Die Gummersbacher Firma tecfor care entwickelt Pflegebetten in einem günstigen Baukastensystem - auch für schwergewichtige Patienten.
Made in OberbergPflegebetten aus Gummersbach für die ganze Welt

Sicheres Bett, mit komfortablem Ausstieg: Robin Knabe demonstriert eine Entwicklung seiner Firma. Tecfor care berücksichtigt international sehr unterschiedliche Vorlieben.
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„Dieses Bett hält was aus“, versichert Robin Knabe. Er fährt das Kopfteil des extrabreiten Pflegebetts hoch, klettert auf die Ecke, hüpft zum Beweis darauf herum und lacht. Knabe ist einer der beiden Geschäftsführer der Gummersbacher Firma tecfor care. Er bringt zwar selbst keine 300 Kilo auf die Waage, ist aber überzeugt, dass das Schwerlastbett auch bei extremer Belastung zehn Jahre hält.
Dies habe die Praxis in englischen Pflegeeinrichtungen gezeigt, wo das Bett vor seinem Debüt auf dem deutschen Markt eingeführt wurde. „Anfangs ist da eine Menge kaputt gegangen, daraus haben wir viel gelernt!“ Es gebe immer mehr übergewichtige Menschen, entsprechend steige die Nachfrage. Aber das Bett für besonders adipöse Patienten und Patientinnen ist nur eines der zahlreichen Modelle im Katalog der im Jahr 2006 gegründeten Firma, die ihren Sitz in Gummersbach hat. Gerade wurde sie mit dem TOP-100-Siegel als eines der innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstands ausgezeichnet. Im Juni wird der frühere Bundespräsident Christian Wulff als Mentor des Innovationswettbewerbs der Firma persönlich gratulieren.
Erfolgrezept aus Oberberg
Welche Idee sich in einem Pflegebett von tecfor care verbirgt, erschließt sich beim genaueren Hinsehen. Das Standardbett für die häusliche Pflege wird vom Arzt verschrieben und von den Krankenkassen bezahlt. Sanitätshäuser, die es zur Verfügung stellen, bekommen dafür eine Pauschale von 400 bis 450 Euro, Patienten müssen nichts zuzahlen, bekommen aber eben auch nur diesen Standard. „Die Alternative war lange Zeit ein um die 4000 Euro teures, selbst bezahltes Luxusbett“, schildert Knabe. „Als Newcomer auf dem heiß umkämpften Markt haben wir darum überlegt: Wie kann man das Standardbett aufrüsten, dem Kunden die Chance zur Mitgestaltung bieten und das Ganze noch etwas günstiger gestalten?“
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Konstrukteur André Löhrer ist für die zahlreichen Varianten des Baukastensystems verantwortlich.
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Die Lösung ist ein Baukastensystem. Dazu gehören etwa geteilte, auf Wunsch auch gepolsterte Seitengitter zum leichteren Ausstieg und besserem Handling bei der Pflege. Oder ein Verlängerung des Gestells für große Menschen. Und Variationen beim Design: Wie wäre ein Kopf- und Fußteil in Bella-Noce-Braun oder lieber in Lindberg-Eiche-Look? Das Pflegebett wird wohnliches Möbelstück, das zur Einrichtung passt.
Je nach Wunsch ist solch ein Bett mit einer Zuzahlung von maximal 2000 Euro zu haben, „meist sind es um die 700 Euro“, sagt der Geschäftsführer. Eigene Werke in China und Bosnien machen es möglich. Die Betten für die häusliche Pflege werden zusammengeklappt geliefert. Die Modelle für Pflegeeinrichtungen sind robuster, aber auch hier wachse der Trend zu gefälligerem Design, berichtet Knabe: Die Heime möchten ein Ort zum Leben und kein Ort zum Sterben sein.
Gummersbacher liefern bis nach Südamerika
Längst beliefert die Firma mit 160.000 Betten jährlich fast den gesamten europäischen Markt, daneben Israel, die USA und Südamerika. Mit bemerkenswerten Unterschieden: „Die Finnen wollen keine Kopfteile, weil die Betten angeblich sowieso an der Wand stehen. In England sind die Pflegebetten nur sechs Zentimeter hoch und man lehnt Seitengitter ab, um niemanden einzusperren. Falls jemand herausfällt, soll er nicht so tief stürzen“, berichtet Knabe. „Und in Spanien ist der Standard sehr niedrig, im Grunde ist es ein verstellbarer Lattenrost auf vier Beinen.“
Seit drei Jahren drängt tecfor care auf den deutschen Markt und verkauft hier eine fünfstellige Zahl an Pflegebetten jährlich. Im Kotthausener Lager stapeln sich auf 5000 Quadratmetern bis zu 5000 verpackte Betten. Dazu kommt vielfältiges Zubehör, falls es mal zu Lieferschwierigkeiten aus China kommt. „Ein Patient, der aus dem Krankenhaus entlassen wird, braucht das Bett sofort und nicht erst in einigen Wochen“, betont Knabe.
Während im chinesischen Werk 500 und in Bosnien 100 Mitarbeitende tätig sind, arbeiten in Kotthausen nur 40 Männer und Frauen. „Hier ist die Entwicklung und die Konstruktion, hier wird getestet, alle Ideen kommen aus Gummersbach, auch für den Aufbau des Vertriebs“, sagt der Geschäftsführer. Neu im Portfolio: In Zusammenarbeit mit einem Möbelbauer entstehen Ultrakomfortbetten mit Einstellmöglichkeiten, die Schnarchen, Reflux oder Migräne entgegenwirken sollen.

