Schnelle Hilfe bei schweren Notfällen leistet das Kindernotarzt-Team. Ermöglicht wird es durch den gemeinschaftlichen Einsatz des Klinikums Leverkusen, der Berufsfeuerwehr Leverkusen und der Björn Steiger Stiftung.
KindernotarztSpezialisten für kleine Patienten aus Leverkusen fahren auch Einsätze in Rhein-Berg

Unterwegs ist jeweils ein Duo aus Medizin und Pflege: eine Fachärztin oder ein Facharzt der Kinderheilkunde mit Zusatzweiterbildung Notfallmedizin und eine speziell qualifizierte Pflegefachkraft.
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Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – erst recht nicht in der Medizin. Auch und gerade im Notfall brauchen Kinder und Jugendliche eine spezialisierte medizinische Versorgung. Im Rheinisch-Bergischen Kreis kümmert sich darum nun ein Kindernotarzt-Team aus Leverkusen. Denn das am Klinikum Leverkusen angesiedelte Team unterstützt bei Bedarf auch im Umland: im Rheinisch-Bergischen Kreis und auf Kölner Stadtgebiet. Außerhalb von Leverkusen rücke das Team bei Reanimationen und Hausgeburten aus, so das Klinikum auf Nachfrage. „Zudem kann es bei allen anderen Kindernotfällen, bei denen sich an der Einsatzstelle herausstellt, dass ein Kindernotarzt gebraucht wird, nachalarmiert werden“, so David Posor, Leiter Unternehmenskommunikation des Klinikums.
Ermöglicht wird das Kindernotarzt-Team durch den gemeinschaftlichen Einsatz des Klinikums Leverkusen, der Berufsfeuerwehr Leverkusen und der Björn Steiger Stiftung. Die speziell ausgebildeten Kinderärztinnen und -ärzte sind mit einem von der Stiftung finanzierten Sonderfahrzeug unterwegs, das zum Transport von Personal und medizinischer Ausrüstung ausgebaut wurde. Die Alarmierung erfolgt über die Feuerwehr Leverkusen, in deren Alarm- und Ausrückeordnung das neue Team des Klinikums fest integriert ist. „Das Kindernotarzt-Team wird durch unsere Leitstelle zu allen Notfällen mit Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren zusätzlich alarmiert, bei denen auch ein regulärer Notarzt eingesetzt wird“, sagt der Leiter der Feuerwehr Thomas Kresse.
Wenn ein Kind lebensbedrohlich erkrankt oder verletzt ist, braucht es so früh wie möglich spezialisierte Expertise
Falls das Team mit seinem speziellen medizinischen Wissen und seiner Erfahrung in Rhein-Berg gebraucht wird, fordert die Feuer- und Rettungsleitstelle des Kreises das Fahrzeug bei der Leitstelle Leverkusen an. „Dies hat bei ersten Einsätzen im Rheinisch-Bergischen Kreis bereits reibungslos funktioniert“, berichtet Kommunikationschef Posor. Auch im Kreis Mettmann habe es schon Einsätze gegeben.
Stationiert wird das Fahrzeug an der Zentralen Notaufnahme des Klinikums, wo das Einsatzteam aus den Reihen des Großkrankenhauses bei einer Alarmierung in kürzester Zeit starten kann, erläutert das Krankenhaus. Im Fahrzeug unterwegs ist jeweils ein Duo aus Medizin und Pflege: eine Fachärztin oder ein Facharzt der Kinderheilkunde mit der Zusatzweiterbildung Notfallmedizin und eine speziell qualifizierte Pflegefachkraft.
Die Björn Steiger Stiftung finanziert den Betrieb des Fahrzeugs
Das gemeinsame Ziel: schwer erkrankte oder verletzte junge Patientinnen und Patienten präklinisch versorgen, also vor Ankunft im Krankenhaus. Und dies schnell, strukturiert und mit hoch spezialisierter Expertise. Lebensbedrohliche Ereignisse wie schwere Unfälle, Reanimationen oder akute Atemwegsprobleme treten bei Kindern vergleichsweise selten auf. Ihre Versorgung stellt Rettungsdienste und Notfallmediziner aber vor besondere Herausforderungen, da sie Erfahrung und spezielles medizinisches Wissen erfordern, etwa zu kindgerechter Dosierung von Medikamenten oder beim Einsatz von speziellem medizinischem Gerät für Kinder.
Initiiert wurde das Projekt von Medizinern am Klinikum. Der Betrieb des Fahrzeugs wird von der Björn Steiger Stiftung finanziert: „Die Versorgung schwerkranker Kinder ist seit vielen Jahren ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit“, erklärt Joachim von Beesten, Geschäftsführer Innovation und Sonderfahrzeuge bei der Björn Steiger Stiftung. „Wenn ein Kind lebensbedrohlich erkrankt oder verletzt ist, braucht es so früh wie möglich spezialisierte Expertise.“
Es ist in NRW erst das dritte Kindernotfall-Team nach Dortmund und Düsseldorf
Die Stiftung übernimmt die gesamten Kosten für Anschaffung und Betrieb des Fahrzeugs in dem zunächst zweijährigen Projektzeitraum. Mobile Kindernotfall-Teams wie das Leverkusener sind in Nordrhein-Westfalen bislang die Ausnahme. Es ist erst das dritte seiner Art nach Dortmund und Düsseldorf.
Das Projekt ist zunächst für zwei Jahre geplant. Um den Mehrwert solcher Systeme für die Versorgungsqualität sichtbar zu machen und Erkenntnisse für die Weiterentwicklung zu gewinnen, will die Björn Steiger Stiftung die Einsätze wissenschaftlich auswerten. An den laufenden Kosten für das Kindernotarzt-Team sind die umliegenden Städte und Kreise bisher nicht beteiligt. Das Pilotprojekt sei „bislang nicht in der regionalen Rettungsdienstbedarfsplanung berücksichtigt“, so David Posor vom Klinikum Leverkusen. Erstmal sollen Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung für das Konzept abgewartet werden.

