Taxiunternehmer im Oberbergischen stehen vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die ersten geben bereits ihre Konzessionen zurück.
Kaum Fahrgäste, teurer SpritDas klassische Taxigeschäft ist in Oberberg längst vorbei

Der Morsbacher Taxiunternehmer Markus Gossmann berichtet von der sinkenden Nachfrage nach Taxis – vor allem nachts.
Copyright: Monika Siegfried-Hagenow
Kein Taxi? Der verhinderte Fahrgast ist fassungslos. Dabei musste der Gummersbacher am Morgen dringend zur Arbeit. Alle Fahrzeuge seien im Schülerverkehr und zu Krankenfahrten unterwegs, musste er erfahren. „Das ist sehr gut möglich“, bestätigt Roger Lang, einer der Geschäftsführer der Lang-Gruppe mit Zentrale in Nümbrecht und mehreren Standorten im Oberbergischen Kreis, so in Wiehl, Bergneustadt und in Gummersbach. „Wir können es uns nicht erlauben, ein Fahrzeug vorzuhalten für den Fall, dass mal bei jemandem das Auto nicht anspringt. Da muss man dann mal eine Stunde lang warten.“
Mindestlohn und Dieselpreis treiben die Kosten
Das klassische Tagesgeschäft mit Taxis, die am Bahnhof oder an Taxiständen warteten, sei bereits seit mehr als 40 Jahren vorbei. „Das ist allenfalls noch ein Nebengeschäft“, erklärt Lang. Eins, das sich nicht mehr lohne. Wirkten sich doch höhere Mindestlöhne und horrende Dieselpreise immer stärker auf die Fahrpreise aus und führten zu einem Rückgang der Fahrgastzahlen um 50 bis 60 Prozent.
„Ich kann den Ärger der Leute verstehen, aber was soll ich machen? Die Taxiunternehmen bluten ohne Ende.“ Er müsse auch wirtschaftlich denken. Allenfalls die regelmäßigen Fahrten im Schüler- und Krankentransport lohnten sich noch, führt Lang weiter aus. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein.
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Vor Jahren habe ich viel Geld für die Konzessionen bezahlt. Heute haben sie auf dem Land keinen Wert mehr.
„Vor Jahren habe ich viel Geld für die Konzessionen bezahlt. Heute haben sie auf dem Land keinen Wert mehr“, klagt auch Markus Gossmann aus Morsbach. „Ich habe viel Geld verbrannt, vor allem am Wochenende und nachts ist nichts los, ich musste trotzdem Wagen und Fahrer bereithalten, die Kosten waren höher als der Gewinn.“ Seine Konsequenz: Er hat alle Konzessionen zurückgegeben, drei in Reichshof, drei in Morsbach. Die Taxischilder sind abmontiert, die Autos sind jetzt als Mietwagen unterwegs.
„Im Gegensatz zum Taxis entfällt für Mietwagen die Bereitstellungspflicht, ich kann um 19 oder 20 Uhr Feierabend machen.“ Für Mietwagen kann der Unternehmer selbst die Betriebszeiten festlegen und entscheiden, sie nachts und am Wochenende in der Garage zu lassen. Einziger Nachteil: Seine Wagen dürfen nicht mehr bei Veranstaltungen vor der Halle oder vor dem Festzelt warten, denn im Gegensatz zu Taxis müssen Mietwagen nach jeder Fahrt zu ihrem Standort zurückkehren.
In Morsbach gibt es jetzt kein Taxiunternehmen mehr
Daher habe er bereits an Karneval keine Feiernden aus Morsbach und Denklingen mehr nach Hause gefahren, sagt Gossmann. In Morsbach gibt es jetzt kein ortsansässiges Taxiunternehmen mehr. Ganz so weit ist es in Waldbröl noch nicht. Aber auch Eva Peisker lässt seit November ihre Taxikonzessionen bis zum 30. Juni ruhen. „Ich warte ab, ob von der Politik was kommt“, begründet sie und meint damit unter anderem eine finanzielle Förderung von Rollstuhltransporten und „Unterstützung durch die Kommune für den 24-Stunden-Betrieb in Zeiten, wo nichts los ist“.
App verspricht „Alternative für Gummersbach “
Außerdem hofft sie auf eine Initiative gegen Dumpingpreise durch die Einführung von Mindesttarifen. Damit spielt sie auf die Konkurrenz durch die App-basierte Vermittlungsplattform Uber an. Zwar ist diese bisher nicht im Kreis aktiv, aber seit Januar wirbt die ähnliche Plattform Uride in den sozialen Medien offensiv als „Taxialternative in Gummersbach“ um Kunden, die per App einen Wagen bestellen können – mit drei Gratiskilometern.
Roger Lang, der auch im Taxiverband NRW aktiv ist, weiß um die Sorgen von Kollegen auch in anderen oberbergischen Gemeinden, die sich lieber nicht öffentlich äußern möchten. Er selbst erwägt, Konzessionen zurückzugeben. In Waldbröl will Eva Peisker bis Mitte Mai entscheiden, ob die Taxischilder wieder auf den Dächern ihrer Fahrzeuge angeschraubt werden oder ob auch sie nur noch als Mietwagen zu begrenzten Zeiten unterwegs sind.
Wer sicher gehen will, dass er im Berufs- oder Feierabendverkehr ein Taxi oder einen Mietwagen bekomme, sollte vorbestellen, rät Roger Lang. „Ich glaube, die Situation wird sich in Zukunft dramatisch schlecht entwickeln.“
Verordnung
Die Kreisverwaltung könnte nach der „Verordnung über den Gelegenheitsverkehr“ die Taxiunternehmen zur Aufstellung und Einhaltung von Dienstplänen verpflichten, um die Versorgung „durch Beförderungsleistungen mit Taxen sicherzustellen, besonders wenn diese im erforderlichen Umfang nicht mehr funktioniert“. Daran sei jedoch nicht gedacht, der Kreis sehe keinen akuten Bedarf zum Handeln, teilt Kreissprecher Philipp Ising auf Anfrage mit. Vermehrte Beschwerden lägen weder kreisweit noch speziell für das Gebiet der Gemeinde Morsbach vor.

