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Zurück im ArbeitsalltagDie GL Service hilft Arbeitslosen in Gladbach bei der Wiedereingliederung

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Zwei Männer sitzen an einem Tisch.

Stephan Dekker (r.) und Andreas Kuhlen von der GL Service.

Mit der GL Service gGmbH verfügt die Stadt über ein Unternehmen, das sich um die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen bemüht.

Morgens um acht kommen die Beschäftigten in die Zentrale. Die Anleiter geben Instruktionen, erklären, was heute anliegt. Grünschnitt, Rasenmähen, Laub fegen – in den städtischen Grünanlagen, auf Schulhöfen, bei gemeinnützigen Einrichtungen.

Danach geht es für die Menschen, die von der Arbeitsagentur geschickt wurden, raus zu den Einsätzen. Es sind Arbeiten, oft nach vielen Jahren der Arbeitslosigkeit. Eingliederung und Beschäftigungsförderung, das ist entscheidend. Die Arbeit soll den Menschen helfen, ihren Tag wieder zu strukturieren. Denn ohne Struktur laufen die Tage ins Leere.

Anfangs wusste keiner, was wir eigentlich machen sollten.
Stephan Dekker, Geschäftsführer

An der Tannenbergstraße, hinter dem Bahnübergang, hat die GL Service gGmbH ihren Sitz. „Anfangs wusste keiner, was wir eigentlich machen sollten“, erinnert sich Geschäftsführer Stephan Dekker, hauptberuflich Beigeordneter der Stadt. Eine gemeinnützige Gesellschaft? Bei der Stadt? Das schienen böhmische Dörfer zu sein für Verwaltung und für Politiker.

Das Haus der GL Service ist weiß mit einem blauen Fundament.

An der Tannenbergstraße hat GL Service seinen Hauptsitz. Claus

„Zu Beginn, das war 2007, hatten wir sieben Personen, die zu uns kamen“, sagt Dekker. Es gab Aufgaben, denn auf den städtischen Schulgeländen ist viel zu tun im Gartenbereich. Einsätze bei Privatleuten   waren damals tabu und sind es heute auch noch, Konkurrenz zur Privatwirtschaft will GL Service nicht sein.   Klaus Orth (SPD), damals Bürgermeister von Bergisch Gladbach, habe den Anstoß gegeben, aus sozialen Aspekten heraus. „Aber es wusste keiner etwas Richtiges mit uns anzufangen.“

Heute hat das städtische Unternehmen 125 Beschäftigte

Darüber muss der Geschäftsführer heute schmunzeln. Denn die GL Service gGmbH mit Dekker und dem Generalbevollmächtigten Andreas Kuhlen an der Spitze, ist mittendrin im städtischen Geschehen. Manchmal ist sie auch der Mittelpunkt. Heute hat das städtische Unternehmen übrigens 125 Beschäftigte und ein weites Feld an Betätigungen, vielleicht das weiteste einer städtischen Tochtergesellschaft.

Neuerdings ist GL Service Träger eines Kinderheims. „Hätte ich auch nicht gedacht“, sagt Dekker. Zum 1. Januar 2026 übernahm die GL Service die Trägerschaft für das Heilpädagogische Kinderheim an der Brüderstraße in Bensberg. „Ohne uns hätten zwölf Kinder auf der Straße gestanden“, sagt Andreas Kuhlen. GL Service übernahm die Verwaltung für die Sozialeinrichtung, für die Mitarbeiter des Kinderheims war es ein Betriebsübergang. Im Kinderheim lief zum Stichtag alles wie gewohnt weiter. An der Tannenbergstraße liegt nun die Verwaltung des Kinderheims. „Wir mussten uns bei den Mitarbeitern vorstellen und erklären, wer wir sind“, sagt Kuhlen. Eigentlich eine Ausnahme: Denn die weißen Fahrzeuge mit dem blauen Logo sind überall im Stadtgebiet bestens bekannt.

Jeder Beschäftigte hat seine eigene Geschichte

Gekocht wird übrigens auch. 8000 Schulessen, eine gewaltige Zahl. Drei Tage im Voraus, das ist die Linie. In der Mensa der Integrierten Gesamtschule Paffrath wird der Löffel geschwungen. „Da kommen wir langsam an unsere Grenzen“, sagt Dekker. In der Mensa wirken Mitarbeiter, die über das Kochen zurückkehren sollen in das Erwerbsleben. Ein Umzug ist schon im Blick, ein leerstehendes Restaurant in Nähe von Stadion und Feuerwache steht vor dem Umbau. Bei Großeinsätzen wird auch für die Einsatzkräfte gekocht. Mit der neuen Betriebsstelle werde die Logistik einfacher, erklärt Dekker. Im Sommer 2021, beim Jahrhunderthochwasser, verpflegten die Köche von GL Service die Einsatzkräfte zum ersten Mal.

In dem Garten der GL Service gibt es Wiese und Beete.

Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es im Garten.

Die Unterschiedlichkeit der Aktivitäten sei die große Stärke von GL Service, findet Dekker. Und Andreas Kuhlen zeigt eine lange Liste mit Erfolgsmeldungen: Nach der Arbeit bei der GL Service sei der Schritt zurück in den ersten Arbeitsmarkt gelungen. Über jede Vermittlung freue man sich, sagt auch Verwaltungsleiterin Petra Grabowski. Was im Gespräch deutlich wird: Jede Vermittlung ist individuell, jeder Beschäftigte hat seine eigene Geschichte. Der Weg zurück, das klingt bei Dekker und Kuhlen durch, ist oft steinig und schwierig. GL Service ist für viele der Türöffner zurück in ein Leben mit einer Beschäftigung.

Die Zentralwerkstatt auf Zanders ist das nächste Projekt

Die Zentralwerkstatt. Das ist das nächste Projekt. Bis 2028 wird das historische Gebäude auf dem Zandersgelände umgebaut, mit Fördermitteln des Landes. Ein Kulturzentrum wird kommen. Und wer ist der Träger? Die GL Service gGmbH. Wie das genau laufen wird, ist derzeit noch nicht ganz klar. „Aber wir arbeiten dran“, sagt Dekker und blättert in einigen Aktenstapeln. Als Kultur- und Veranstaltungszentrum soll die Zentralwerkstatt zu einem Leuchtturm der Stadtgesellschaft, zu einem Meilenstein für die Zanders-Entwicklung werden.

Was noch? Auch die Vermietung der Grillhütten an der Saaler Mühle und in Diepeschrath läuft über die Gesellschaft. Und auch beim Maibaumverkauf sind die Mitarbeitenden mit dabei, auf dem Zandersgelände soll es ihn wieder geben. „Wir können sehr schnell auf Anfragen reagieren“, sagt Stephan Dekker. Das sei ein entscheidender Vorteil für GL Service.

Übrigens: Beschäftigte, die aus welchen Gründen auch immer, morgens den Betriebsstart an der Tannenbergstraße verpassen und verspätet kommen, können sich in einer kleinen Gärtnerei verwirklichen. Auch die gibt es nämlich, im Hinterland der GL Service-Zentrale an der Tannenbergstraße.