Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer in so vielen Bereichen käme die Gesellschaft in Oberberg zum Erliegen. Tausende engagieren sich.
EhrensacheSchon mit 16 stößt Felix Stausberg in Morsbach zur Männerriege der „Eintracht“

Stücke wie „Only You“, geschrieben von Vince Clarke und arrangiert von den Flying Pickets, liegen Felix Stausberg. Der 30 Jahre alte Morsbacher liebt sein Engagement im Männerchor – nicht nur als Sänger auf der Bühne, sondern auch als Geschäftsführer.
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Er möchte nicht einfach nur singen und eine gute, unbeschwerte Zeit haben. Gefordert zu werden, das ist sein Ziel. Und auch gefördert. „Eben genauso wie im Sportverein“, betont Felix Stausberg. Und damit dies gelingt, begnügt sich der 30-Jährige nicht nur mit den Aufgaben des Ersten Tenors im Morsbacher Männergesangverein „Eintracht“: Seit drei Jahren ist er Geschäftsführer des Vereins.
„Mit 16 bin ich eingestiegen“, erinnert sich der heute selbstständige Unternehmer. „Denn gesellig war ich immer schon.“ Damals hatten ihn gestandene Sänger in einer Pizzeria angesprochen und eingeladen, sich doch im „Gasthaus an der Seelhardt“ eine Probe anzusehen und anzuhören. „Zwei-, dreimal bin ich rumgekommen und dann geblieben.“
Als sein Vorgänger den Posten im Vorstand abgibt und diesem damit das Aus droht, steht für Stausberg fest: Das darf nicht sein. „Ich habe mich mit einem Freund zusammengetan, wir wollten das fortan gemeinsam wuppen – egal, wer erster und wer zweiter Geschäftsführer ist.“ Von einer Stellvertreterschaft könne also keine Rede sein, betont der Morsbacher: Mit Marc Baldus (49) stehe ihm ein gleichwertiger Kollege zur Seite. „Und meistens erledigen wir die Arbeit gemeinsam, teilen sie gerecht unter uns auf.“
Das Hobby und das Ehrenamt sind für den Morsbacher Felix Stausberg mehr als nur ein Ausgleich zum Beruf
Wie aber würde er selbst werben für ein solches Engagement? Felix Stausberg denkt nach, überlegt lange. „Man muss sich bewusst sein, dass man irgendwann einen Ausgleich braucht zum Beruf, ein Hobby“, sagt er. „Im Beruf gibt es immer jemanden, der von einem etwas will und der eine Leistung einfordert. Im Verein ist das anders.“
Da gebe es ein freundschaftliches, zwangloses Miteinander, das man mit einem echten Gegenüber erleben sollte, „auf keinen Fall in den Sozialen Medien“. Sich im Verein für etwas einzusetzen, bedeute aber auch, ins Vereinsleben, ins Ehrenamt hineinzuwachsen. „Und um eine solche Aufgabe auszuüben zum Wohle des Vereins und am Ende zum Wohle der Allgemeinheit, braucht man jedoch viel Erfahrung.“ Daher wünsche er sich, dass die Schulen Kinder und Jugendliche an die Vereinslandschaft vor der Haustür heranführten.
Morsbacher kritisiert, dass schon in der Schule der Kontakt zum Gesnag verlorengeht
„Leider geht der Kontakt zum Gesang heute immer mehr verloren“, bedauert Felix Stausberg. Als er zur „Eintracht“ stößt, ist er mit Abstand der jüngste in der gestandenen Männerriege. Derzeit ist sie 38 Sänger stark, in ihrer Mitte zu finden ist nun auch Kilian Waschneck, der 20 Jahre alte Azubi von Stausberg – angeworben auf kurzem Weg, wie einst der Chef. Im vergangenen Jahr hat der von Vater Christian den Familienbetrieb für Sanitär, Heizung und Klima übernommen, steht also auch dort in der Verantwortung. „Verantwortung übernehme ich gerne, auch bei der ‚Eintracht‘.“
Auf das Ehrenamt im MGV würde er auf keinen Fall verzichten – das ist eine feste, eine stabile Größe: „Zum Glück habe ich als Selbstständiger die Kontrolle über meine Zeit, kann flexibel sein“, verrät Felix Stausberg. Beim SV Morsbach spielt er sich in der Badminton-Abteilung den Berufsstress aus dem Körper. Und auch im Mosbacher Kammerchor Belcanto, der ebenfalls geleitet wird von Michael Rinscheid, singt Stausberg zurzeit den Ersten Tenor.
Auswärtskonzerte beschweren dem jungen Morsbacher immer die meiste Arbeit
Die Büro-Arbeit für die „Eintracht“ beziffert der Geschäftsführer auf zwei Stunden im Monat: „Wir haben vieles optimiert.“ Sechs Stunden nehmen derweil die Proben ein, für Konzerte werden, je nach Strecke, fünf bis acht Stunden fällig. „Konzerte sind am aufwendigsten.“
Das Organisieren der Fahrten zu Auswärtsauftritten und auch von Busreisen für den Vereinsausflug etwa sind weitere Aufgaben, ebenso das Schreiben von Einsatzplänen und der ständige Austausch mit den Vorstandskollegen. Und wenn der MGV selbst Gastgeber ist, übernimmt der 30-Jährige zudem die Veranstaltungsleitung und damit einen Posten, der rechtlich vorgeschrieben ist. „Dass ich bei Festen auch die Anschlüsse an der Theke und die Technik übernehme, das ist aufgrund meines Berufs natürlich selbstverständlich.“
Inzwischen gibt es sogar eine MGV-App, das ist ein Verdienst von Stausberg und Baldus. Felix Stausberg: „Überhaupt wollen wir den Chor digitaler machen und mehr mit Cloud-Lösungen arbeiten.“ Und das erleichtere auch die Arbeit im Vorstand, betont der Morsbacher, „zum Beispiel in der Mitgliederverwaltung.“
Er hofft, dass deren Zahl wieder wächst: „Denn wir brauchen Sänger in allen Stimmlagen.“ Zurzeit verliere der MGV etwa zwei Mitglieder pro Jahr. „Viele Menschen interessieren sich für ein solches Hobby leider erst mit 40 oder 50, weil es dann auch mit der Familie passt.“
Und was singt Felix Stausberg am liebsten? „Als Solist zurzeit vor allem das Stück ‚Shosholoza‘, eine Art südafrikanisches Vaterunser. Anspruchsvoll ist das Lied nicht, aber es macht gute Laune.“
