Wegen Donald Trump will Gary Vetter von Baltimore nach Deutschland übersiedeln. Seine Cousine Anke hilft ihm dabei.
FamilienforschungAmerikaner findet oberbergische Wurzeln

Anke Vetter versteht sich bestens mit Großcousin Gary, hier chatten sie bei einer Videokonferenz.
Copyright: Monika Siegfried-Hagenow
„Nächste Woche fahre ich nach Washington und beantrage meinen deutschen Pass. Dann ist es geschafft!“ Gary Vetter sitzt in seinem großen Haus in Baltimore (im US-Bundesstaat Maryland) und strahlt. Seine Großcousine Anke Vetter freut sich mit ihm in ihrem Wohnzimmer im oberbergischen Marienheide-Däinghausen. Die beiden unterhalten sich per Videokonferenz auf Englisch. „Hoffentlich muss ich die Formulare nicht auf Deutsch ausfüllen. Dann wird es brenzlig“, scherzt Gary.
Dass der 74-jährige US-Amerikaner eine gute Chance hat, ans ersehnte Ziel zu kommen, hat er ihr zu verdanken. Denn um einen deutschen Pass zu beantragen, muss er nachweisen, dass mindestens ein Großelternteil in Deutschland geboren ist.
Marienheiderin forschte nach
Warum ihm das so wichtig ist? Und warum gerade jetzt? Anke Vetter sagt: „Ich denke, angesichts dessen, was in Amerika gerade passiert, ist es für ihn eine Exit-Strategie, ein Plan B, auch eine Möglichkeit, seine Haltung zu demonstrieren.“
Vor einem halben Jahr hat er sie um Hilfe gebeten. So hat sich die 56-jährige Anke Vetter für ihn auf eine Reise in die Geschichte ihrer Familie begeben, eine Geschichte, die sie bisher kaum kannte, hat dabei Dokumente und alte Fotos zusammenzutragen und auch überraschende Entdeckungen gemacht.
Vor über 30 Jahren wollte ich nach Deutschland reisen, aber dann habe ich geheiratet und bin in Baltimore kleben geblieben.
„Unsere Großväter Paul und Walter Vetter waren Brüder“, berichtet Anke Vetter. Garys Vater, der ebenfalls Walter hieß, wurde noch in Lützinghausen geboren. Dessen Vater Walter, ein kluger Kopf und kreativer Erfinder, wanderte 1929 nach Amerika aus. Paul blieb, verkaufte mit dem Handwagen Seife, während Bruder Walter in der Neuen Welt Karriere machte.
Der Kontakt zwischen den beiden Zweigen der Familie blieb lose – bis Gary sich viel Jahrzehnte später auf seine Wurzeln besann. „Ich hatte schon lange so eine gewisse Sehnsucht. Vor über 30 Jahren wollte ich nach Deutschland reisen, aber dann habe ich geheiratet und bin in Baltimore kleben geblieben“, erzählt der Amerikaner. Jetzt sei es ihm ein Herzensanliegen, sich den Ursprüngen der Familie anzunähern.

Zu den Fundstücken aus der Familiengeschichte gehören Fotos und Urkunden: Der zweite Mann von links ist Paul, der dritte Walter.
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„Was Trump da veranstaltet, betrifft mich nicht direkt, aber emotional nimmt es mich sehr mit“, sagt Gary Vetter. Der Krieg im Iran, die Gefahr für die Demokratie, acht Millionen Demonstranten unter dem Motto „No Kings“ auf den Straßen. „Und Grönland“, wirft Anke Vetter ein. „Grönland? Was ist damit? Da wurde im amerikanischen TV kaum drüber berichtet.“ Ihr Großcousin schüttelt den Kopf.
Überhaupt sei zwar von morgens bis abends Trump im Fernsehen zu sehen bis zum Überdruss, aber es gebe in den Medien kaum echte Informationen, erst recht keine Kritik. „Das ist hier anders“, erklärt ihm Anke Vetter. Auch wenn es auch in Deutschland genug Anlass zur Sorge gebe.
„Ach ja, Deutschland!“, schwärmt Gary. Von bedenklichen politischen Entwicklungen will er lieber nichts hören. „Die Kultur gefällt mir so sehr. Und Sülze in Gläsern!“ Erst recht die spannende Familiengeschichte, die Anke im Gummersbacher Stadtarchiv mit Hilfe von Archivar Manfred Huppertz ausgegraben hat. Demnach hat ihr gemeinsamer Vorfahr Carl Vetter zusammen mit Carl Kamp den heutigen Gummersbacher Stadtteil Karlskamp gegründet. Ob man das alte Haus noch finden könnte, wenn er im Juni nach Oberberg kommt? Für erst einmal drei Wochen, die Reise ist schon gebucht. Und danach?
„Wenn ich erst meinen deutschen Pass habe, dann will ich sehr lange Zeit in Deutschland bleiben.“ Aber für immer? Da zögert der 74-jährige. „Vielleicht wenn es in Amerika noch schlimmer wird. Das entscheide ich dann.“
