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ErholungSanfte Eselbande beschert Familien in Diezenkausen wertvolle Auszeiten

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Die sanfte Eselbande von Sylvia Geldmacher erfreut sich sowohl bei kleinen als auch bei großen Gästen des Lindenhofs in Waldbröl-Diezenkausen höchster Beliebtheit. Das Wesen dieser Vierbeiner lässt jeden abschalten und beschert Beruhigung.

Die sanfte Eselbande von Sylvia Geldmacher erfreut sich sowohl bei kleinen als auch bei großen Gästen des Lindenhofs in Waldbröl-Diezenkausen höchster Beliebtheit. Das Wesen dieser Vierbeiner lässt jeden abschalten und beschert Beruhigung.

In der schmucken Ortschaft Waldbröls betreibt Sylvia Geldmacher den Lindenhof – eine Oase für Familien, deren Alltag oft eine Herausforderung ist.

Nils ist neugierig. Er nähert sich, leise schnaufend, ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter. Und wuschelt man in seinem Fell, will der 14 Jahre alte Zwergesel gar nicht mehr von der Stelle. Nils ist einer von vier Eseln, die auf dem Lindenhof in der Waldbröler Ortschaft Diezenkausen einen ganz besonderen Job haben: Sie bereiten Familien mitten im Grünen eine entspannte Auszeit – vor allem aber Kindern, die mit Einschränkungen leben, sei es körperlich oder durch eine chronische, sogar lebensverkürzende Erkrankung. Und den Geschwistern ebenso: „Denn die kommen im oft stressigen Alltag zu kurz“, weiß Sylvia Geldmacher. „Viele Familien haben gelernt, sich selbst zu helfen – aber sie brauchen Pausen, sie müssen neue Kraft schöpfen.“

2013 ist die heute 47 Jahre alte Ernährungsberaterin und Erlebnispädagogin mit ihren drei Töchtern auf den Lindenhof gezogen, um da eine Idee zu verwirklichen, die eigentlich Tochter Anna (20) hatte. „Auch sie ist ein besonderes Kind, sie hat das Down-Syndrom“, sagt Geldmacher. Seit drei Jahren steht der Trägerverein „Initiativen für Mensch und Natur“ hinter diesen kleinen Fluchten, sie heißen „Zeit für Dich“, „Tank mal Kraft“ oder „Mach mal Pause“.

Urig ist der Lindenhof in Walbröl-Diezenkausen. Die ersten Gebäude des Ensembles datieren auf das Jahr 1865.

Urig ist der Lindenhof in Walbröl-Diezenkausen. Die ersten Gebäude des Ensembles datieren auf das Jahr 1865.

Von einem nahezu magischen Ort spricht Yvonne Kaiser, denkt sie an den Lindenhof. Ihr Sohn Jannes (15) hat ebenfalls das Down-Syndrom, er ist an Krebs erkrankt. „Und leider ist seine Sprachentwicklung sehr hinten dran“, sagt Kaiser (55), die mit Jannes und ihrem Lebensgefährten Anton Klein (57) in Wiehl-Weiershagen zu Hause ist.

Seit zwei Jahren besuchen die drei die Einrichtung am Erlenweg. „In Diezenkausen wird unser Sohn verstanden, weil es dort Menschen gibt, die ihn verstehen wollen und sich Mühe geben.“ Als Mutter schätze sie zudem den Austausch mit anderen Eltern, die tröstenden Gespräche, die Motivation – „und die tolle Verpflegung“.

Der Bedarf an Auszeiten für stark beanspruchte Familien wächst, nicht nur in Oberberg

Der Bedarf an solchen Begegnungen und eben an den Auszeiten sei riesig, berichtet die Gründerin Geldmacher. „Es kommen immer mehr Familien – auch aus immer größeren Entfernungen – zu uns.“ So überlege sie, bald Übernachtungen zu ermöglichen, das allerdings als Kooperation. Besonders die Angebote für Familien möchte sie ausbauen, „Tank mal Kraft“ etwa richtet sich an Familien, die Kind verloren haben.

„Endlich vergisst man mal Therapien und Termine, das ist so wertvoll“, betont Christina Weiper (41). „Unser Alltag ist sehr anstrengend wegen der vielen Arzttermine von unserer Tochter Elli, die mein Mann Marco und ich neben den Berufen wahrnehmen müssen.“ Elli ist vier Jahre alt, Schwester Antje ist drei. „Seitdem wir den Lindenhof vor anderthalb Jahren entdeckt haben, sind wir Stammgäste.“ Mit den Eseln kuschelt die Familie aus Windeck-Rosbach am allerliebsten.

Für Sylvia Geldmacher, die Hüterin des Lindenhofs in der schmucken Ortschaft Diezenkausen gibt es immer etwas zu tun. Auch sie schätzt die Auszeiten in der Natur.

Für Sylvia Geldmacher, die Hüterin des Lindenhofs in der schmucken Ortschaft Diezenkausen gibt es immer etwas zu tun. Auch sie schätzt die Auszeiten in der Natur.

Zur sanften Eselbande gehören neben dem neugierigen Nils auch dessen Sohn Leo (10), Mutter Agda (17) und Tante Lotta (19). Tanja Müller (47) verrät, wer in Diezenkausen der Favorit ihres sieben Jahre alten Sohnes ist: „Lukas liebt Nils.“ Sie und Ehemann Guido (48) wollen die Besuche dort nie mehr missen: „Wenn man bei Sylvia unter der großen Linde sitzt, kommt man sofort zur Ruhe.“ Vor etwas mehr als zwei Jahren ist die Familie aus Gummersbach-Deitenbach zum ersten Mal auf dem Lindenhof gewesen, seither sind mindestens zwei Ausflüge im Frühling und im Sommer unverzichtbar.

Wer unter der etwa 50 Jahre alten Linde einen schattigen Platz gefunden hat, der bekommt ganz sicher Besuch: Die große Mischlingshündin Wilma streckt dem Gast ihre Nase entgegen, Wilmas Hundefreund George ist meistens nicht weit weg. Die Laufenten schnattern, die Meerschweinchen flitzen durch ihren Stall, die Hühner gackern, Katzen räkeln sich lässig in der Sonne. „Man gerät mit unseren Tieren immer in Kontakt – versprochen“, sagt Sylvia Geldmacher und lacht.

Der Waldbröler Lindenhof erfährt viel Unterstützung, doch lebt er auch von Spenden

Alle tierischen Bewohnerinnen und Bewohner kommen übrigens aus dem Tierschutz oder sind Notvermittlungen, zum Beispiel die beiden Pferde auf der nahen Koppel. Fast 10.000 Quadratmeter misst das Gelände des 1865 erbauten Hofes mit vielen Wiesen, wildem Garten, Sitzbänken unter der Linde, Feuerstelle und Eselstall. Und auch einen Hofladen gibt es.

Abseits verspricht ein uriges Wäldchen jedem Ruhe, dem es gerade zu viel wird. „Die Kinder nennen diesen Ort zum Durchatmen Feen- oder auch Wichtelwald“, erzählt die Gründerin. Feste Unterstützung erhält sie von der Waldbröler Ursula-Barth-Stiftung, jüngst hat ihr auch die Sozialstiftung der Kreissparkasse Köln in Haus Segenborn eine Spende übergeben.

„Die Spende stecken wir gerade in die Entwicklung neuer Angebote“, schildert die Diezenkausenerin, die mit einem Team aus ehrenamtlichen Kräften arbeitet. Auch organisiert Geldmacher Spaziergänge und nächtliche Wandertouren mit den Eseln, lädt zum Backen von glutenfreiem Brot ein oder berät rund um die Ernährung, und das immer im Einklang mit der Natur. „Viele Menschen sind heute entfremdet von der Natur – und ebenso von der Nahrung, die sie spendet.“ Auf dem Lindenhof sollen kleine und große Besucherinnen und Besucher nicht nur zu sich selbst finden, sondern eben auch zurück zur Natur.

Die Familienangebote dort sind kostenfrei, die übrigen Veranstaltungen dienen deren Finanzierung. „Wer eine Wanderung bucht, tut also Gutes“, sagt Sylvia Geldmacher.

www.lindenhof-erleben.de