Neues KonzeptGladbacher Klimafreunde setzen sich für mehr Transparenz bei Baumfällungen ein

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Gronau, Dechant-Müller-Straße

Oft fallen Bäume im Zuge von Neubauprojekten. So ist es auch hier an der Dechant-Müller-Straße gewesen.

Die Klimafreunde schlagen ein neues Baum-Konzept vor, denn sie wünschen sich mehr Transparenz bei Fällungen von Seiten der Stadt.

Jedes Jahr verliert die Stadt hunderte Bäume, die genaue Zahl ist nicht bekannt. Sie konkurrieren gerade in dicht bebauten Stadtteilen mit Wohnraum, Gewerbe, Schul- oder Kita-Neubauten. Die Klimafreunde Rhein-Berg setzen sich für ein Kompensationskonzept ein, um die Verluste verbindlich und nachhaltig auszugleichen.

Klimafreunde monieren: „Baurecht schlägt Baumrecht“

„Jeder Baum zählt“, betont Hanns-Eberhard Schulze in der Sitzung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden. Bäume produzieren Sauerstoff, und verbrauchen CO2, spenden Schatten, sie kühlen und schaffen Versickerungsflächen. Umso größer der Baum, desto größer der Effekt. „Mit jedem Gewächs, das verschwindet, geht eine Klimaleistung verloren“, mahnt Schulze, Mitglied der AG Baum bei den Klimafreunden.

Die Baumfällungen erfolgten aus unterschiedlichen Gründen – etwa weil Bäume abgestorben seien oder die Verkehrssicherheit beeinträchtigt ist. Die meisten Gehölze – davon gehen die Klimafreunde aus – fielen jedoch Bauvorhaben zu Opfer. Dies kann auch die Baumschutzsatzung nicht verhindern. Es gilt der Grundsatz „Baurecht schlägt Baumrecht“. „Damit haben wir ein stetiges Verschwinden von Bäumen in der Stadt“, kritisiert Schulze.

Als Beispiele führen die Klimafreunde Fällungen von Straßenbäumen an wie in der Kiebitzstraße oder der Dechant-Müller-Straße, von Bäumen in öffentlichen Anlagen wie auf dem Areal der Grundschule In der Auen oder Bäumen im Rahmen von städtische Projekten wie auf der Bensberger Schloßstraße oder im Forumpark.

Verwaltung soll jährliche Bilanz über Fällungen und Ersatzpflanzungen offenlegen

Die Klimafreunde schätzen, dass jährlich hunderte Bäume gefällt werden. Eine offizielle Zahl sei aber nicht bekannt. Damit sei auch die Höhe der Klimaleistung unbekannt, die verloren gehe. Bei einem Teil der Fällungen seien zwar Ersatzpflanzungen geplant: „Eine offizielle Nachverfolgung ist aber nicht möglich“, stellt Schulze fest. Es nütze Anwohnern nicht viel, wenn irgendwo am Rande des Stadtgebiets Ersatzgehölze gepflanzt würden. Deshalb solle die Verwaltung, so der Vorschlag der Klimafreunde, in einer jährlichen Bilanz über sämtliche Fällungen sowie Ersatzpflanzungen berichten.

In seiner ersten Einschätzung hält Dezernent Thore Eggert eine Wirksamkeitsmessung für schwierig. Er sagt aber zu, zu prüfen, ob eine Leistungsbilanz mit „niederschwelligem Aufwand“ umzusetzen sei. Christian Nollen, Leiter der Abteilung Stadt-Grün, betont: „Ersatzpflanzungen finden immer möglichst an einem geeigneten Ort in der Nähe statt.“ Erst als allerletzten Weg würde eine Ausgleichszahlung verlangt. Nollen sieht in der Anregung der Klimafreunde „eine konstruktive Anregung zur Baumschutzsatzung.“

So entschieden die Fraktionen im Ausschusses für Anregungen und Beschwerden einstimmig, den Vorschlag einer Leistungsbilanz in die Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt am 23. Mai zu vertagen – wenn die Überarbeitung der Baumschutzsatzung sowieso auf der Tagesordnung steht. „Wir müssen ins Handeln kommen. Alles, was wir nicht tun, fällt unseren Kindern auf die Füße“, sagt Schulze zum Abschluss.


Bürger-Energie

Die Gründung einer Bürgerenergie-Genossenschaft durch die Klimafreunde Rhein-Berg nimmt die nächste Hürde. Gestern wurde mit dem Genossenschaftsverband die Eintragung ins Genossenschaftsregister beantragt.

Voraussetzung ist das Einreichen einer Satzung und eines Business-Plans. Anschließend erfolgt die Prüfung durch das Amtsgericht. Bis dahin führt die „Bürgerenergie Bergisch Gladbach“ die Planung der Projekte fort, damit sie gleich nach der Eintragung umgesetzt werden können. 200 Mitgliedsanträge liegen inzwischen vor.

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