfach rein“, erzählt Lehrerin Elisabeth Goßner. Sein „Hallo“ auf dem Gang wird ein 17-jähriger Oberstufenschüler vermissen. Kennengelernt hat er seinen Direktor als dieser in der von ihm ins Leben gerufenen Hapkido-AG mit den Füßen ein Brett durchgeschlagen hat.
„Das geht immer noch“, sagt Müller, der mit dem schwarzen Gürtel den dritten Meistergrad der koreanischen Kampfsportart erreicht hat. „Wer erkenne, die eigene Kraft für andere einzusetzen, hat gewonnen“, beschreibt er die Philosophie. In stressigen Situationen helfe ihm das, gelassen zu reagieren.
„Er ist der ruhige Pol. Ich habe da eher den quirligen Part“, beschreibt seine Stellvertreterin Romina Matthes die Zusammenarbeit. Ab1. Februar wird sie zunächst kommissarisch die Schulleitung übernehmen.
„Ich werde bestimmt kein Wohnmobil kaufen, aber ganz sicher meine Bilder malen“, sagt Müller zum Abschied.

