Vorzeichen einer Verkehrswende? Der Sommerregen hielt am Sonntag viele hundert Teilnehmer nicht von der Traditionsrunde durch den oberbergischen Südkreis ab.
RadverkehrDer Sonntag war in Waldbröl und Nümbrecht wieder autofrei

Sonst bitte auf Abstand achten. An diesem Sonntag waren die Autos ganz ausgeschlossen.
Copyright: Michael Kupper
Freie Fahrt für umweltbewusste Bürger: Am Sonntag gehörten die Straßen zwischen Waldbröl und Nümbrecht wieder Radlern, Wanderern und anderen muskelgetriebenen Verkehrsteilnehmern. Für die 21. Auflage des „Autofreien Sonntags“ hatte die Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks die Zufahrten zu dem rund 16 Kilometer langen Rundkurs für Autos abgesperrt. Und Ortsgruppenleiter Florian Krebs schilderte, dass die Autofahrer, die ihre Fahrt nicht wie gewohnt fortsetzen konnten, anders als in vergangenen Jahren diesmal viel Verständnis gezeigt hatten.
Beim Start früh um 9 Uhr auf dem Gelände der Berufsgenossenschaft Nümbrecht begrüßte Gisa Hauschildt, stellvertretende Bürgermeisterin von Nümbrecht, die ersten Radfahrer. Sie betonte: „Das Wichtigste ist das Zauberwort Danke.“ Ohne die zahlreichen Helfer von THW, DRK und ADFC sei die Aktion nicht umzusetzen.

Nach dem Startschutz setzten sich auch Inline-Skater in Bewegung, darunter Liana Küpper und Yevhen Oliynyk.
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Sie wünschte den Teilnehmern pannenfreie Freude. Und wenn doch etwas kaputt gehe, helfe die Firma Zweiradmeister mit einer Reparaturstation an der Strecke gerne weiter. Hauschildt begrüßte den Ausbau der Nümbrechter Fahrradinfrastruktur: „Wenn wir Radwege pflanzen, können wir Radfahrer ernten.“
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Inzwischen nutzen viel mehr Leute das Rad auch im Alltag.
„Die Tour macht einfach Spaß, und man lernt viele Leute kennen“, findet Waldbröls Bürgermeisterin Larissa Weber. Mit Blick auf die dunklen Wolken nach der regnerischen Nacht von Samstag auf Sonntag winkte sie ab: „Das hatten wir schon öfter, der Tag wird wieder schön.“ Die Rathauschefin berichtete, dass die Teilnehmerzahl am Autofreien Sonntag seit den Anfängen deutlich zugenommen habe. Die wachsende Zahl der Radwege trage ihren Teil bei zu einem positiven Trend: „Inzwischen nutzen viel mehr Leute das Rad auch im Alltag – selbst bei schlechtem Wetter.“
Unveränderte Route durch Nümbrecht und Waldbröl
Der Waldbröler Jürgen Köppe erinnerte sich an die Anfänge. Um die Jahrtausendwende hatte Christoph Waffenschmidt das Amt des Bürgermeisters und er selbst den Vorsitz des Waldbröler Handwerkervereins übernommen. Im Gespräch mit dem ersten Bürger der Stadt habe er die Idee eines Autofreien Sonntags im Verbund mit der Nachbarkommune geäußert, und Waffenschmidt sei sofort begeistert gewesen. „Seitdem ist die Route fast unverändert geblieben.“

Beim Fahrradgottesdienst (r.) gab es seelische Pannenhilfe von Maik Führing und Sándor Károly Molnár.
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Diese führt von Nümbrecht aus über Hömel in das Waldbröler Gebiet mit den Ortschaften Hoff, Bohlenhagen, Hahn und Happach zurück über Drinsahl an den Ausgangspunkt. Zwischendurch gibt es fünf Verpflegungsstationen. In Hömel hat der Förderverein der örtlichen Feuerwehrlöschgruppe traditionell die Bewirtung übernommen. „Wir sind seit dem ersten Mal mit dabei und freuen uns, dass so viele bei uns Rast machen“, erklärt der stellvertretende Gemeindebrandmeister Wilhelm Weber. Vielleicht liege das auch an den frittierten Hefeplätzchen nach einem alten Hömeler Dorfrezept: „Einige kommen extra deswegen zu uns.“
Ein Highlight an der Strecke war der Fahrradgottesdienst mit dem evangelischen Pfarrer Sándor Károly Molnár und seinem Kollegen Maik Führing von der freikirchlichen Gemeinde. In seiner Predigt nahm Molnár Bezug auf den Song „Aloha heja he“, den die Band „Obst & Gemüse“ zuvor live gespielt hatte. Der Text beschreibe nach einer Reise um die Welt mit vielen Abenteuern die Sehnsucht nach einem sicheren Ort. Allerdings sei dieser nicht im Materiellen zu finden, wenn man dabei seine inneren Werte verliert: „Das wahre Glück liegt in der Balance zwischen beidem.“
Mit am Start waren auch die Gummersbacherin Liana Küpper und ihr Begleiter Yevhen Oliynyk aus der Ukraine. Beide sind in der Inliner-Gruppe der SF Vollmerhausen aktiv. Küpper erzählt, dass sie schon zum dritten Mal mitfährt, bei den vorigen Touren sei das Wetter toll gewesen: „Heute ist der nasse Untergrund eine Herausforderung, aber wenn es gut läuft, machen wir die Runde auch zweimal.“ Sie nutzt den Autofreien Sonntag auch als Training: „Mitte September geht es zum Inlineskating-Marathon nach Berlin.“