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Interview

Comedy
Hazel Brugger ist auf Gummersbach vorbereitet

4 min
Eine Frau mit Mikrofon in der Hand.

Hazel Brugger war mit ihren Kindern schon oft im Bergischen unterwegs. Bald kommt sie beruflich.  

Hazel Brugger spricht im Interview vor ihrem Gummersbacher Gastspiel über Fußball und Handball, Angela Merkel und Indiana Jones.

Hazel Brugger (32) kommt nach Gummersbach. Die schweizerisch-deutsch-US-amerikanische Stand-up-Comedian, Moderatorin und Podcasterin geht mit ihrem fünften Bühnenprogramm „Good Evening Europe“ auf Tournee. Die Tour soll rund 60 Shows in Deutschland, Österreich und der Schweiz umfassen. Am 26. September tritt sie in der Schwalbe-Arena auf. Reiner Thies interviewte sie deshalb am Telefon.

Sie haben Ihre Tournee hier ganz in der Nähe in Rösrath gestartet, im September kommen Sie nach Wuppertal und Gummersbach. Das Bergische Land ist geradezu einer der Schwerpunkte Ihrer Deutschland-Tour.

Hazel Brugger: Was sonst? Ich will nette Leute im Publikum haben und eine schöne Aussicht dazu. Ich war früher mit meinen Kindern mehrmals dort unterwegs.

Sicher kennen Sie aus Ihrer Kölner Zeit auch noch die „Bergische Schweiz“?

Ja, die hatte ich mir etwas anders vorgestellt.

Was verbinden Sie mit Gummersbach?

Die Tropfsteinhöhle.

Die ist in Wiehl.

Was ist mit Much? Da habe ich mal einen Schreinerkurs besucht und einen Klapptisch gebaut, mit dem man im Bett frühstücken kann. Ansonsten verbinde ich mit Gummersbach natürlich Handball. Ich hoffe, dass ich in der Arena Harz kriege, damit das Mikro nicht aus der Hand rutscht.

Manche Comedians tunen ihre Programme kurz vor dem jeweiligen Auftritt in Münster oder Braunschweig gern noch mit ein bisschen Lokalkolorit – ein gutes Verfahren oder zu durchschaubar?

Das ist schon cool, wenn man die Leute dort abholt, wo sie sind. Wenn sie merken, dass die Person auf der Bühne sich auch an diesen Abend erinnern wird. Ich gucke immer, ob ich eine Beziehung zu dem jeweiligen Ort habe. Vielleicht sehe ich mich vorher noch einmal in Gummersbach um.

Stimmt es, dass Sie in Ihrem neuen Programm „die Zwischenwelt zwischen Glanz und Gülle“ erkunden, wie ich gelesen habe? Also besonders Ihr neues, privates Leben in der südhessischen Provinz betrachten?

Der Odenwald ist das Bergische Land von Frankfurt. Ich interessiere mich aber auch grundsätzlich dafür, wie es ist, in Deutschland zu leben.

Ist der schwierige Hausumbau inzwischen abgeschlossen?

Jetzt sind gerade die Maler da. Ich frage mich gar nicht mehr, was die genau tun, sondern genieße einfach das zwischenmenschliche Miteinander. Es gilt: Schaffe, schaffe, Häusle baue. Atme, sterbe.

Würde Ihr privates Umfeld Sie als besonders humorvollen Menschen beschreiben?

Auf jeden Fall. Im Idealfall sagen die Leute, nachdem sie mich auf der Bühne gesehen haben: Genauso kenne ich sie.

Wie schafft man es, mit Witzen eine große Sporthalle wie die Gummersbacher Schwalbe-Arena mitzureißen? War Ihr Engagement beim Eurovision-Song-Contest 2025 in Basel dabei ein hilfreiches Training?

Es ist gar nicht so ein großer Unterschied, ob man in einem kleinen Klub oder einer großen Halle auftritt. Man muss jede einzelne Person abholen, dafür sorgen, dass die Leute in die Lage kommen zu lachen. Dafür braucht man Empathie und das Wissen, dass wir am Ende alle gleich sind. Das schaffe ich auch in Gummersbach, solange genug Harz am Mikro ist.

Ihr Programm heißt „Good Evening Europe“, nicht aber „Gute Nacht Europa“. Ist die europäische Einigung für Sie als deutsche US-Schweizerin ein Hoffnungsprojekt?

Ich finde, Europa ist eine tolle Idee, die wir nicht aufgeben sollten. Die Schweiz mag ganz gut damit gefahren sein, dass sie nicht beigetreten ist. Aber wir wissen nicht, wie es wäre, wenn sie es doch getan hätte.

Ich habe mir zehn Fragen von ChatGPT vorschlagen lassen, die mir dann aber alle nicht gefallen haben. Versuchen wir es trotzdem einmal. Die erste lautet: Gibt es Momente, in denen Sie selbst nicht mehr wissen, ob Sie gerade auf einer internationalen Bühne stehen oder einfach nur Müll rausbringen?

Das gibt’s nicht, das wäre ja krank. Für wie verballert hält mich ChatGPT?

Benutzen Sie selbst Künstliche Intelligenz? Wie witzig kann KI sein? Womit ist noch zu rechnen im Comedy-Business?

In der Waschmaschine nutze ich KI, für die Kreativarbeit nicht. KI ist nicht witzig, dafür fehlt es ihr an der Fähigkeit zur Überraschung und zur Selbstkritik. Comedians werden die letzten sein, die ihre Jobs verlieren. Witzig ist etwas, was wahr ist und keinen Sinn ergibt. Und das ist nicht die Stärke von KI. Darum wird sie keinen Humor entwickeln. Wobei: Selbst die Deutschen haben da ja Fortschritte gemacht.

Was erwartet uns im neuen Programm?

Es wird jedes Mal anders sein, Gummersbach kriegt eine andere Show als Koblenz, Stockholm oder New York. Es wird interessant für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie eine introvertierte Person und eine extrovertierte Person eine erfolgreiche Beziehung führen können. Und es geht natürlich um Schildkröten und Angela Merkel.

Die Altbundeskanzlerin hat zuletzt wieder sehr an Ansehen gewonnen. Woran liegt es?

Ihr Ruf ist wie der Hut von Indiana Jones, der noch kurz vor Verschließen des Tores gerettet werden konnte. Zack, hat sie doch nochmals abgestaubt. Was aber ehrlicherweise auch an der fehlenden Raffinesse ihrer Nachfolger liegt.

Hat sie bessere Politik gemacht? Oder steht sie einfach für entspanntere Zeiten, nach denen man sich zurücksehnt?

Ich denke, beides. Sie stand für eine überlegte, nicht so effekthascherische Kommunikation. Ich glaube, sie freut sich sehr, dass sie Trump nicht mehr erleben muss.

Spielt es eine Rolle, dass Angela Merkel eine Frau ist?

Nee, Alice Weidel ist auch sehr nervig.

Haben Sie es schon bereut, in Deutschland sesshaft geworden zu sein?

Nein, ich habe auch einen Schweizer Pass und kann schnell rennen. Ich lebe gern in Deutschland, ich mag die Kindergärten und die Herzlichkeit, die mir hier begegnet. Und den Krautsalat.

Welchem Team haben Sie bei der WM die Daumen gedrückt? Deutschland, Schweiz oder USA?

Ich weiß nicht, ob Sie in letzter Zeit mal Nachrichten gesehen haben. Derzeit will man keine US-Flagge wehen sehen. Nach dem Ausscheiden der Deutschen musste ich jedenfalls nicht mehr zwei verschiedene Nationaltrikots für meine Kinder waschen. Und zumindest eine meiner Staatsangehörigkeiten hat gegen Paraguay gewonnen. Gegen dieses Team zu verlieren, wäre auch mit mir als Trainerin zu schaffen gewesen. Aber vielleicht hätte Deutschland dann höher verloren. My heart goes out to Nagelsmann!