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JubiläumWie Wiehl zu einer Eissporthalle kam

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Blick über die Tribüne auf die volle Eisfläche.

Seit nunmehr fünf Jahrzehnten ist die Wiehler Eishalle eine exklusive Sportstätte und nicht zuletzt ein beliebter Treffpunkt für junge Leute.

Die Wiehler Sportstätte feiert 50. Geburtstag. Zu ihrer Geschichte gehören die kuriose Entstehung und ein gefährlicher Pfusch am Bau.

So etwas gibt es sonst nicht in Oberberg. Die Eishalle ist ein Wiehler Alleinstellungsmerkmal. Und obwohl sie bei jeder Sparrunde auf den Prüfstand kommt, hat die Stadt bisher an ihr festgehalten. Seit nunmehr fünf Jahrzehnten ist die Halle eine Sportstätte für Eiskunstlauf und Eishockey und nicht zuletzt ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Das Jubiläum wird im Zuge der Saisoneröffnung an diesem Wochenende gefeiert unter dem Titel „50 Jahre Eiszeit und der Funke springt noch immer über“. Die städtische Freizeit- und Sportstättengesellschaft Wiehl   und der Turn- und Sportverein veranstalten ein dreitägiges Programm.

Am 30. Oktober 1976 wurde die Eissporthalle feierlich eröffnet. Diese Zeitung sprach damals von einem „Technikprojekt der Zukunft“. Die Halle, auf deren Dach rund 1100 Solarkollektoren montiert waren, diente als großangelegte Versuchsanlage zur Nutzung von Sonnenenergie. Experten der Internationalen Energieagentur reisten aus Paris an, um sich die solarbeheizte Mehrzweckhalle anzusehen. Der Verbund aus Eissporthalle und Freibad war ein technisch innovativer Ansatz, der eine ganzjährige Nutzung ermöglichte. Schon vor der Eröffnung der Eissporthalle meldeten sich mehr als 120 Interessenten für die neu gegründete Eissportabteilung des TuS Wiehl an.

Wiehler Stadtdirektor war erfinderisch

„Wie Wiehl zu einer Eissporthalle kam“ berichtete Dieter Fuchs, der damalige Stadtdirektor, 2021 in einem Beitrag anlässlich des 50. Stadtjubiläums. Die Geschichte begann demnach mit einer Panne:   1973 war der Durchlauferhitzer für das Wasser im Becken des Wiehler Schwimmbades irreparabel ausgefallen. „Zugleich stöhnten weltweit die Menschen unter einer Ölpreissteigerung bis dahin unbekannten Ausmaßes“, erinnert sich Fuchs.

Vor diesem Hintergrund habe die Diskussion um das neue Thema „alternative Energien“ an Fahrt gewonnen, berichtet der Zeitzeuge. Leider war Wiehl damals die ärmste Stadt Nordrhein-Westfalens. „Als damaliger Stadtdirektor suchte ich nach Möglichkeiten, Geld für einen neuen Durchlauferhitzer für das Bad zu bekommen.“ Dann erfuhr Fuchs, dass das Bundesforschungsministerium nach einem Platz für eine Solarversuchsanlage suchte. Erwogen wurde zunächst, dass in Wiehl ein Solardach von 3000 Quadratmeter Größe auf Stelzen aufgestellt wird. In Betracht dafür kam nur der Sportplatz südlich der Wiehl. „Im Wohnzimmer des damaligen TuS-Vorsitzenden Walter Lück wurde das Ansinnen mit dem TuS-Vorstand, Ratsvertretern und mir erörtert“, berichtet Dieter Fuchs. In diesem Zuge wurde die Stelzenvariante verworfen und stattdessen Fuchs’ Vorschlag angenommen, sich um eine Mehrzweckhalle mit Eissportanlage unter dem Solardach zu bemühen.

Wiehl braucht auch ein neues Bad

NRW-Innenminister Willy Weyer lehnte das Projekt zunächst ab, weil die Stadt Wiehl nichts zuzahlen konnte. Druck aus Bonn überwand diese Hürde. Dann ergab sich das nächste Hindernis, erinnert sich Fuchs: „Bei Voruntersuchungen kam heraus, dass das alte Freibad für die nötigen Anschlüsse nicht geeignet war und dass ein ganz neues Bad mit vier Becken für die Erwärmung des Badewassers durch Solarenergie erforderlich war.“

Am Ende erklärte sich das Land bereit, einzuspringen und die Planungen für das Millionen-Projekt zu fördern. So kam es zum Bau des europaweit größten Solarforschungsvorhabens mit angeschlossenem Schwimmbadneubau. Im Mai 1975 wurde der Grundstein für die Versuchsanlage gelegt und schon   im August 1976 folgte Einweihung, jeweils in Anwesenheit vom damaligen Bundesforschungsminister Hans Matthöfer.

Die Eishalle, die eigentlich nur die Unterkonstruktion einer Solaranlage ist, hat sich in den folgenden Jahrzehnten gut gehalten. Als im Jahr 2006 die Nachricht über eine defekte Dachkonstruktion mitten in die Vorbereitungen zur Feier des 30-jährigen Jubiläums platzte, war der Schock   allerdings groß.   Im bayerischen Kurort Bad Reichenhall war zuvor eine Eissporthalle eingestürzt. 15 Menschen, darunter 12 Kinder und Jugendliche, kamen ums Leben. Die ursächlichen Probleme am Dach ähnelten denen in Wiehl: Hier wie dort kam ein ungeeigneter Leim zum Einsatz. Auch in Wiehl wurden bei der Herstellung   zu große Fugen in Kauf genommen. Schnellstmöglich wurden die Reparaturen durchgeführt. Rund 12.000 Schrauben gaben der Dachkonstruktion wieder   Stabilität. Die Saison konnte verspätet beginnen.

In diesem Sommer mussten sich die Verantwortlichen einer neuen Herausforderung stellen. In den eisfreien Monaten wurde die in die Jahre gekommene Kälteanlage komplett ausgetauscht, was nicht   reibungslos verlief. Nur dank des unermüdlichen Einsatzes des Technikleiters und der Eismeister konnte noch rechtzeitig grünes Licht für die Saisoneröffnung gegeben werden. Jetzt geht’s wieder los.


Festprogramm

Unter dem Motto „50 Jahre Eiszeit und der Funke springt noch immer über“ gibt es eine dreitägige Jubiläumsfeier. Los ging es am Freitag mit einer Kinderdisco und anschließender Kick-Off-Party. Am Samstag, 26. September,  wird Bürgermeister Ulrich Stücker die offizielle Jubiläumsfeier um 14 Uhr eröffnen. Anschließend gibt es Eishockeyspiele und Kunstlaufdarbietungen. Außerdem stehen Führungen durch die Eishallenkatakomben, ein Eishallenquiz und ein Glücksrad auf dem Programm. Am Sonntag geht es von 14 bis 17 Uhr weiter mit Bewegungs- und Spielangeboten auf dem Eis sowie kurzen Präsentationen der Abteilungen des TuS Wiehl. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet um 18 Uhr das Eishockeyspiel der U 20 des TuS Wiehl gegen die U 20 aus Solingen. Der Eintritt ist an allen drei Veranstaltungstagen frei. Schlittschuhe und Laufhilfen sind gegen Gebühr erhältlich.