Bergisch GladbachSo könnte die Nutzung der Rhein-Berg-Galerie als Stadthaus aussehen

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Die Rhein-Berg-Passage mit Parkhaus bietet einen trostlosen Anblick. Das Gebäude soll sich architektonisch verändern und mit zwei Holz-Stockwerken erweitert werden.

Bergisch Gladbach – Das sieht nach einem Glücksfall aus für die Eigentümer der Rhein-Berg-Passage: Die Immobilienfondsgesellschaft Quilvest Real Estate würde mit der Stadt einen solventen Mieter für die Ewigkeit gewinnen, wenn Verwaltung und Stadtbibliothek in das Einkaufscenter am S-Bahnhof einziehen würden.

„Sicher ist das aber noch nicht“, bremst Johannes Nendel, als Geschäftsführer von Kintyre Investments für die Projektentwicklung und Vermarktung zuständig, hohe Erwartungen – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Supermarkt im Untergeschoss geplant

Denn der Umbau des leerstehenden grauen Betonklotzes in ein Stadthaus würde einer Radikalkur gleichkommen und wäre mit hohen Investitionen für die Eigentümer verbunden. Die Verhandlungen mit den Banken über die Finanzierung einer solchen großangelegten Aktion müssten erst noch geführt werden, berichtet Nendel.

Die aufgegebene Stadthaus-Version. Mit Kosten von über 100 Millionen Euro rechnete die Stadt zuletzt.

Fest steht für den Projektmanager aber eins: An dem Plan, im Untergeschoss einen Mix aus Einzelhandel und Dienstleistung anzusiedeln, will Kintyre festhalten. „Ins Untergeschoss wird wieder ein Supermarkt einziehen. Wir haben mehrere Interessenten.“ Das Parkhaus bleibe ebenfalls bestehen, „das brauchen wir ja für den Kundenverkehr“, betont Nendel.

Architekt habe Statik schon überprüft

Grundsätzlich bewertet er die Projektidee positiv: „Für unseren Standort wäre es toll und gleichzeitig könnte die Stadt ein Riesenproblem lösen. Vielleicht klappt es ja, und wir kommen zusammen.“ Seit Februar 2021 ist der Immobilieninvestor Kintyre mit Sitz in Frankfurt verantwortlich für das Center-Management der Rhein-Berg-Passage und daran interessiert, die leerstehenden Gebäudeflächen zu vermieten.

Laut Auskunft der Bergisch Gladbacher Stadtverwaltung hat ein Architekt die Umgestaltung und Vergrößerung des Gebäudes bereits statiktechnisch geprüft. In einem zweistöckigen Aufbau in Holzbauweise sollen die Arbeitsplätze untergebracht werden, die bisher in einen eigenen Neubau am Bahnhof einziehen sollten. Dieses Projekt hatte der Hauptausschuss im März in nichtöffentlicher Sitzung gestoppt. Politik und Verwaltung fürchteten, dass die Baukosten ins Uferlose steigen könnten.

Vor-Corona-Plan: 450 Mitarbeitende ins Stadthaus

Manches aus den März-Beschlüssen der Politik ist noch offen: Die Entscheidung, eine politische Steuerungsgruppe und ein weiteres Fachgremium mit Experten einzusetzen, habe sich zunächst auf einen Neubau von Stadthaus und Stadtbibliothek bezogen, erklärt am Freitag Stadtsprecherin Marion Linnenbrink. Diese Fachgremien habe die Stadt weiter auf dem Schirm. Allerdings stehe die Verwaltung erst ganz am Anfang der Planungen, und mit Anmietung statt Neubau habe sich der Inhalt der Aufgaben deutlich verändert.

Wie viele Mitarbeitende am Ende in ein neues Stadthaus einziehen, sei aktuell offen, betont die Stadtsprecherin. Die bisherigen Pläne, noch vor der Corona-Pandemie entstanden, sahen 450 Kollegen vor. Die Rahmenbedingungen seien nun andere, betont die Sprecherin, intern seien diverse Prüfungen zu den „Neuen Arbeitswelten“ im Gange.

Polizeiwache und GL-Shop für Touristen im Gespräch

Dieser Veränderungsprozess werde voraussichtlich über mehrere Jahre laufen und sei mit den Veränderungen bei den Stadthäusern zu sehen. Genügend groß würde die Rhein-Berg-Passage sein mit den beiden neuen Stockwerken, die aufs bestehende Parkdeck aufgesetzt werden könnten.

Zanders keine Option

Einen funktionalen Neubau auf dem Gelände der Papierfabrik Zanders wird es definitiv nicht geben. „Der Funktionalbau ist angeprüft und verworfen worden“, berichtet Stadtsprecherin Marion Linnenbrink. Die jüngsten Zanders-Entwicklungen könnten dabei mit eine Rolle gespielt haben: Ende April stoppte die Produktion, die Stadt übernahm das gesamte Gelände.

Eine Bürger-Planung soll kommen, die Stadt will frei über die Gestaltung sprechen. Dabei nutzt die Verwaltung Zanders bereits: Im Zanders-Office sitzen seit geraumer Zeit Mitarbeiter der Verwaltung, die nun auch ins Projekt Rhein-Berg-Passage eingebunden werden könnten. Die Office-Flächen sollen untervermietet werden. (cbt)

Falls die Pläne an der Rhein-Berg-Passage konkreter werden, käme auch der geplante Einzug der Polizeiwache erneut auf die Agenda. Ebenso sahen die im März gestoppten Pläne vor, eine Art GL-Shop mit Tourist-Information einzurichten, und auch der Eine-Welt-Laden sollte aus der Stadtbücherei mit umziehen.

Rat soll am 5. Oktober entscheiden

Ob und wie diese Teilprojekte realisiert werden könnten, müssen Stadt und Investoren nun mit den Akteuren abstimmen. In das bestehende, derzeit fensterlose erste Obergeschoss soll die Stadtbücherei einziehen. Damit verbindet sich die Hoffnung, die Einrichtung könne von einer hohen Publikumsfrequenz bei den im Haus untergebrachten Nahversorgern und Verwaltungsabteilungen profitieren.

Als Bürgermeister Frank Stein dem Ältestenrat die Idee vorstellte, haben die Spitzen aller im Stadtrat vertretenden Fraktionen der Stadtverwaltung ihr Okay gegeben, das Projekt weiterzuverfolgen. Im Ausschuss zum Stadthaus-Neubau am 16. September sollen die politischen Beschlüsse vorberaten werden, der Rat am 5. Oktober entscheiden.

Miethöhe muss noch verhandelt werden

Dabei wird es am Ende wohl auf die Kosten ankommen. Konkrete Zahlen für die Mietlösung liegen noch nicht auf dem Tisch. Die Kostenschätzungen für einen Neubau liegen bei rund 80 Millionen Euro. Dabei könnte aber laut Verwaltung die Entwicklung der Baupreise zu weiteren Kostensteigerungen führen. Der Vorteil eines langfristigen Mietvertrags liege darin, dass sich eine über die Laufzeit konkret bezifferbare Belastung des städtischen Haushalts ergebe.

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Die Miethöhe muss aber noch verhandelt werden. Vorab kommt die Verwaltung trotzdem zu dem Ergebnis: Die Anmietung der Rhein-Berg-Passage sei einem Neubau in Eigenregie vorzuziehen. Auch weil ein Zeitgewinn zu erwarten sei: Im Vergleich zu einem Neubauvorhaben rechnet die Stadt damit, dass die Rhein-Berg-Passage drei bis vier Jahre früher einzugsbereit sein könnte.

Was nun auch unmittelbar geschehen soll, sind Verkaufsgespräche zu den (sofern die RB-Passage gelingt) nicht mehr benötigten Grundstücken am S- und Busbahnhof – konkret geht es um die Industriebahngleise, die zuletzt von der Firma Zanders genutzt wurden und nun vor sich hin rosten. Der Stadthaus-Ausschuss soll darüber beraten. Ein Verkauf werde unmittelbar nach Abschluss der Verträge zur Rhein-Berg-Passage angestrebt. Ein Interessent aus dem öffentlichen Bereich wolle an dieser Stelle ein Bürogebäude errichten.

Bleiben zwei weitere Grundstücksfragen: die zu den alten Stadthäusern „Konrad-Adenauer-Platz“ und „An der Gohrsmühle“. Auch hierfür soll der Stadtrat ein Mandat geben. Eine „städtebauliche Konzeption“ soll es für die Grundstücke der dann ehemaligen Stadthäuser geben. Hier taucht wieder der Name der Firma Zanders auf: Der Brückenschlag zum Umgestaltungsprojekt der Papierfabrik sei von „herausragender Bedeutung“, sagt Bürgermeister Frank Stein.

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