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Bergisch GladbachIn der Stadt sinkt erstmals der Bedarf an Kita-Plätzen

4 min
Vier Kinder blicken durch die Fensterscheibe.

Bei der Einweihung der Kita Reiser in 2025. Seitdem hat sich die Versorgungssituation in Bensberg und Umgebung verbessert, reicht aber noch nicht aus.

Aber nicht alle Kinder können in den Kindertagesstätten untergebracht werden. Es fehlen 100 Plätze.

Es gibt freie Kita-Plätze in Bergisch Gladbach. Das ist neu in der Stadt. Von einer Entwarnung kann trotzdem keine Rede sein. Nicht jedes Kind im entsprechenden Alter wird zum Sommer einen Betreuungsplatz bekommen. Aber in bestimmten Stadtteilen könnte es für Eltern einfacher werden als bisher, ein Betreuungsangebot zu finden.

Als Grund nennt die Stadt sinkende Geburtszahlen. Das mache sich in den Kitas bemerkbar. Indiz für die Trendwende: Das Defizit an Plätzen für das Kindergartenjahr 2026/27 wird kleiner. Es fehlen 100 Plätze in den Kindertageseinrichtungen – Überbelegungen  in den Gruppen von insgesamt 65 Plätzen nicht eingerechnet. Bei der Kindertagespflege sind noch 15 Betreuungsplätze frei. Eine deutlich positive Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren, als sich der Mangel immer auf über 300 Plätze summierte.

Diesmal hat die Verwaltung mit den realen Bevölkerungsdaten zum Stichtag 30. Juni 2025 gerechnet und nicht wie zuletzt mit der Bevölkerungsprognose, die auf höheren Kinderzahlen beruht. Würde man diese Vorausberechnung zugrunde legen, würde sich der Fehlbedarf auf 402 Plätze belaufen. Die Anwendung dieser Prognose hat der Stadtrat beschlossen, um böse Überraschungen bei den Planungen zu verhindern, die es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben hat.

Plätze in Neubauten sind bereits  eingerechnet

Allerdings werden nicht alle ausgewiesenen 4221 Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten bereits am 1. August zur Verfügung stehen. Denn es handelt sich nur um eine planerische Größe, heißt es in der Vorlage, die das Jugendamt am morgigen Dienstag dem Jugendhilfeausschuss vorlegt.

Demnach können einige Einrichtungen aufgrund des Fachkräftemangels nur mit einer reduzierten Gruppenzahl starten. Wie berichtet ist diese Situation problematisch und sehr belastend für berufstätige Eltern, die nicht den gebuchten Betreuungsumfang erhalten oder sogar tageweise von der Betreuung ausgeschlossen sind.

Zudem sind die zusammen 190 Plätze in den drei Neubauvorhaben in die Planung für 2026/27eingerechnet, obwohl sie erst später im Kindergartenjahr eröffnen. So wird mit der Inbetriebnahme der Kita an der Schulstraße im Stadtteil Sand   im September dieses Jahres gerechnet. Die Eröffnung der Kindertagesstätte an der Jakobstraße in der Innenstadt verschiebt sich auf Februar/März 2027.

Zwei Kita-Projekte gibt die Stadtverwaltung auf

Beim Bau der Einrichtung am Nittumer Weg in Schildgen kommt es aufgrund eines Kampfmittelfundes zu Verzögerungen. Eine zeitliche Prognose zum Fortgang kann die Verwaltung nicht abgeben. Von der Realisierung weiterer Kita-Projekte will die Verwaltung aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zunächst Abstand nehmen.

Dazu gehören das bei Anwohnern umstrittene Bauvorhaben Kita Fürstenbrünnchen auf der Lena-Wiese in Lückerath sowie die Realisierung einer Einrichtung auf dem Gelände des Flüchtlings-Containerdorfs an der Gladbacher Straße.

Die Planung für das Kindergartenjahr 2026/27 erfolgt unabhängig von der anstehenden Reform des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz). Die Verwaltung geht davon aus, dass die Reform frühestens zum Kita-Jahr 2027/28 wirksam werde.

Platzmäßig besonders eng wird es – wie schon in den Jahren zuvor - in den Stadtteilen Herkenrath, Bensberg, Lückerath, Moitzfeld. Insgesamt fehlen hier 51 Kindergartenplätze. Die Eröffnung der Kita Reiser hat die Versorgungssituation zwar verbessert, reicht aber nicht aus.

In Refrath, Kippekausen, Frankenforst, und Lustheide kann der Bedarf von Kindern unter drei Jahren nur zu 39,7 Prozent gedeckt werden. Insgesamt besteht ein Defizit von 54 Plätzen. Die Stadtteile Innenstadt, Hebborn, Heidkamp, Gronau, Herrenstrunden und Sand sind am besten aufgestellt: Hier fehlen im U 2-Bereich 20 Plätze.


Bei der Kindertagespflege sinken die Anmeldezahlen

Aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen verändert sich vor allem die Situation der Kindertagespflege, denn ihre Zielgruppe sind hauptsächlich die unter dreijährigen Kinder. Im Jahr 2026 soll kein Ausbau stattfinden.

Es bleibt bei 364 Plätzen, die die Stadt beim Land NRW beantragen will, die Versorgungslage sei bedarfsdeckend. Derzeit gibt es einen Überhang von 15 freien Plätzen. Im Stadtgebiet gibt es 20 Großtagespflegestellen, in denen zwischen sechs und neun Kinder betreut werden, sowie 41 Kindertagespflegestellen. (ub)