Wipperfürth will Anregungen aus einem vor ihr in Auftrag gegebenen Gastronomiekonzept umsetzen. Statt ein externes Büro hinzuzuziehen, wollen die Wirte am Markt sich einbringen.
GastronomieWipperfürther Wirte wollen mit der Stadt zusammenarbeiten

Die Gaststätten am Wipperfürther Marktplatz sind oft gut besucht.
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Wer ausgehen will, der hat in Wipperfürth viele Möglichkeiten. Allein am Marktplatz und der angrenzenden Marktstraße gibt es nicht weniger als zehn Gaststätten, Kneipen und Imbisse. Als „strategische Grundlage zur Weiterentwicklung der Innenstadtgastronomie und der Aufenthaltsqualität“ hatte der Rat bei dem Burscheider Büro Progacon ein Gastronomiekonzept in Auftrag gegeben, dass die Lage analysiert und Handlungsempfehlungen gibt (wir berichteten).
Am Mittwochabend ging es im Ausschuss für Klima, Umwelt und Stadtentwicklung um die Frage, wie dieses das Konzept umgesetzt werden kann. Dabei gab es eine überraschende Wende. Zur fachlichen Begleitung und Koordination wollte die Verwaltung ein externes Fachbüro heranziehen – mangels Alternativen wäre die Wahl vermutlich wieder auf Progacon gefallen. Im Haushalt stehen dafür 20.000 Euro bereit.
Wir haben selbst gute Leute, die einen guten Job machen
Auf Antrag der CDU wurde dieser Punkt jedoch gestrichen. „Wir haben selbst gute Leute, die einen guten Job machen“, sagte Dieter Voß (CDU). Für die Umsetzung des Konzepts benötige man nicht noch mehr Papier. Ähnlich sah das Frank Mederlet (SPD). „Wir brauchen auch die, die jetzt schon aktiv sind in der Gastronomie und auf den Dörfern.“ Sabine Förster (AfD) wollte wissen, warum man nicht die Wirte am Markt mit ins Boot nimmt: „Wir haben absolute Profis.“
Auch den Grünen sind 20.000 Euro für externe Beratung zu teuer. Dieses Geld – das war sich der Ausschuss einig – sollte der Umsetzung von Maßnahmen dienen. Einstimmig votierten die Ausschussmitglieder für ein schrittweises Vorgehen. Die Stadtverwaltung hat das Progacon-Gastrokonzept geprüft und Prioritäten festgelegt.
Wirte halten das Progacon-Konzept für überflüssig
Kurzfristig will die Stadt im Bereich Marktplatz und Marktstraße gestalterisch aktiv werden. Denkbar sind mehr Begrünungselemente, Lichterketten, saisonale Dekoration und die Schaffung zusätzlicher Sitzmöglichkeiten, vor allem in der wärmeren Jahreszeit.
Die Wirte am Markt (Marco Schlierenkamp vom Brauhaus, Karsten Johnen von der Penne, Adam Jarek vom Hansecafé sowie René Köhler und Sophie Weiß vom Gusto am Markt) haben im Gespräch mit unserer Redaktion ihre Bereitschaft betont, mit der Stadt und dem Citymanagement zusammenzuarbeiten und sich mit Ideen und Tatkraft einzubringen.
Das Gastrokonzept von Progacon sei allerdings x-beliebig und völlig überflüssig. „Wir haben die Fraktionen, die Stadt und die Bürgermeisterin im Vorfeld darauf hingewiesen“, sagen die Wirte. Doch leider haben man nicht auf sie gehört. In Thier geht es weiter Im Progacon-Konzept heißt es unter anderem: „Das Angebot in der Innenstadt ist überwiegend einfach bis durchschnittlich“ – ein Satz, der in den Ohren der Wirt wie Hohn klingt. Nachbessern müsse die Stadt aus Sicht der Wirte bei der Sperrung der Hochstraße und dem Thema Parken auf dem Marktplatz.
Für ein anderes Problem haben sie allerdings auch keine Lösung – den Leerstand vieler Dorfgaststätten. Zum einen gebe es in vielen der Gebäude mittlerweile einen erheblichen Sanierungsbedarf, zum anderen sei es heutzutage schwer, Wirte und Personal dafür zu finden. „Gastronomie ist kein Nine-to-five-Job“, sagt Adam Jarek.
Eine positive Nachricht gibt es aus Thier. Zwar wird Frank Rösler, der Wirt des Dorfgemeinschaftshauses, Mitte Juli die Gaststätte „Beim Rösi“ schließen. Aber schon einen Tag später soll das „DFG“ unter einer neuen Wirtin wieder aufmachen, wie Heribert Berster, 1. Vorsitzender der Thierer Schützen, auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. Der Schützenverein ist, zusammen mit dem Förderverein zur Dorfgemeinschaft, Eigentümer der Immobilie.
