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Vier Millionen investiert
Neustart im Steinmüller Bildungszentrum in Gummersbach

3 min
Geschäftsführer Hans Marenbach und Prokurist Bernd Klein stehen in den Räumen des SBZ, das zahlreiche neue Maschinen angeschafft hat.

Geschäftsführer Hans Marenbach (r.) und Prokurist Bernd Klein in den Räumen des SBZ, das zahlreiche neue Maschinen angeschafft hat. 

Der Oberbergischer Kreis hält jetzt die Mehrheit an dem Steinmüller Bildungszentrum.

Das Steinmüller Bildungszentrum (SBZ) hat die Weichen für die Zukunft gestellt. Nach einer kürzlich abgeschlossenen Umstrukturierung hält der Oberbergische Kreis nun 56,19 Prozent der Geschäftsanteile, die Stoltenberg-Lerche Stiftung 43,81 Prozent. Die Stadt Gummersbach hat keine Anteile mehr. Die Stiftung geht auf Hertha Stoltenberg-Lerche zurück, die eine Tochter von Karl-Hugo Steinmüller gewesen ist. Die Stiftung war es auch, die nach der Babcock-Insolvenz und dem Ende von Steinmüller in Gummersbach die Lehrwerkstatt aus der Insolvenzmasse gekauft hatte.

Bundeskanzler Helmut Schmidt (M.) besuchte Anfang der 1980er Jahre die Ausbildungswerkstatt von Steinmüller.

Bundeskanzler Helmut Schmidt (M.) besuchte Anfang der 1980er Jahre die Ausbildungswerkstatt von Steinmüller.

Der Ausbildungsbetrieb des Kesselbauers, den Anfang der 1980er Jahre auch der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt besucht hatte, wurde dadurch aufrecht erhalten. Das Angebot richtet sich seitdem an Firmen in ganz Oberberg. Für die seit 25 Jahren geleistete Arbeit im Steinmüller Bildungszentrum erhielten die Verantwortlichen um den neuen Geschäftsführer Hans Marenbach zuletzt auch eine Urkunde der IHK. Und der hat seit seiner Bestellung in der Gesellschafterversammlung am 11. Juli 2025 an einem Zukunftskonzept für das SBZ gearbeitet. Dazu gehört auch ein Invest von vier Millionen Euro in den Maschinenpark und die Ausstattung des Zentrums. 80 Prozent davon werden gefördert, wie Marenbach erklärt. Zusätzlich ist noch eine Million Euro in das operative Geschäft geflossen.

Den Kontakt zum SBZ hat der damalige Landrat Jochen Hagt geknüpft. Marenbach kannte er schon aus der Zeit als Gründungsmitglied der Kunststoffinitiative Oberberg. Der Manager war viele Jahre Personalchef bei der Hückeswagener Firma Pflitsch. Dass Hagt ihn gefragt habe, ob er das SBZ vorantreiben wolle, habe ihn „getriggert“, sagt Marenbach beim Treffen mit dieser Zeitung. Doch die Ausgangslage sei nicht einfach gewesen. „Warum auch immer gab es mit Corona auch eine Zäsur bei uns“, sagt Marenbach. Die erlittenen Verluste seien existenzbedrohend gewesen. Doch diese Zeiten hat das SBZ hinter sich gelassen.

Zahl der Umschüler hat abgenommen

Was die Arbeit allerdings erschwert: Die „Kundschaft“ hat sich gewandelt. Der Markt der Umschüler, seien es Arbeitssuchende oder Migranten, sei geschrumpft, berichtet Marenbach. Und die gewerblich technischen Berufe, einst ein Alleinstellungsmerkmal des Steinmüller Bildungszentrums, seien nicht mehr so attraktiv. Da kommt das zweite Standbein der Einrichtung, die Verbundausbildung, nur gelegen. Dazu gehört auch die Vorbereitung von Prüflingen für deren IHK-Prüfung. „Weil unsere Ausbilder auch für die IHK prüfen, wissen wir, was verlangt wird“, sagt der neue Geschäftsführer.

Dieses Know-how sei aber noch längst nicht in allen Unternehmen bekannt. Das soll sich ändern, wie Prokurist und Ausbildungsleiter Bernd Klein sagt. Und den Umsatz, den man im Bereich von Umschulungsmaßnahmen eingebüßt habe, will Marenbach durch die Verbundausbildung kompensieren. Das scheint mehr als ein Plan zu sein, denn viele Unternehmen hätten gar nicht die Möglichkeit, in dem erforderlichen Maße auszubilden, weil die Ausbilder auch in den regulären Betrieb eingebunden seien. So gesehen könnten sich die lokalen Unternehmen und das SBZ die Arbeit teilen. Zur Arbeit des Zentrums zählt Marenbach, Menschen mit mentalen und Sprachhürden auszubilden bzw. zu qualifizieren.

Marenbach, dessen Vertrag Ende 2025 um ein Jahr verlängert wurde, hat sich für das Jahr 2026 ein Wachstum des SBZ um zehn bis 20 Prozent auf die Fahne geschrieben. Dafür tritt er an mit einem 25-köpfigen Team, das knapp 20 Vollzeitstellen entspricht. Ein Drittel davon macht der so genannte Overhead aus, also Geschäftsführung und Verwaltung. Eine Zahl, die laut Marenbach aber noch schrumpfen soll, wie er sagt.