Abo

Radrennen startet am Sonntag„Rund um Köln ist ein Kulturgut in NRW“

7 min
Radsport, 107. Rund um Köln, 18.05.2025 Julian Borresch GER, REMBE rad-net Köln Nordrhein-Westfalen Deutschland *** Cycling, 107 Rund um Köln, 18 05 2025 Julian Borresch GER, REMBE rad net Cologne North Rhine-Westphalia Germany Copyright: xMarcelxHilgerx

Das Teilnehmerfeld im vergangenen Jahr

Am Sonntag, 17. Mai, findet das Radrennen Rund um Köln zum 108. Mal statt. Wir haben mit dem langjährigen und dem aktuellen Organisator gesprochen.

Herr Frisch, Sie organisieren seit Ende 2019 Rund um Köln. Diese Aufgabe haben Sie von Artur Tabat übernommen, der sie von 1973 an 46 Jahre ausgeübt hat. Herr Frisch und Herr Tabat: Wie ging die Übergabe vonstatten?

Artur Tabat: Vor allem reibungslos. Das Rennen gehört ja meinem Klub, dem Verein Cölner Straßenfahrer. Ich bin jetzt 85 Jahre alt. Als ich merkte, dass ich mit zunehmendem Alter nicht mehr in vorderster Reihe stehen konnte, brauchte ich einen Nachfolger. Nach einem Umweg habe ich ihn in Markus Frisch und der Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH gefunden. Die Leute dort organisieren seit Jahren mit großem Erfolg den Köln-Marathon und den Köln-Triathlon. Ich bin ständig mit Markus Frisch in Kontakt, der Umgangston und der Respekt, der mir entgegengebracht wird, gefällt mir sehr. Das Rennen ist derzeit in den besten Händen. Wunderbar.

Markus Frisch: Wir wollten vor allem ein hochwertiges Produkt aufziehen. Dabei waren die Startvoraussetzung scheinbar gar nicht so gut. Denn 2021 und 2022 musste das Rennen wegen Corona ausfallen. Doch im Nachhinein bin ich – offen gesagt – ganz froh darüber, dass es so gekommen ist. Auf diese Weise blieb mir und uns mehr Zeit, uns in die besonderen Details der Organisation eines Radsport-Großereignisses einzuarbeiten.

2022 gab es trotz der beiden Ausfälle in den Jahren zuvor hohe Anmeldezahlen für die Jedermann-Rennen über 60 und 120 Kilometer, die Sie interessierten Hobbyfahrerinnen und -fahrern anbieten. Wie haben sich die Teilnehmer-Zahlen entwickelt?

Frisch: Wir waren erstaunt darüber, dass wir dieselben Anmeldezahlen wie vor der Pandemie hatten, um die 3500. Es war ja nicht absehbar, wie unser Rennen nach zwei Jahren Pause unter neuer Führung angenommen werden würde. Von 2023 bis heute sind die Zahlen kontinuierlich angestiegen. Wir sind jetzt bei 8500 Teilnehmenden. Diese Zahl hatten wir schon im vergangenen Dezember erreicht. Danach mussten wir einen Anmeldestopp verhängen. Wir hätten auch locker 10.000 Menschen starten lassen können. Ich kann aber nicht unendlich viele Menschen auf die Strecke lassen, das macht sie irgendwann nicht mehr mit, weil sie zu eng wird. Wir müssten zudem über einen längeren Zeitraum starten und die Straßen länger sperren. Dafür brauchen wir mehr ehrenamtliche Helfer. Wir haben schon 1500 dabei, aber das würde bei 10.000 Startenden nicht reichen.

Wenn Sie diese Zahlen hören, dürften Sie auch sehr zufrieden sein, Herr Tabat.

Tabat: Oh ja, das bin ich auch. Das zeigt, welchen Stellenwert Rund um Köln bei den Radsport-Fans hat. Zu meiner Zeit, vor Corona, hatten wir mal 4500 Leute zugelassen. Mit 8500 Jedermännern haben wir nun eine neue Dimension erreicht. Ich hatte gehofft, dass Markus Frisch und seine Leute diese Top-Teilnehmerzahlen mit ihren Möglichkeiten und ihrem Knowhow hinbekommen. Wir verzeichnen zurzeit tatsächlich einen Radsport-Boom. Das zu erleben, ist eine große Freude für mich.

Wie ist dieser Boom entstanden?

Tabat: Radsport begeistert die Menschen. Und die Jedermänner können nun per App in Echtzeit ihre Position weitergeben. Solche Dinge ziehen bei den jungen Leuten.

Frisch: Da spielt viel mit rein. Der deutsche Profi Florian Lipowitz wurde 2025 Dritter bei der Tour de France. Das hatte eine enorme Wirkung auf den Bereich der Freizeitradlerinnen und -radler. Auch bei den anderen deutschen Rennen in Hamburg und Frankfurt starten sehr viele Menschen in den Jedermann-Rennen. In Köln hilft uns gewiss auch, dass wir eine Live-Übertragung anbieten. Das hatte der Artur in seiner Zeit ja leider lange nicht, wozu er nichts konnte. Limitiert werden wir allerdings vom Weltverband UCI.

Was meinen Sie damit?

Frisch: Ich habe mich mit dem Profirennen von Rund um Köln für eine höhere Kategorie beworben, die Pro-Serie, die eine Stufe unter dem Spitzenprodukt World Tour angesiedelt ist. In dieser Kategorie müssen wir drei Jahre verweilen, wenn wir in die World Tour aufsteigen wollen. Doch mit dem Ansinnen bin ich bei der UCI gescheitert. Um Teil der Pro-Serie zu werden, müssen viele Kriterien erfüllt werden, die uns vor große Hürden stellen. Zum Beispiel müssen wir eine Live-Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen garantieren. Darüber entscheiden aber nicht wir. Da sind uns die Hände gebunden.

Radrennfahrer Andre Greipel, der Radrennfahrer Rick Zabel, der ehemalige Organisator Artur Tabat, Geschäftsführer Kölner AusdauerSport GmbH Markus Frisch und Hoteldirektor artotel cologne Philip Skitch, l-r, bei der Pressekonferenz des Radklassiker Rund um Köln der dieses Jahr zum 106. mal stattfindet. *** Cyclist Andre Greipel, cyclist Rick Zabel, former organizer Artur Tabat, managing director of Kölner AusdauerSport GmbH Markus Frisch and hotel director artotel cologne Philip Skitch, l r, at the press conference of the cycling classic Rund um Köln, which takes place for the 106th time this year.

Artur Tabat (M.) und Markus Frisch (r.)

Sie produzieren die Übertragung aus Eigenmitteln, was einen fast sechsstelligen Betrag ausmacht. Damit beliefern Sie den WDR, der einen Livestream auf „sportschau.de“ anbietet. Aber keine Sendung im WDR-Fernsehen. Warum ist das so?

Frisch: Programmplanung. Es gibt keine freien Sendezeiten für uns. Ich habe diesbezüglich viele Gespräche geführt. Keine Chance.

Tabat: Davon kann ich auch ein Liedchen singen. Zu meiner Zeit lief das Rennen so lange live im WDR-Fernsehen, bis Steffen Simon 2006 WDR-Sportchef wurde. Inzwischen ist er wieder weg. Aber eine TV-Übertragung gibt es dennoch nicht mehr.

Aber immerhin gibt es einen Stream. Das aber reicht der UCI nicht?

Frisch: Nein. Insofern müssen wir abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Für uns ist es eine Frage des Images, im linearen Fernsehen zu laufen.

Tabat: Vielleicht sollten wir mal vor den Türen des WDR eine Demonstration machen, damit die Leute dort wach werden. Denn Rund um Köln ist eine der größten Sportveranstaltungen in NRW.

Frisch: Wir sperren für das Rennen das halbe Bundesland ab. An der Strecke stehen hunderttausende Menschen.

Was glauben Sie: Welche Bedeutung hat das Rennen für die Region?

Frisch: Ich habe selbst schon mal ein Jedermann-Rennen bei Rund um Köln bestritten. Ich war dabei völlig überrascht von der Wucht dieses Klassikers. Die Begeisterung an der Strecke war an jedem Ort unbeschreiblich. Das ist beim Profirennen erst recht so. Und die Popularität des Radsports nimmt meiner Meinung nach noch zu. Egal, mit wem du im Bergischen sprichst – alle Menschen erzählen dir davon, dass sie schon als Kind an der Strecke standen. Rund um Köln gibt es seit 1908, es ist das älteste noch existierende Eintagesrennen in Deutschland. Das bringt zwangsläufig eine gewisse Wucht mit sich. Rund um Köln ist ein Kulturgut in NRW. Und deshalb ist das Rennen schützenswert. Wir spüren aus all diesen Gründen, dass uns mehr Sponsoren als zuvor unterstützen. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland.

Mit welchem Etat planen Sie?

Tabat: Bei mir waren es zuletzt 420.000 Euro.

Frisch: Jetzt sind wir bei 1,1 Millionen Euro. Dieses Jahr kommen wir ohne Verluste, aber auch ohne Gewinn heraus. Im vergangenen Jahr hatten wir ein sechsstelliges Minus gemacht.

Wie haben Sie das aufgefangen?

Frisch: Wir haben zuvor Rücklagen gebildet. Es war uns schon klar, dass wir zunächst investieren müssen. Das haben wir getan. Und das zahlt sich langsam aus. Uns hilft der allgemeine Boom, den wir generell in den Ausdauersportarten beobachten.

Was können Sie zum Teilnehmerfeld sagen, Herr Frisch?

Frisch: Wir haben vier World-Tour-Teams dabei, das sind Mannschaften aus der höchsten Kategorie. Dazu sechs Pro Teams, das sind Mannschaften aus der zweiten Liga des Radsports. Und 13 Continental-Mannschaften, die eine Ebene darunter klassifiziert sind. Wir haben außerdem ein deutsches Nationalteam gemeldet, der Kapitän ist unser Kölner Nils Politt. Er repräsentiert die Weltklasse, die bei uns startet. Nils ist der beste Helfer von Tadej Pogacar, dem derzeit besten Fahrer der Welt. Vorjahressieger Matthew Brennan wird allerdings nicht starten. Er ist leider von seinem Team für ein anderes Rennen vorgesehen. Grundsätzlich habe ich den Anspruch, dass die besten verfügbaren Fahrer in Köln an den Start gehen.

Die Strecke führt vom Kölner Rheinauhafen ins Bergische Land und von dort nach einigen Schleifen zurück zum Startort am Kölner Rheinufer. Die drei Schlussrunden in Köln haben Sie mittlerweile gestrichen. Warum?

Frisch: Das hat vor allem organisatorische Gründe, weil die Jedermänner ja auch irgendwann ins Ziel kommen. Wenn wir mit dem Profirennen einen anderen Status erhalten, machen wir uns auch darüber Gedanken. Köln ließe sich womöglich noch besser und mehr in den Parcours einbinden. Mit liegen sämtliche Genehmigungen vor, um von der Domplatte aus zu starten. Organisatorisch bekommen wir das allerdings leider nicht hin. Grundsätzlich aber sind wir mit der Start- und Ziel-Location am Rheinauhafen sehr glücklich.


Rund um Köln ist das älteste noch existierende Eintages-Radrennen Deutschlands. Die Premiere stieg 1908. Die 108. Auflage des Klassikers wird am Sonntag, 17. Mai, um 11.30 Uhr am Rheinauhafen abgewunken. Die Strecke für die Profis umfasst 191 Kilometer durch das Bergische Land, 2060 Höhenmeter sind zu bewältigen. Die Profis erreichen gegen 16 Uhr das Ziel, das in Höhe Dreikönigstraße/Bayenstraße am Rheinauhafen aufgebaut ist. Prominentester Starter ist der Kölner Nils Politt.

8500 Jedermänner sind für die Distanzen 60 und 120 Kilometer gemeldet. Einige wenige von ihnen auch für eine 30-Kilometer-Strecke. Anmeldungen sind allerdings nicht mehr möglich.

Am Samstag sind am Rheinauhafen bereits eine Radsportmesse und eine große Bühne aufgebaut. Um 15 Uhr spricht dort der Journalist und Buchautor Stephan Klemm gemeinsam mit Nils Politt und Torsten Schmitt, ein einstiger Profi und aktuelle der sportliche Leiter von Rund um Köln, über das Rennen. Es wird auch der Bogen zur Frankreich-Rundfahrt geschlagen und zu Klemms Buch: „Tour de France. Kein Berg zu hoch, kein Weg zu weit“.