Seit Jahren plant Stephan Große in Lindlar eine inklusive WG. Noch fehlen Fachkräfte für die Umsetzung.
Selbstbestimmt lebenLindlarer kämpft für Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung

Der 45-jährige Stephan Große hofft, seine Idee einer Wohngemeinschaft bald verwirklichen zu können.
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Seit etwa acht Jahren verfolgt Stephan Große aus Lindlar ein Ziel: Er möchte eine Wohngemeinschaft für Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen in Oberberg aufbauen. Die Idee beschäftigt den 45-Jährigen inzwischen nahezu täglich. Doch bevor das Projekt konkrete Formen annehmen kann, muss zunächst eine entscheidende Voraussetzung erfüllt werden: Das Vorhaben braucht geeignetes Fachpersonal.
Suche nach Personal bleibt größte Hürde
Geboren worden ist Große in Zeitz in Sachsen-Anhalt. Wegen einer speziellen logopädischen Behandlung kam er bereits in jungen Jahren regelmäßig mit seiner Familie nach Lindlar. Später entschied sich seine Mutter, dauerhaft ins Oberbergische zu ziehen. Seit 2011 lebt Große allein in einer behindertengerechten Wohnung in Lindlar.
Aufgrund einer infantilen Cerebralparese (ICP) und einer schweren Dysarthrie ist er rund um die Uhr auf Unterstützung im Alltag angewiesen. Dennoch organisiert er sein Leben weitgehend selbstständig. Fünf Tage in der Woche arbeitet er bei der BWO, daneben investiert er viel Zeit in die Planungen für sein Wohnprojekt.
Eigentlich beschäftigt er sich den ganzen Tag mit dem Projekt – und manchmal auch nachts
Die Kommunikation mit ihm erfolgt über eine Buchstabentafel. Dabei hält sein Assistent Ilja Kramer eine Scheibe mit Buchstaben vor ihn, die Große mit seiner Nase ansteuert. So entstehen Wort für Wort und Satz für Satz Gespräche. Auch am Computer arbeitet der Lindlarer selbstständig. Mit speziellen Schaltern, die er über Knie- und Kopfbewegungen bedient, kann er Maus und Computer steuern, E-Mails schreiben und organisatorische Aufgaben auf seiner eigens angelegten Internetpräsenz erledigen. Unterstützung erhält Große von einem vierköpfigen Assistenzteam. Einer von ihnen ist Kramer, der seit rund fünf Jahren mit ihm zusammenarbeitet. Die Assistenten wechseln sich in einem Blockmodell ab. „Eigentlich beschäftigt er sich den ganzen Tag mit dem Projekt – und manchmal auch nachts“, sagt Kramer über den Einsatz, den Große für seine Idee aufbringt.
Die geplante Wohngemeinschaft soll Platz für insgesamt vier Bewohner bieten. Neben dem gemeinsamen Leben sollen auch Rückzugsmöglichkeiten und individuelle Freiräume geschaffen werden. Rund um die Uhr soll qualifiziertes Personal zugegen sein. Nach den Vorstellungen von Große wären dafür insgesamt etwa sieben Pflege- und Betreuungskräfte notwendig.
Ein Leben voller Eigeninitiative
Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, die eigene Lebenssituation weiterzuentwickeln. Zwar lebt Große seit Jahren selbstständig mit persönlicher Assistenz, dennoch sieht er in einer Wohngemeinschaft zusätzliche Möglichkeiten für mehr Gemeinschaft, gemeinsame Aktivitäten und Lebensqualität. „Ich bin zielstrebig, lebenslustig und ehrgeizig“, beschreibt er sich selbst. Eigenschaften, die ihm bei der Verfolgung seines Ziels helfen.
An den grundsätzlichen Planungen mangelt es also nicht. Die größte Herausforderung ist derzeit die Personalsituation. Nach Angaben von Große scheiterte die Umsetzung bislang immer wieder daran, ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu finden. Gesucht werden Menschen mit pflegerischer Erfahrung, die neben der Betreuung auch organisatorische Aufgaben übernehmen können. Von dieser Personalfrage hängt inzwischen die weitere Entwicklung des Projekts maßgeblich ab.
Stephan Große würde sich zudem mehr Unterstützung von Politik und Krankenkassen wünschen. Gerade bei Genehmigungen und Anträgen seien die Wege oft lang und kompliziert. Dennoch hält er an seinem Vorhaben fest. Schließlich soll die Wohngemeinschaft nicht nur ihm selbst zugutekommen, sondern auch anderen Menschen mit Beeinträchtigungen eine zusätzliche Wohn- und Lebensperspektive bieten.
Darüber hinaus hofft er, Menschen zu erreichen, die sich grundsätzlich für das Wohnprojekt interessieren und sich vorstellen können, Teil einer solchen Gemeinschaft zu werden.
Weitere Informationen zu dem Vorhaben stellt er auf seiner Internetseite zur Verfügung.www.s-g-f.de
