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AusstellungKunstkabinett würdigt verstorbene Bergneustädterin

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Eine Frau und eine Mann neben einer Papierkugel.

Überwiegend aus den vergangenen zehn Jahren stammen die „Arbeiten auf und aus Papier“ von Maria Rohr (1960-2025), die Birgit Ludwig-Weber und Axel Müller für das Kunstkabinett ausgesucht haben.

Das Kunstkabinett in Reichshof-Hespert zeigt Bilder und Skulpturen der 2025 verstorbenen Künstlerin Maria Rohr. 

In der kleinen Nische hinten links hängen drei Bilder, die Maria Rohr noch kurz vor ihrem Tod für diese Ausstellung fertiggestellt hat. Das vierte ist unsigniert. Ist es überhaupt vollendet? Birgit Ludwig-Weber und Axel Müller sind darüber uneinig. Unstrittig ist für die frühere Vorsitzende des Kunstvereins Nümbrecht und den Kurator des Kunstkabinetts Hespert jedoch, dass diese Papierarbeiten ein schöner Ausdruck der künstlerischen Reife sind, die Maria Rohrs Arbeit am Ende erlangt hatte.

Am 12. November vergangenen Jahres ist die Bergneustädterin im Alter von 65 Jahren einer Krebserkrankung erlegen. Ihre Hoffnung, die lange vorher terminierte Ausstellung in Reichshof-Hespert noch selbst zu erleben, erfüllte sich nicht. Axel Müller und der Vorstand des Kunstkabinetts entschieden aber bald, die Ausstellung dennoch zu machen, und Birgit Ludwig-Weber warb dafür bei der Familie.

Eine Frau vor einem Bild.

Vor zwei Jahren stellte Maria Rohr in der Gummersbacher Theodor-Heuss-Akademie aus.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 10. Mai, eröffnet und dauert bis 12. Juli. Die Vernissage beginnt um 15 Uhr. Ludwig-Weber wird in das Werk einführen. Als   Freundin der Künstlerin hat sie deren Entwicklung aus der Nähe verfolgt. 2019 gab sie Rohr im Nümbrechter „Haus der Kunst“ Gelegenheit, sich in einer Einzelausstellung zu präsentieren.

Damals, so glaubt Ludwig-Weber, hatte Maria Rohr eine eigene Bildsprache gefunden, die solch einen Auftritt rechtfertigt. Nümbrecht sei ihr „Ritterschlag“ gewesen.

Ich möchte den Menschen Mut machen, sich von Ängsten, von einschränkenden Verhaltensmustern zu lösen und sich für Neues zu öffnen.
Maria Rohr über ihre Kunst

Maria Rohr ist eine Spätzünderin. Obwohl sie schon zwei Semester Kunst studiert hatte, entschied sie sich in den 1980er Jahren dazu, Lehrerin zu werden. Später unterrichtete sie Geschichte und Biologie am Gummersbacher Gymnasium Moltkestraße und zog zudem zwei Söhne groß. Erst 2009 begann sie sich als Autodidaktin intensiver mit Kunst zu beschäftigen. Abstrakte Malerei auf Holztafeln zeugt in der Ausstellung von diesen Versuchen.

Dass sie die Ehefrau des früheren Kreisdirektors Heribert Rohr war, half nicht unbedingt dabei, in der regionalen Kunstszene ernst genommen zu werden, glaubt Birgit Ludwig-Weber. Aber mit jeder Ausstellung, darunter Auftritte in Köln, Bonn, Wesel und zuletzt Hanau, gewann die Malerin neue Anhänger. 2022 bezog sie ein Atelierhaus in der Bergneustädter Altstadt.

Bergneustädterin experimentierte mit Papier

Ein Wendepunkt war einige Jahre zuvor eine Lieferung Japanpapier gewesen, die weitaus größer ausfiel als erwartet, erinnert sich Ludwig-Weber. Maria Rohr hatte nun reichlich Material für Experimente und kam darüber zu einer eigenen Technik: Das zarte Papier wurde von ihr schonungslos gefaltet und geknüllt, sie rollte schwarze Farbe darüber und vervollständigte diese Strukturen mit bunten Acrylfarben.

Axel Müller sagt: „Ihre Arbeit war eine Zerreißprobe im wahrsten Sinne des Wortes.“ Bald sei das Papier mehr als ein Bildträger geworden, die Bilder hätten sich zu Reliefs entwickelt und am Ende zu Skulpturen im Raum. „Sie wurde im Umgang mit diesen Mitteln immer sicherer und eigenständiger. So entstand ein geschlossenes Werk, das mich irgendwann überzeugt hat.“

Mit filigranen Gesten habe Maria Rohr immer auch Geschichten erzählt, merkt Müller an. „Es geht um Beziehungen, Gefühle, das gesellschaftliche Leben.“ Birgit Ludwig-Weber weist darauf hin, dass Maria Rohr ein politischer Mensch war, der sich für die Bedingungen der Kommunikation interessierte. Und sei es um die neuronalen Umstände des Zwischenmenschlichen, die sie bei den Fließbildern veranschaulicht, für die sie rote Farbe über das Papier laufen ließ.

Auf ihrer Homepage beschreibt Maria Rohr selbst ihre Kunst „als meine Antwort auf die Anforderungen und Probleme unserer Gegenwart“. Sie möchte den Menschen „Mut machen, sich von ihren Ängsten, von einschränkenden Denk- und Verhaltensmustern zu lösen und sich für Neues zu öffnen“. Dieses Vermächtnis wird überdauern.