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Bewerbung um FördermittelDie Marktstadt Waldbröl schnürt ein dickes Paket für ihre Mitte

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So könnte der Marktplatz mit der neuen Multifunktionshalle darauf in der Waldbröler Stadtmitte künftig aussehen. Der Gewinnerentwurf stammt aus dem Kölner Planungsbüro Club L94.

So könnte der Marktplatz mit der neuen Multifunktionshalle darauf in der Waldbröler Stadtmitte künftig aussehen. Der Gewinnerentwurf stammt aus dem Kölner Planungsbüro Club L94.

Rat beschließt Feinschliff für die Innenstadtpläne und legt zudem die neue Grundsteuer B fest. Nicht alle überzeugt das Konzept für die Markthalle.

Eine Marktstadt braucht eine Markthalle. Davon ist Waldbröls Politik felsenfest überzeugt, man ist sich einig. Dienen soll diese auch vielen anderen Zwecken, vielfältig nutzbar soll sie sein, auch neuen Platz schaffen für die Kultur, für die Freizeit. Und Gruppen und Vereinen Raum bieten. Auch da gibt es keine zwei Meinungen. Dass dieser Neubau allerhöchstens 4,6 Millionen Euro (brutto) kosten darf, ist sogar erklärter Wille der Politik. Weniger gut kommt dagegen das Konzept aus dem Rathaus an, das unter anderem die Nutzung und die Trägerschaft dieser Halle regeln soll.

Das hat zuletzt auch die Sitzung des Stadtrats am vergangenen Mittwochabend gezeigt: Das Konzept wurde zwar mehrheitlich durchgewinkt, bei acht Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Sorgen aber machen einigen Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern die auf dem Papier errechneten Kosten und die folgenden Belastungen im echten Betrieb.

Zwischen Kopfschmerzen und schlechtem Gewissen: Waldbröls Politik fürchtet steigende Kosten

Anne Pampus (SPD) klagt da über Kopfschmerzen, Andre Steiniger (CDU) spricht von einem Realismus, der verlorengehe. Auch könne er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn die Stadt 2026 eine stark erhöhte Grundsteuer B einfordere, aber gleichzeitig ein Projekt plane, das sie sich in dieser Gestalt eigentlich nicht leisten könne. Und für die Grünen glaubt Sprecherin Claudia Hein derweil nicht, „dass das Träger- und Nutzungskonzept auf sicheren Füßen steht“.

Was wird die neue Markthalle in Waldbröl am Ende kosten? Inzwischen sind viele verschiedene Summen im Spiel. Klar ist nur, das bei allerhöchstens 4,6 Millionen Euro Schluss ist für die Politik.

Was wird die neue Markthalle in Waldbröl am Ende kosten? Inzwischen sind viele verschiedene Summen im Spiel. Klar ist nur, das bei allerhöchstens 4,6 Millionen Euro Schluss ist für die Politik.

Denn dieses weist ein jährliches Minus von rund 280.000 Euro aus. Dafür habe er „geübte Größenordnungen“ zu Rate gezogen, erklärt Chefplaner Hans-Joachim Hamerla vom Düsseldorfer Büro ASS. Auch sei die Halle nicht dazu da, Gewinne abzuwerfen: Damit die Marktstadt Förderungsmittel aus öffentlichen Kassen bekommt, ist das Gebäude als sozio-kultureller Begegnungsraum entworfen, er soll dem Gemeinwohl dienen.

Vereine, die unter diesem Dach etwa zur Jahreshauptversammlung rufen, zahlen dann auch keine Miete, sondern ein schmales Nutzungsentgelt. Das soll übrigens auch Entlastung schaffen – zum Beispiel für die Sporthallen, deren Böden unter Karnevalspartys leiden. Über die Höhe solcher Entgelte muss die Politik entscheiden, wenn es so weit ist.

Stadt Waldbröl will die neue Multifunktionshalle selbst betreiben und darin auch eine Touristen-Information eröffnen

Für den Betrieb der Halle, die Instandhaltung und das Personal kommt der Planerstab auf rund 586.000 Euro. Träger des Ensembles soll die Stadt sein, die dort ebenso die Einrichtung einer Touristen-Information übernimmt. Ausrichter des Vieh- und Krammarktes sowie anderer Veranstaltungen ist heute die „Wir für Waldbröl“-GmbH im historischen Zuccalmaglio-Haus, die ihre Aufgaben an das Rathaus abgeben soll – von einer Auflösung der Gesellschaft, diese ist seit 2006 eine Tochterfirma der Stadt und des Fördervereins „Waldbröl erleben“, ist bisher aber nicht die Rede.

Bis kommenden Samstag hat die Stadtverwaltung noch Zeit, den nun feingeschliffenen Antrag auf Förderung an die Bezirksregierung in Köln zu schicken. Dieser ist ein großer Teil des Gesamtvorhabens „Innenstadt Waldbröl 2030“ mit einem Kostenvolumen von fast 15 Millionen Euro. Weil aber eine sogenannte Kostenindexierung Spielräume erlaubt, gelten die zuvor für die Förderung anerkannten Kosten von rund 13 Millionen auch weiterhin.

Damit die neue Halle gebaut werden kann, müssen sowohl die Brandruine der alten und ein ehemaliges Mehrfamilienhaus an der Gerberstraße fallen. Der Abbruch und die Aufbereitung der Grundstücke sind derzeit mit mehr als 402.000 Euro berechnet.

Weiterhin zum Innenstadtprogramm gehören die Außenanlagen des Neubaus (fast 680.000 Euro), die Umgestaltung des Marktplatzes in ein „Marktgelände“, unter anderem mit einem Spielplatz (mehr als zwei Millionen), und nicht zuletzt auch der Stadtplatz auf dem früheren Merkur-Gelände. Für die Bebauung dort habe Mitte dieses Monats ein Investor ein – aus seiner Sicht – fertiges Konzept vorgelegt, lässt das Rathaus wissen. Diese werde in Kürze den politischen Gremien vorgelegt.

Die bereits fertiggestellten Bereiche sollen mit einem Fest am 9. Mai 2026 eingeweiht werden.


So hat sich der Haushalt der Stadt Waldbröl das Jahr 2026 verändert

Mit einstimmigem Votum hat der Stadtrat zudem die Finanzplanung für dieses Jahr verabschiedet. Zwei Gegenstimmen gab es zuvor jedoch bei der Festsetzung des Satzes für die Grundsteuer B, der nach einem Jahr nun wieder einheitlich und nicht mehr differenziert nach „Wohnen“ und „Nicht-Wohnen“ berechnet wird: Er liegt nun bei 925 Prozenten (2025: 815 für Wohnen, 1309 für Nichtwohnen). Zudem steigt der Hebesatz für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft (Grundsteuer A) auf 345 Prozentpunkte (vormals 252).

In das Jahr 2026 geht die Marktstadt nun mit einem leicht korrigierten Finanzplan: Der Gesamtsumme der Erträge in Höhe von mehr als 58,2 Millionen Euro stehen jetzt Aufwendungen von fast 63 Millionen Euro gegenüber. So musste die Kämmerei etwa die für 2026 erwarteten Einnahmen aus der Gewerbesteuer von rund 12,45 Millionen Euro auf etwas mehr als 12,01 Millionen reduzieren.

Höher als zuvor geplant fällt unterdessen die Umlage aus, die der Oberbergische Kreis erhält: Diese liegt nur noch knapp unter 29 Millionen Euro insgesamt, vormals waren dafür etwas mehr als 28,76 Millionen kalkuliert.