Hohe Energiekosten, weniger Aufträge, die Lage bei S+C ist angespannt. Neue Geschäftsfelder sollen für Umsatz sorgen.
Neue Geschäftsfelder entwickelnLindlarer Edelstahlspezialist S+C blickt in der Krise nach vorne

Die Rohrschweißanlage in einer Produktionshalle der Firma Schmidt+ Clemens in Kaiserau.
Copyright: S+C
Hohe Energiekosten, hohe Rohstoffpreise, dazu ein stagnierender Absatzmarkt aufgrund weltweiter Krisen: Die Rahmenbedingungen für den Edelstahlspezialisten Schmidt + Clemens in Kaiserau sind alles andere als gut. Und diese Lage hat bereits zu Konsequenzen geführt. Das Familienunternehmen hat Mitarbeiter entlassen müssen und Kurzarbeit eingeführt.
Aufgrund der wirtschaftlichen Situation haben S+C Umstrukturierungsmaßnahmen begonnen, die Effizienzsteigerung und organisatorische Straffung des Unternehmens zum Ziel haben, hatte die Firma in einer Mitteilung im November vorigen Jahres geäußert. Zu den Maßnahmen zählten die Zusammenlegung von bisher getrennten Gießereien und die Abschaffung der Produktion rund um die Uhr. Zudem sollten Abläufe optimiert, Hierarchieebenen reduziert und die Organisation schlanker werden. Von den Änderungen waren 100 Mitarbeiter betroffen.
Kapazitäten reduziert, eine Schicht gestrichen
Es gehe um die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens insgesamt und des Standortes Kaiserau im Besonderen, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Jan Schmidt-Krayer. In den letzten Jahren hatte das Familienunternehmen Personal aufgestockt und den Drei-Schicht-Betrieb eingeführt, weil es eine gute Nachfrage gab und man die erfolgreichsten Jahre in der mehr als 145-jährigen Unternehmensgeschichte verzeichnete. Auch 2024 sei noch ein gutes Jahr gewesen, aber die deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation habe 2025 dann zu der notwendigen Umstrukturierung und den Anpassungen der Kapazitäten gezwungen. Man habe versucht, das Ganze so sozialverträglich wie möglich umzusetzen, sagt der Geschäftsführer. Auch die aktuelle Zollpolitik der USA sorgten für Verunsicherung bei den Kunden, so dass es eine größere Zurückhaltung bei Aufträgen gebe.
Der Kostendruck sei allein schon durch die hohen Energiepreise hoch. So habe das Unternehmen im vorigen Jahr trotz aller Optimierungen und energetischen Maßnahmen rund 4,5 Millionen Euro allein für die Energie bezahlt. Die Preise seien im internationalen Vergleich viel zu hoch, klagt Schmidt-Krayer, der die Energiepolitik der Bundesregierung kritisiert und spezielle Preise für die Industrie fordert. Dass eine Subventionierung mit EU-Recht nicht vereinbar sein, könne er nicht nachvollziehen, da genau das ja in den EU-Nachbarländern geschehe. Die energieintensiven Unternehmen hätten durch die Politik in Deutschland einen deutlichen Wettbewerbsnachteil.
Nicht erst seit den aktuellen Krisen suche Schmidt+Clemens nach neuen Geschäftsfeldern, betont der Geschäftsführer. Die aktuellen Zustände zu beklagen, helfe nicht weiter. Auch wenn es noch zu früh sei, um über konkrete Projekte zu berichten, so sei er sehr zuversichtlich, dass das Traditionsunternehmen ein weitere Säule ihres Geschäfts entwickeln könne. Krisen böten auch immer Chancen, und diese wolle man nutzen.
Zahlen
Das Unternehmen wurden am 1879 in Frankfurt gegründet, im Jahr 1900 wurde der heutige Stammsitz in Kaiserau eröffnet. 2024 betrug der Umsatz 472 Millionen Euro. Am Stammsitz in Lindlar waren Ende Februar 583 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 30 Auszubildende. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe 1131 Mitarbeiter. Der Stromverbrauch lag 2025 bei 16,5 Mio kWh, dafür wurden mehr als drei Millionen Euro bezahlt, für Gas weitere 1,5 Millionen Euro.

