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DiamanthochzeitAm Jubeltag pflanzen Hildegard und Reinhard Grüber aus Waldbröl eine Linde

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Auf dem Gelände des Naturerlebnisparks Panarbora hat das Jubelpaar Hildegard und Reinhard Grüber aus Waldbröl zur Feier der Diamanthochzeit eine Linde gesetzt.

Auf dem Gelände des Naturerlebnisparks Panarbora hat das Jubelpaar Hildegard und Reinhard Grüber aus Waldbröl zur Feier der Diamanthochzeit eine Linde gesetzt.

Aus dem Leben in der Marktstadt ist das Ehepaar Grüber nicht wegzudenken: Beide haben ihr Leben vor allem dem Ehrenamt und dem Sport gewidmet.

Als der junge Kfz-Mechaniker Reinhard Grüber eines Morgens nach seiner Zeit bei der Bundeswehr an seinen Arbeitsplatz in der Fiat-Werkstatt von Bernhard Happ zurückkehrt, da bleibt der damals 20-jährige Waldbröler wie vom Donner gerührt in der Tür zu den Büroräumen stehen: In seiner Abwesenheit hat eine junge Frau in dem Betrieb an der Brölstraße ihre Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten, Schwerpunkt Buchhaltung, begonnen.

„Da war‘s um mich geschehen“, erinnert sich die heute 86 Jahre alte Grüber an die erste Begegnung mit Hildegard: Die ist damals 15 Jahre alt – seit nunmehr sechs Jahrzehnten sind die beiden verheiratet, am Mittwoch (22. April 2026) feiern Reinhard und Hildegard Grüber (80) im kleinen Familienkreis ihre diamantene Hochzeit.

Hinter den beiden Waldbrölern liegt kein leichtes Leben, als sie sich kennenlernen

Und nicht nur das: Auf dem Gelände des Waldbröler Naturerlebnisparks Panarbora hat das Jubelpaar eine junge Linde gepflanzt. „Diesen Baum haben wir wegen seiner symbolischen Bedeutung ausgewählt“, verrät Grüber. Ihr Ehefest wollen die beiden als Ausdruck von „Dankbarkeit, Liebe und Frieden“ verstanden wissen. „Wir beide wissen, was Armut ist“, sagt Hildegard Grüber, die aus Sprockhövel (bei Wuppertal) stammt. „Wir wünschen uns Frieden für alle und wir sind glücklich und dankbar, dass wir bei guter Gesundheit gemeinsam alt werden dürfen.“

Denn ein leichtes Leben liegt nicht hinter den beiden. Reinhard Grübers Kindheit in Waldbröl ist geprägt von den Nachkriegsjahren. „Unsere Eltern Otto und Helene wussten oft nicht, wie sie uns drei Kinder satt bekommen sollten“, blickt er zurück. Im Spätsommer 1949 wütet zudem eine Typhus-Epidemie in der Marktstadt.

Doch in die Vergangenheit zu blicken, das ist die Sache der Grübers nicht, deswegen kramen die beide auch nicht nach Fotos von ihren Trauungen: Am 22. April 1966 haben sie standesamtlich geheiratet, am 6. Mai dann in der Kirche von Heidberg. „Seither haben wir immer alles ganz schlicht und einfach gehalten und auch unsere Goldhochzeit zum Beispiel nur in der Familie gefeiert“, schildert Hildegard Grüber. Schon am 1. April 1966 wagt das Paar gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit.

Mit der eigenen Fahrschule in der Heimatstadt Waldbröl erfüllt sich für Reinhard Grüber ein Traum

Damit erfüllt sich für Reinhard Grüber auch ein großer Traum: Das Ehepaar eröffnet eine Fahrschule. „Ich wollte immer Fahrlehrer werden und habe dafür 1969 sogar den Meister gemacht, den es damals noch gab.“ Fortan kann er also selber Fahrlehrer unterrichten. Während er im Auto sitzt und über bergische Straßen kurvt, führt Hildegard Grüber die Geschäfte. Die Fahrschule gibt es in Waldbröl noch heute, und zwar in dritter Generation: Tochter Kerstin Simone Grüber-Büch (59) und ihr Ehemann Lutz Büch haben jüngst Enkelin Kery-Kim (33) in die Geschäftsleitung aufgenommen.

Seit dem Jahr 2000 sind die beiden Gründer im „Unruhestand“. „Seit 1961 haben wir eigentlich keinen Tag mehr getrennt voneinander verbracht“, erzählt Reinhard Grüber, der seine Hildegard fortan vom Ausbildungsplatz immer nach Hause fährt, die junge Frau lebt in Odenspiel. „Die Fahrten waren lang, wir konnten viel reden“, schildert sie. Und wie es in Waldbröl zu jener Zeit üblich ist, gerät ein Abend in Althoffs Kino zu dem wichtigsten in ihrem Leben: Die beiden werden ein Paar. An den Film erinnern sie sich indes kaum noch. Hildegard Grüber: „Es war einer mit Ben Hur. Und er hat Stunden gedauert.“

Die Liebe zum Sport und zu Ehrenamt hat das Ehepaar aus Waldbröl noch enger zusammengeschweißt

Die gemeinsame Leidenschaft für den Sport, sowohl auf dem Platz als auch auf den Zuschauerrängen, schweißt die heutigen Jubilare noch enger zusammen: Sie fahren noch heute zum Handballgucken nach Nümbrecht und zum Tischtennis nach Bergneustadt, früher geht‘s zudem zum Skifahren ins Allgäu und nach Südtirol. Die Grübers stehen gern auf dem Tennisplatz, Reinhard Grüber feiert auch als Leichtathlet, Feldhandballer und Läufer etliche Erfolge.

„Zur anderen Hälfte unseres Lebens gehört aber auch das Ehrenamt“, betont Reinhard Grüber, der zurzeit Mitglied ist in elf Vereinen. Er ist etwa Ehrenvorsitzender des fast 140 Jahre alten Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Im Februar 2004 hat ihn Alt-Bundespräsident Johannes Rau mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet für seine vielfältigen Verdienste um das Leben in Waldbröl, seit September 2017 ist Grüber Träger der „Waldbröler Uhr“.

Und 2013 ist Grüber nicht nur Mitgründer des Bürgerbusvereins, sondern auch Busfahrer der ersten Stunde. In der Stadtpolitik hat der frühere Fahrlehrer ebenso Spuren hinterlassen: Sechs Jahre lang war er Mandatsträger im Stadtrat für die FDP, 20 Jahre zudem Sachkundiger Bürger.

Jüngst hat das Ehepaar ein weiteres Abenteuer gemeinsam bewältigt: Man ist umgezogen vom Freiheitweg in eine schmucke Wohnung in der Nähe des Waldbröler Schulzentrums. Der Grübersche Baum auf Panarbora soll ein Baum fürs Leben sein. „Und wir hoffen, dass andere Ehepaare diese Idee aufgreifen und damit auch der Umwelt etwa Gutes tun“, sagt Hildegard Grüber.


Das sind die Jubilare aus Waldbröl

Sie sagt über ihn: „Wenn ich ihn heute um etwas bitte, dann ist es spätestens morgen erledigt. Und das tut er auch, wenn andere Menschen ihn um etwas bitten. Auch seine Zielstrebigkeit habe ich immer bewundert. Und ich schätze unseren Zusammenhalt: Der eine ist immer für den anderen da.“

Er sagt über sie: „Sie ist unglaublich fleißig, nie ist ihr etwas zu viel. Sie erfüllt jeden Wunsch, den man nur aussprechen kann. Und sie ist immer für alle da – für die Familie, die Freunde, die Nachbarschaft. Sie hat mir ermöglicht, im Beruf das zu tun, was ich machen wollte. Sie war mir immer eine große Hilfe.“