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Ärger mit dem BauamtDer SOS-Station für Hunde in Reichshof droht die Schließung

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Ein Mann sitzt mit zwei Hunden vor einer Auffangstation für Hunde.

Der Gründer des Vereins „Hunde SOS Oberberg“ und einer Pension, Thomas Kirschnick, bangt um die Anlage bei Reichshof-Sterzenbach. 

Der Tierschutzverein in Sterzenbach steht nach Auflagen des Kreis-Bauamts vor einem Problem. Die vorgeschlagene Alternative wäre teuer.

Der Tierschutzverein „Hunde SOS Oberberg“ bangt um seine Existenz. Das Bauamt des Oberbergischen Kreises hat diesem Auflagen gemacht, die Anlage weitgehend zurückzubauen. Vereinsvorsitzender und Initiator Thomas Kirschnick, ein gebürtiger Ründerother, ist vor gut vier Jahren nach Reichshof umgesiedelt. Zuvor hatte der Hundefreund eine kleine Pflegestation in Engelskirchen.

Areal zwischen Denklingen und Sterzenbach ist rund ein Hektar groß

Doch die war ihm zu beengt und so orientierte er sich in den Osten des Kreisgebietes, dort hat er auf einem rund einen Hektar großen Areal mit eigenem Wald zwischen den Orten Denklingen und Sterzenbach viel Platz für die Vierbeiner gefunden. Kirschnick hat im Jahr 2021 nicht nur eine Hundepension für etwa 30 Tiere eröffnet, sondern auch den Tierschutzverein gegründet, der in einer „tierheimähnlichen Einrichtung“ weiteren 15 Hunden Unterschlupf bietet, die misshandelt wurden, krank oder traumatisiert sind.

„Pension und Tierschutz funktionieren nicht immer zusammen“, erklärt der Gründer. Im Sinne des Tierwohls sei es notwendig, für beide Bereiche getrennte Flächen vorzuhalten: „Platz habe ich hier ja genug.“ Nach privaten Recherchen entstand der Gedanke, für die schutzbedürftigen Hunde kleine, genehmigungsfreie Holzhäuser zu bauen. Kirschnick führt aus: „Der umbaute Raum muss weniger als 75 Kubikmeter betragen, die Firsthöhe muss niedriger als vier Meter liegen und es darf nicht fest mit dem Erdboden verbunden sein. Außerdem dürfen keine Erdarbeiten für die Verlegung von Kanal oder Strom vorgenommen werden.“

Anhörung durch das oberbergische Kreisbauamt

So wurden in der Zeit von 2022 bis 2025 mehrere lärmschutzgedämmte Holzhütten nach diesen Kriterien errichtet. Jede hat ihren eigenen Auslauf, eine Wärmepumpe zur Beheizung im Winter und eine Klimatisierung für heiße Tage. Zur Sicherheit gibt es eine Feuermeldeanlage und eine Videoüberwachung. Angrenzend sind vier große Gemeinschaftsausläufe im Wald, im Vorhof ist eine Verrudelung möglich: „Familienanschluss ist für die Hunde sehr wichtig.“

In der Praxis hat sich das alles bewährt, doch nun hat Thomas Kirschnick Probleme mit der abgeschiedenen Lage zwischen den beiden Ortschaften. Im vergangenen Jahr hat der Sterzenbacher Post vom Kreisbauamt erhalten, eine Anhörung bezüglich illegaler Bauten im Außenbereich. In dem Schreiben wurde er zudem darüber unterrichtet, dass genehmigungsfreie Bauten im Außenbereich nur für die Land- und Forstwirtschaft gelten – oder aber für privilegierte Einrichtungen wie ein Tierheim. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir keine detaillierten oder personenbezogenen Auskünfte erteilen“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung beim Kreisbauamt.

Wenn wir die Kosten für die Baumaßnahme nicht stemmen können, müssen wir die Einrichtung schließen.
Thomas Kirschnick befürchtet für diesen Fall auch den Wegfall von Arbeitsplätzen

Grundsätzlich bedürfe es auch bei baulichen Anlagen zum Betrieb einer Hundeauffangstation einer Baugenehmigung und des entsprechenden Planungsrechts. Jedoch sei das Amt seit längerem im Austausch mit dem Betreiber und um eine einvernehmliche Lösung bemüht. Nachträglich würden diese Holzhäuser keinesfalls genehmigt, schildert Kirschnick die Situation. Auch die Quarantänestation müsse verschwinden, da sie etwa zwei Meter über den bebaubaren Bereich des Hausgrundstücks ragt. Er ist empört: „Das kleine Häuschen wurde bereits vom Vorbesitzer errichtet und ich hatte keine Ahnung, dass es dafür keine Genehmigung gab.“

Reichshofer hat Spendenaktion gestartet

Als Alternative bekam er vom Kreis den Vorschlag, die bestehende Hundepension zu erweitern. Allerdings sei das wegen der extremen Hanglage nicht einfach zu realisieren und zudem schwierig, nicht verträgliche oder als gefährlich eingestufte Hunde mit den Pensionstieren zu vergesellschaften. Die Kosten für diese Maßnahme beziffert Kirschnick auf etwa 40.000 bis 50.000 Euro, allerdings nur, weil er „Unterstützung hoch drei“ sowohl bei den Tiefbauarbeiten als auch bei der Beschaffung von Holz habe: „Ansonsten würde eine solche Erweiterung locker im sechsstelligen Bereich liegen.“

Doch auch diese Summe muss aufgebracht werden. Dafür hat er eine bei gofund.me im Internet eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Aktuell sind dort gut 8000 Euro an Spenden eingegangen, Spendenquittungen sind kein Problem. Bis zum Ziel von 30.000 Euro fehlen jedoch noch rund drei Viertel: „Wenn wir die Kosten für die Baumaßnahme nicht stemmen können, müssen wir die Einrichtung schließen.“ Thomas Kirschnick bedauert jedoch nicht nur, dass dann die Arbeitsplätze für zwei Festangestellte, einen Azubi und drei Aushilfen wegfallen würden: „Dann verlieren die Hunde alles.“

www.hunde-sos-oberberg-ev.de