Herbert Simon (85) und „Peppi“ Peppinghaus (82) sind das älteste noch lebende Motocross-Gespann.
MotocrossIm Seitenwagen waren Herbert Simon und Hans Georg Peppinghaus internationale Spitze

1971 begann die gemeinsame Zeit im Gespann von Herbert Simon und Hans Georg Peppinghaus.
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Nach drei Kurven, sagt Herbert Simon, weiß man, ob es funktioniert. Mit Hans Georg Peppinghaus im Seitenwagen harmonierte es so gut, dass der Waldbröler Fahrer mit dem Hückeswagener in den 70er Jahren das beste deutsche Motocross-Gespann war.
Bis heute sind Herbert Simon (85) und „Peppi“ Peppinghaus (82) gefragte Gäste. Sie sind das älteste noch lebende Motocross-Gespann und sie haben noch ihr Erfolgsmotorrad, die schwedische Hedlund. „Die Lederhosen von 1972 haben wir auch noch“, fügt Peppinghaus lachend hinzu. Sie sind zwar an manchen Stellen geflickt, doch sie passen noch. Es war ein Unfall, der die beiden Männer 1971 zusammenführte. Herbert Simon war mit Beifahrer Klaus Jörgens unterwegs, der am Morgen eines Rennens beim Training auf dem Bielstein Waldkurs mit der Wade ins Hinterrad kam und sich diese brach. Herbert Simon eilte zum Streckensprecher und ließ diesen ausrufen, ob ihn nicht einer als Beifahrer unterstützen wollte.

2026 sind die beiden Motorsportler noch zusammen gefragt.
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Hans Georg Peppinghaus, der zuvor sehr erfolgreich auf dem Solo-Motorrad unterwegs war, meldete sich. Es passte. „Er hat von Anfang an Druck gemacht“, beschreibt Simon seinen Beifahrer, der das richtige Auge für die Fahrspur hat. Das war 1971, und bis 1974 wurden beide dreimal Deutsche Meister.
Im Motocross wurden die Gespanne erst Ende der 60er Jahre zum Thema. „Paul Fischbach, der damalige Bielsteiner Rennleiter, sollte einen Bericht über die Seitenwagen und die WM-Läufe schreiben“, erinnert sich Simon. Während die Schweden, Holländer und Belgier schon früh richtig gut unterwegs gewesen seien, hinkte Deutschland noch hinterher. Auf der Straße sorgten Max Deubel und später Rolf Steinhausen sowie dessen Sohn Jörg mit ihren Weltmeistertiteln für Aufsehen und machten den MSC Drabenderhöhe-Bielstein weltbekannt. In seinem Bericht erklärte Paul Fischbach, dass der Seitenwagen durchaus etwas für den Bielsteiner Waldkurs sei.
Aufwendig einen Seitenwagen gebaut
Herbert Simon nahm die Idee auf und baute mit Ben Snijder, einer Koryphäe des Motocross-Seitenwagensports, aus dem niederländischen Breda einen Seitenwagen. „Aus Einzelkomponenten von einem Solo-Motorrad entstand das Gespann“, erzählt Herbert Simon. Mit Drahtgeflecht wurden die offenen Stellen ausgekleidet. Es sei mit viel Basteleien verbunden gewesen. Klaus Jörgens, der Schwager von Rolf Steinhausen, traute sich als erster Beifahrer in den angeschweißten Seitenwagen.
Die erste Konstruktion passte noch nicht so richtig, und so schaute man sich bei den Engländern um, die uns damals „um die Ohren fuhren“. Ein Vorteil war, dass Simon Kfz-Mechaniker war und damit das technische Know-how hatte. Die Schwinge eines BMW-Motorrads bildete das Gerüst. Bei einem internationalen Seitenwagen-Rennen mit 30 Gespannen am Start wurde Simon/Jürges Achte. „Ich war motiviert, weiter zu machen.“ Schon als Solofahrer war Simon auf einer schwedischen Hedlund unterwegs, und die nutzte er nun auch im Gespann.
Der erste Sieg ließ nicht lange auf sich warten. 1971 standen Simon/ Peppinghaus international an der Spitze. Bei ihrem Sieg in Bielstein hätten die Zuschauer so dicht gedrängt an der Spitze gestanden wie bei der Tour des France, zieht Simon den Vergleich.
Mehr als 30.000 Zuschauer kamen zum Rennen
30.000 und mehr Zuschauer kamen zu den Rennen. Überhaupt habe der Waldkurs eine besondere Faszination, sei sehr speziell mit einer einzigartigen Atmosphäre. „Es ist die Mischung aus Geschicklichkeit, schnellen Passagen und steilen Hängen, eben alles was den Motocross ausmacht.“
Herbert Simon als auch Hans Georg Peppinghaus hatten beide auf Solo-Motorrädern mit dem Motocross begonnen und das auch erfolgreich. „Mein Vater kam damals nach Haus und sagte, in Bielstein fahren sie mit Motorrädern im Busch, da gehen wir auch mal hin“, blickt Herbert Simon auf die Ursprünge des 1951 gebauten Waldkurses zurück.
„Es hat auf Anhieb gut geklappt“, sagt Peppinghaus zu den Anfängen im Seitenwagen. Damals sei er frisch verheiratet gewesen und habe nicht so viel Geld gehabt, um mit dem Solo-Motorrad weiter international zu fahren. Schnell spielte sich das Seitenwagenteam ein. „Ich habe es nie bereut, wir waren ein Superteam.“ Dazu gehörte auch, dass sich die beiden Frauen gut verstanden. „Es hat einfach gepasst“, blickt „Peppi“ zurück. „Er hat die Fliehkraft genutzt, einen solchen Beifahrer, der so mitfährt und mitdenkt, findet man nicht immer“, schwärmt Herbert Simon.
„Ich hatte als Beifahrer mehr Zeit zu beobachten“, fügt der Hückeswagener hinzu. Dabei half ihm auch seine Zeit als Solofahrer. Mit seinen Beobachtungen unterstützte er Simon und war nach seiner Zusammenarbeit mit dem Waldbröler noch lange ein international gefragter Beifahrer. Er fuhr aber auch selber das Gespann mit Rainer Lichtenthäler als Beifahrer.
Herbert Simon baute Mitte der 70er Jahre in Waldbröl seine Autowerkstatt auf und legte eine Motocross-Pause ein. 1974 wurde der Seitenwagen verkauft. Als die Maschine später im Internet wieder angeboten wurde, kaufte Peppinghaus sie 1989 zurück. Auch wenn sie heute nicht mehr darauf Rennen fahren, sie sind gern gesehene Gäste auf den Rennstrecken, wie zuletzt beim WM-Lauf in Straßbessenbach in der Nähe von Aschaffenburg. Zuvor war Herbert Simon in Schweden, wo er weiterhin Kontakt zum 93-jährigen Olof Hedlund hat, dem Konstrukteur des berühmten Motors. Gemeinsam feierte Simon zum 30. Mal mit den Schweden Midsommar.
„Sport war und ist mein Leben“. erklärt Hans Georg Peppinghaus. Er ließ sich weder durch eine Krebserkrankung, noch durch einen Schlaganfall ausbremsen. Dazu gehören lange Fahrradtouren auf Mallorca im Frühjahr. Gemeinsam mit seiner Tochter und seinem Enkel bildete er im Juni beim Volkstriathlon um die Bevertalsperre das „Team Peppi“. Natürlich übernahm der 82-Jährige den Part auf zwei Rädern.
