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Interview

Fußball
Die D-Juniorinnen aus Morsbach wollen sich das Triple holen

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Michaela Schmallenbach mit den D-Juniorinnen bei einer der letzten Trainingseinheiten vor dem Kreispokalfinale.

Michaela Schmallenbach mit den D-Juniorinnen bei einer der letzten Trainingseinheiten vor dem Kreispokalfinale.

Interview der Woche mit Michaela Schmallenbach, Mädchenbeauftragte und Trainerin bei der SG Morsbach/Holpe-Wallerhausen.

Michaela Schmallenbach ist Trainerin der erfolgreichen D-Juniorinnen der SG Morsbach/Holpe-Wallerhausen, die nach dem Sieg beim Hallenkreispokal und mit dem Meistertitel in der Liga am Pfingstsonntag gegen den TuS Marialinden beim Kreispokal das Triple vollmachen will. Mehr als ein i-Tüpfelchen ist der Einzug ins Mittelrhein-Finale, wo die Nachwuchs-Fußballerinnen am 4. Juni gegen die U13 von Bayer Leverkusen spielen. Als Mädchenbeauftragte der SG hat die 47-Jährige aber nicht nur die D-Juniorinnen ans Laufen gebracht. Über den Aufschwung bei den Mädchen im Südkreis sprach Andrea Knitter mit der Lichtenbergerin.

Wie kam es zu Ihrem Engagement?

Ich bin einfach fußballverrückt, seit ich zehn Jahre alt bin. Ich habe 25 Jahre selbst Fußball im SV Morsbach gespielt und 2000 meinen Trainerschein gemacht   und einige Jugendmannschaften beim SV Morsbach trainiert, zudem auch zusätzlich als   Co-Trainerin die U13-Verbandsauswahl unter der damaligen Verbandssportlehrerin Bettina Wiegmann. Fußball ist meine Leidenschaft und wenn ich auf dem Platz bin, geht es mir gut.

Wann folgte das Engagement beim SV Morsbach?

2013 wurde meine ältere Tochter Heidi geboren, die in meine Fußstapfen getreten ist und seit ihrem dritten Lebensjahr Fußball spielt. Das tat Heidi zunächst mit drei anderen Mädchen zusammen in der E-Jugend der Jungen. Als sie 2023 in die D-Jugend gewechselt ist, gab es noch zwei weitere jüngere Mädchen bei den Jungs. Es waren also schon sechs und ich habe beschlossen, eine Mädchenmannschaft zu grünen.

Wie ist denn dann aus sechs Spielerinnen eine Mannschaft geworden?

Ich habe meine Kontakte als Trainerin und mein Netzwerk genutzt, um weitere Mädchen zu finden. Sie kamen von Bröltal, Wildbergerhütte oder Waldbröl. Am Ende hatten wir   zwölf Fußballerinnen zusammen. Sechs von ihnen aus den eigenen Jungenmannschaften, der Rest aus der näheren Umgebung.

Hat es gleich gut gepasst?

Es musste funktionieren, denn wir sind gleich ins kalte Wasser gesprungen. Wir hatten nur zwei Trainingseinheiten und anschließend in der Saison 2023/24 unser erstes Meisterschaftsspiel.

Wie ist es ausgegangen und wer waren die Gegnerinnen?

Es war bei TuS Grünenbaum und wir haben mit 0:3 verloren.

Sind trotzdem alle Mädchen dabei geblieben?

Ja, am Ende der Saison waren wir Sechster, ein Jahr später Vierter und jetzt sind wir Meister.

Hat Ihr Engagement und der Erfolg Folgen gehabt?

Ja, mittlerweile spielen über 60 Mädchen in der SG Fußball und wir haben elf Trainerinnen und Trainer im Mädchenbereich. Da die Spielerinnen wie gesagt auch aus Reichshof oder Nümbrecht kommen, war es mein Wunsch, dass wir wegen der geografischen Lage in Wallerhausen trainieren und spielen. Für alle ist der Sportplatz ungefähr gleichweit entfernt.

Hat die SG gleich zugestimmt, die Mädchen aufzunehmen?

Ja, bei der SG bin ich offene Türen eingerannt und bin rundherum von allen Verantwortlichen unterstützt worden. Dazu kommen die Super-Eltern, die die Spielerinnen unterstützen. So fahren wir am Sonntag mit einem großen Bus und etlichen Privat-Pkw nach Refrath zum Kreispokalfinale. Da sich auch unsere B-Juniorinnen   qualifiziert haben, treten wir mit zwei Mannschaften   an.

Was macht Ihre erfolgreiche D-Jugend aus?

Wir haben viele gleichwertige talentierte Mädchen, die variabel auf mehreren Positionen eingesetzt werden können. Damit haben wir eine ausgeglichene Mannschaft. Als wir im Viertelfinale des Verbandspokals zu Alemannia Aachen   gefahren sind, hatten wir Respekt, da die Mannschaft in der Jungsstaffel spielt und es für uns das erste Spiel auf dem 9er Spielfeld war. Wir hatten nix zu verlieren und sind mit einem 2:1-Sieg zurückgefahren.

Es kam ja noch viel besser.

Im Halbfinale haben wir uns in Wallerhausen vor 300 Zuschauern mit 2:0 gegen Brauweiler durchgesetzt. Ich habe den Spielerinnen gesagt, dass die 300 Zuschauern nur da sind, um uns zu unterstützen und sie Mut haben sollen. Und jetzt spielen wir im Finale in Arnoldsweiler bei Düren gegen die U13 von Bayer Leverkusen, die sogar die Jungenstaffel ihres Jahrgangs anführt.

Mit wie vielen Spielerinnen treten Sie an?

Im Ligabetrieb sind es 7er Mannschaften, auf Verbandsebene sind es 9er.

Wie oft trainieren Sie?

Die ersten beiden Jahre einmal die Woche, doch im Sommer kamen die Mädchen mit dem Wunsch, zweimal trainieren zu wollen. Es ist für mich nicht immer einfach, die Familie, den Beruf und zweimal   Training sowie die Spiele unter einen Hut zu bekommen. Ich habe mittlerweile aber mit Joanna Schütz, Anna-Maria Kappenstein und Sina Becker zusätzliche Hilfe bekommen. Sie unterstützen mich und haben die D2 übernommen. Dass zwei von ihnen im pädagogischen Bereich arbeiten, ergänzt das Ganze noch perfekt. Zudem steht mir von Beginn an Roger Zimmermann als Torwarttrainer zur Seite.

Wie kam es zu dem großen Wachstum der Mädchenmannschaften?

Seit der Saison 2023/24 haben wir in jedem Jahr einen Tag des Mädchenfußballs, zu dem alle interessierten Mädchen zum Probetraining kommen können und das auch tun.   In diesem Jahr ist das Probetraining am 28. Mai. Dazu haben wir am 13. Juni erstmals ein ganztägiges Mädchenturnier mit 18 Mannschaften in Wallerhausen organisiert. Mädchen kommen aber mittlerweile auch über Mund-zu-Mund-Propaganda, weil andere in der Schule erzählen, wie viel Spaß es macht, Fußball zu spielen. Nicht alle sind dabei fußballinteressiert, sondern haben einfach nur Lust zu spielen.

Wie viele Teams der SG nehmen in der nächsten Saison am Spielbetrieb teil?

Es sind zwei D 7er-Jugendteams, eine C 9er- und eine B 11er-Jugend.

Wenn Sie auf das bisher Erreichte blicken, was würden Sie gerne noch verwirklichen?

Es wäre schön, wenn wir, wie andere Vereine es auch schon geschafft haben, eine Mädchenmannschaft bis zu einer Frauenmannschaft komplett aufbauen. Ein wirklich großes Ziel wäre, in Wallerhausen einen Schwerpunkt für Frauen und Mädchenfußball zu etablieren. Es geht um die Mädchen und darum, ihnen eine Plattform zu bieten.

Was ist das Ziel am morgigen Sonntag?

Da spreche ich als Trainerin der Mannschaft.   Wir möchten Marialinden schlagen und das Triple aus Hallenpokal, Meistertitel und Kreispokal feiern.