Rechte Rheinstrecke ab 10. Juli gesperrtS-Bahn nach Bonn-Beuel kommt zwei Jahre früher

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Die Autobahnbrücke der A 560 führt bei Siegburg über die Bahngleise der Strecke zwischen Troisdorf und Bonn. An dieser Stelle überspannt auch eine Eisenbahnbrücke den Fluß Sieg. Im Sommer soll die Autobahnbrücke erweitert werden, nachdem bereits ein zusätzliches Gleis für den Güterverkehr errichtet wurde. Ab Dezember 2026 soll auch die verlängerte S-Bahn-Strecke der S13 hier entlangführen. Die rechtsrheinischen Bahnstrecke Troisdorf-Unkel wird während der sogenannten Generalsanierung „rechter Rhein“ von Juli bis Dezember 2026 voll gesperrt.  Foto: Uwe Weiser

Die Autobahnbrücke der A 560 führt bei Siegburg über die Bahngleise der Strecke zwischen Troisdorf und Bonn. An dieser Stelle überspannt auch eine Eisenbahnbrücke die Sieg. Ab Dezember 2026 soll auch die verlängerte S-Bahn-Strecke der S13 hier entlangführen. Die rechtsrheinischen Bahnstrecke Troisdorf-Unkel wird während der sogenannten Generalsanierung „rechter Rhein“ von Juli bis Dezember 2026 voll gesperrt. Foto: Uwe Weiser

Von dieser Generalsanierung werden Pendler schnell profitieren: Ab Dezember 2026 soll die S 13 von Troisdorf bis Bonn-Beuel fahren. Zwei Jahre früher als geplant.

Seit sieben Wochen läuft die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Köln-Mülheim, Wuppertal und Hagen auf Hochtouren. Es ist das erste Projekt in Nordrhein-Westfalen, bei dem die DB den Zugverkehr komplett einstellt, um eine wichtige Strecke von Grund auf zu erneuern. Am 10. Juli soll alles erledigt sein. Doch das Rheinland kommt nicht zum Durchatmen. Noch am gleichen Tag startet das nächste Großprojekt auf den 160 Kilometern zwischen Troisdorf und Wiesbaden. Mit einer Besonderheit: Zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel wird parallel der Ausbau der Linie S 13 vorangetrieben. Ab 10. Dezember sollen dort die ersten Züge fahren. Zwei Jahre früher als geplant.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was hat die Generalsanierung der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden mit dem Ausbau der S-Bahnlinie 13 zu tun?

Die Sanierung dieses 160 Kilometer langen Korridors, von dem 25,8 Kilometer in NRW liegen, macht es möglich, den knapp zehn Kilometer langen Bauabschnitt der S-Bahn zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel schon Ende 2026 in Betrieb zu nehmen. Das sind zwei Jahre früher als geplant. „Das bedarf einer unglaublichen Koordination und Verlässlichkeit, damit jedes Gewerk auch in den fünf Monaten von Juli bis Dezember fertig wird“, sagt Gesamtprojektleiter Jens Sülwold. „Wir haben unser S-13-Team so aufgerüstet, dass wir sowohl den Ausbau der S-Bahn als auch die Korridorsanierung bis zur Landesgrenze hinter Bad Honnef gemeinsam abwickeln können. Die Korridorsanierung in Troisdorf beginnt ein bisschen weiter nördlich, der Ausbau der S 13 hinter dem bestehenden Bahnsteig in Troisdorf. Von dort geht es dann auf vier Gleisen weiter.“ Damit sind 80 Prozent der Ausbaustrecke fertig und die Weichen für den S-Bahnverkehr zwischen Bonn und dem Flughafen Köln/Bonn gestellt.

Was ist mit dem letzten Neubau-Abschnitt der S 13 zwischen Bonn-Beuel und Oberkassel?

Die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2030 vorgesehen. Das verschiebt sich aber weiter nach hinten. „Wenn wir hier fertig sind, wechseln wir zunächst auf die linke Rheinseite“, sagt Sülwold. „Dort stehen der Austausch der vier Kölner Innenstadtbrücken und ebenfalls eine Generalsanierung an.“ Auf beiden Rheinseiten könne man nicht gleichzeitig bauen. „Wir brauchen auch Platz für die Umleitungen von Zügen.“ Umso wichtiger sei es, die S-Bahn bis Bonn-Beuel noch in diesem Jahr fertigzustellen.

Was wird auf der rechten Rheinseite zwischen Troisdorf und Unkel alles gemacht?

Die Bahn erneuert und saniert 37 Kilometer Gleis, tauscht 14 Kilometer Fahrdraht und 54 Weichen aus. Außerdem wird die Strecke mit moderner Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet, die künftig einen digital gesteuerten Zugbetrieb nach dem ETCS-Standardsystem ermöglicht. ETCS ist die Abkürzung für European Train Control System. An der Drachenfelsstraße in Königswinter wird die Schranke durch eine Eisenbahnüberführung ersetzt und vier Stationen modernisiert.

Welche sind das?

In Niederdollendorf, Königswinter und Rhöndorf werden die Bahnsteigdächer erneuert oder modernisiert, die Bahnsteige für einen stufenfreien Ein- und Ausstieg angepasst. Sie sollen grundsätzlich barrierefrei sein und ein einheitliches Erscheinungsbild aufweisen. Die Station in Bad Honnef wird 400 Meter nördlich Richtung Stadtmitte verlegt, mit Aufzügen und einer Fußgängerbrücke ausgestattet. „Damit erfüllen wir den Wunsch nach einer besseren Anbindung an die Stadtmitte und die Stadtbahn“, sagt Marvin Thöne, der sich bei der DB InfraGo um die Stationen kümmert.

Was kommt auf die Bahnkunden im Regionalverkehr während der fünfmonatigen Sperrung zu?

Die Bahn unterteilt die Sperrung in zwei Zeitabschnitte. Vom 10. Juli bis 11. September fällt der RE 8 zwischen Troisdorf und Koblenz aus und wird ab Köln über den Flughafen Köln/Bonn umgeleitet. Die RB 27 fällt zwischen Troisdorf und Koblenz ganz aus.

Vom 12. September bis 12. Dezember fallen der RE 8 und die RB 27 zwischen Köln Messe/Deutz und Koblenz aus. Weitere Auswirkungen auf anderen Linien betreffen die S 12, die sonntags nur im Stundentakt zwischen Blankenberg und Au fährt. Die S 19 (Düren - Au) fährt zwischen Köln/Bonn Flughafen und Au nur im Stundentakt. Die RB 30 wird zwischen Bonn und Remagen komplett gestrichen. Im Berufsverkehr wird es linksrheinisch zwischen den Hauptbahnhöfen von Köln und Bonn keine zusätzlichen Fahrten geben.

Was sind die Alternativen?

Die Bahn organisiert Ersatzverkehre mit Bussen. Außerdem soll die Stadtbahnlinie 66 der Stadtwerke Bonn zwischen Ramersdorf und Königswinter alle zehn Minuten fahren.

Das sind die Auswirkungen für NRW im Nahverkehr - Welche Folgen hat die Sperrung für den Fernverkehr?

Die sind erheblich. Zwischen Mainz, Koblenz, Bonn und Köln fährt jeweils nur noch ein Fernverkehrszug je Stunde und Richtung. Die Züge zwischen Berlin und Bonn sowie zwischen Norddeich Mole und Koblenz starten und enden in Köln. Der Güterverkehr wird über die linke Rheinstrecke und die Siegstrecke umgeleitet. Das ist der Grund, warum auch der Nahverkehr auf der linken Rheinseite ausgedünnt werden muss.

Warum ist die Generalsanierung der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden so wichtig?

Die Bahn will bis 2027 auf der gesamten Strecke das Zugsicherungssystem ETCS einbauen und muss dafür sechs Stellwerke erneuern. Die rechte Rheinstrecke ist Teil der wichtigen europäischen Güterverkehrsstrecke des Rhein-Alpen-Korridors. Sie ist etwa 3900 Kilometer lang und verknüpft die Seehäfen Seebrügge, Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, das Rhein-Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet mit Basel und Zürich, der Lombardei und Genua. Zwischen Oberhausen und der Grenze zur Schweiz bei Basel soll dort künftig mit dem einheitlichen Zugsicherungssystem ETCS gefahren werden, das 20 verschiedene Systeme ersetzen und eine dichtere Zugfolge ermöglichen soll.

Gibt es schon Abschnitte, auf denen mit dem neuen System gefahren wird?

Ja. Auf der rechten Rheinseite hat die DB InfraGo Mitte Dezember 2025 auf einem 55 Kilometer langen Abschnitt zwischen Niederlahnstein (Rheinland-Pfalz) und Assmannshausen (Hessen) das ETCS-System des japanischen Herstellers Hitachi in Betrieb genommen. Dazu mussten fünf Stellwerke ausgebaut werden.

Symbolbild S-Bahn S13 Bahnhof Troisdorf

Ein Zug der S 13 im Bahnhof von Troisdorf. Ab Dezember soll die Linie bis Bonn-Beuel verlängert werden. Foto: Peter Freitag

Werden künftig noch mehr Güterzüge auf der rechten Rheinseite fahren?

Das befürchtet das Bürgernetzwerk Pro Rheintal und hat Ende Februar deshalb ein Rechtsgutachten zum Thema „Schutz vor Bahnlärm“ in Auftrag gegeben. „Der Bahnverkehr konzentriert sich immer mehr auf einzelne Güterverkehrs­korridore. Die Güterzüge fahren schneller, die Zugfolgen wurden dichter und die Güterzüge sind länger, schwerer und lauter als jemals zuvor. Dies hat dramatische Steigerungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Anwohner durch Lärmemissionen, Feinstaub und Unfallgefahren zur Folge“, heißt es in einer Stellungnahme. „Mit der jetzt geplanten Generalsanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke ist ohne die erforderlichen Schutzmaßnahmen ein weiteres Anwachsen von Lärm und Verkehrsbehinderungen zu befürchten.“