Viel weniger Verkehr und vor allem weniger Elterntaxis, neue Plätze für Zweiräder: Das Rathaus zieht eine erste Bilanz und ist höchstzufrieden.
VerkehrsprojektOberbergs erste Schulstraße in Waldbröl ist schon heute ein Erfolg

Vertreterinnen und Vertreter der Schulen und des Waldbröler Rathauses stellten Ergebnisse und Erfahrungen nach Einführung der ersten Schulstraße in der Marktstadt vor. Mobilitätsmanager Rudolf Bergen (rechts) führte zudem die neuen, bequemen Abstellbügel für Fahrräder vor.
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Die Abstellbügel sind so neu, dass an manchen sogar noch die Blasenfolie klebt. Gerade erst ist der Bauhof der Stadt Waldbröl ausgerückt, um 88 neue Plätze für Zweiräder einzurichten. Das Fahrradfahren sicherer und attraktiver zu machen, ist ein Ziel. Den Eltern das Taxigeschäft zu vermiesen ein anderes: Fast genau sechs Monate nachdem die Stadt die Goethestraße als Hauptzufahrtsstrecke zum Hollenberg-Gymnasium und zur Gesamtschule zu einer Schulstraße erklärt hat, haben Vertreterinnen und Vertreter des Waldbröler Rathauses sowie vom Gymnasium und von der etwas entfernter gelegenen Realschule am Freitag eine erste Bilanz gezogen. Und die kann sich sehen lassen.
„Wir haben hier etwa 150 Eltern-Autos weniger als früher gezählt, der Verkehr hat insgesamt um rund 85 Prozent abgenommen“, berichtet Rudolf Bergen, Mobilitätsmanager der Stadt. „Allein in der Stoßzeit von sieben bis acht Uhr am Morgen ist der Verkehr um rund 70 Prozent weniger geworden.“ Was Bergen besonders freut: „Die Umsetzung hat sich nahezu geräuschlos vollzogen, es hat kaum Beschwerden gegeben.“
Frank Bohlscheid, Rektor des Hollenberg-Gymnasiums, bestätigt dies und betont, dass es heute vor der Schultür deutlich ungefährlicher und ruhiger zugehe als jemals zuvor. „Allerdings muss eine Lösung gefunden werden, dass Besucherinnen und Besucher uns problemlos erreichen können.“ Eine Pflegschaftskonferenz sei da neulich sehr teuer geworden: Die Polizei habe kontrolliert und auch kassiert. „Wir bräuchten eine Art Tagesticket, das die Zufahrt erlaubt.“
Entspannung ist in Waldbröl bis an die Realschule zu spüren
So ist die Goethestraße an Schultagen von 7 bis 8 Uhr und erneut von 12.30 bis 15.45 Uhr gesperrt, hinauf zu den Schulen fahren darf nur, wer mit einem Karte die Berechtigung vorweisen kann. Dass der Verkehr viel entspannter fließe, findet Christa Sostmann, die Leiterin der städtischen Realschule, ebenfalls: „Das ist bis zu uns zu spüren.“
In Betrieb genommen worden ist die Schulstraße am 27. Oktober im vergangenen Herbst (2025) – als Projekt, das zunächst auf ein Jahr befristet ist. Für Bürgermeisterin Larissa Weber steht aber längst fest: „Das setzen wir fort.“ Wissenschaftlich begleitet und dokumentiert wird das Waldbröler Vorhaben als eines von sechs landesweit von der Bergischen Universität in Wuppertal und dem ebenso dort ansässigen Planungsbüro Bueffee.
Und die Bundesanstalt für Straßenwesen der Marktstadt hat eine tiefgehende Evaluierung spendiert. „Drei von vier Messungen sind erfolgt“, schildert Rudolf Bergen. Im Juni will der Mobilitätsmanager dem Ausschuss für Bauen und Verkehr des Stadtrats detaillierte Ergebnisse vorlegen. Und gekostet habe das Gesamtpaket übrigens keine 13.000 Euro.
Ein Grund für den Erfolg sei auch, dass die Stadt an der Vennstraße zusätzlichen Parkraum für Eltern und Angehörige geschaffen habe: Die dürfen nicht nur den Platz an der Nutscheidhalle nutzen, sondern auch den früheren Wendeplatz für Busse: Dort hat der Bauhof eine Verkehrsinsel versetzt, den Schilderwald gelichtet und eine breitere Einfahrt zu beiden Plätzen geschaffen. Aufgehoben ist das Halteverbot auf der Seite entlang der Vennstraße, da darf nun auch geparkt werden. Und weil es zwei Zufahrten gibt, müssen Busse da nicht mehr drehen. „Das kommt an, hier findet man immer einen Platz, vor allem aber auf dem Buswendeplatz“, sagt Bergen.
Waldemar Karastelev, Anwohner der Goethestraße, ist nicht ganz so zufrieden: „Der Verkehr nimmt zurzeit wieder zu, vor allem nach sieben Uhr“, hat er beobachtet. „Früher gab es mehr Kontrollen, die sollten wieder verstärkt werden.“
