Außerdem will der Mann die Polizei angelogen haben, um Druck aufzubauen. Denn diese „wollte die Sache zuerst gar nicht aufnehmen“.
Raubüberfall im Ex-BordellZeuge verpfeift Mitbewohner, der 80-jährige Gladbacherin ausgeraubt hat

Gladbacher Raubüberfall auf eine 80-Jährige vor Gericht: Verteidigerin Anne Kieven (l.) mit dem 50-jährigen Angeklagten und Verteidiger Jos-Henrik mit dem 38-jährigen Angeklagten (r.).
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Im Prozess um einen Raubüberfall auf eine damals 80 Jahre alte Betreiberin eines Privatbordells in Bergisch Gladbach hat am Donnerstag jener Mann ausgesagt, der die Polizei auf die Spur einer der beiden Täter (50 und 38) gebracht hatte. Der 66-Jährige hatte sich bis Februar mehrere Monate mit dem 50-Jährigen ein Zimmer in einem Wohnungslosen-Hotel in der Kölner Südstadt geteilt, wie er vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht berichtete. Auf dem gemeinsamen Zimmer hatte der 50-Jährige dem Zeugen kurz nach der Tat von dem Überfall auf eine Frau erzählt — ohne ein Alter zu nennen — und ihm das Foto einer erbeuteten Rolex sowie ebenfalls erbeutetes Tafelsilber gezeigt. „Ich nehme an, es ging darum einen Käufer zu finden“, sagte der 66-Jährige im Zeugenstand vor der 2. Großen Strafkammer.
Anschließend habe er im Internet recherchiert und im „Polizeiticker“ eine Meldung über den Überfall gelesen. Dort habe er auch gelesen, dass das Opfer eine „80 Jahre alte Dame“ war. „Das gefiel mir nicht so gut. Das ist eine ganz üble Geschichte mit der alten Dame“, sagte er und beschrieb, wie ihn der Gedanke an den Raubüberfall nicht losgelassen habe — „auch nachts nicht.“
Die Polizei wollte die Sache zuerst gar nicht aufnehmen
Er habe dann eine Bedienstete in dem Hotel ins Vertrauen gezogen und ihr von dem Fall erzählt. Nach langem Reden sei man übereingekommen, dass es besser wäre, zur Polizei zu gehen: „Denn, wenn er was gemacht hat, dann besteht ja auch Gefahr im Hotel“, fand der 66-Jährige. „Ich habe mich schon schwer damit getan“, ergänzte der Zeuge, der selbst schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten war und Lebenszeit hinter Gittern abgesessen hat. Auf die Nachfrage des Vorsitzenden, dass er sich doch an die Polizei gewendet habe, weil er einen weiteren Coup des Angeklagten befürchtet habe, räumte der Zeuge ein, da geflunkert zu haben: „Die Polizei wollte die Sache zuerst gar nicht aufnehmen“, beteuerte der Zeuge.
Es habe an dem Abend Internetprobleme gegeben und die Polizei habe nicht kommunizieren können. „Da hab’ ich gedacht, ich fasse es nicht.“ Dann habe er geflunkert, dass sein Zimmergenosse eine neue Straftat in Planung habe: „Ich wollte da ein bisschen Druck aufbauen.“
Sowohl der 50-Jährige als auch der 38-Jährige haben die Tat gestanden
Anschließend sei er dann nach Kalk aufs Präsidium gefahren worden, wo man seine Anzeige aufgenommen habe. Tags drauf habe in seinem und dem Zimmer des 50-Jährigen eine Durchsuchung stattgefunden, bei der die Polizei auch einen Teil des geraubten Silberbestecks gefunden habe. Als der 50-Jährige dann wenig später von der Polizei in Handschellen abgeführt worden sei, habe dieser ihm noch zugerufen: „Besorg mal einen Anwalt.“
Angeklagte haben Tat gestandenDen beiden Angeklagten wird in dem Prozess besonders schwerer Raub und Brandstiftung zur Last gelegt. Neben diversen wertvollen Uhren und Handtaschen von Luxusmarken sowie Tafelsilber und ein silbernes Kaffeeservice, nahmen die Räuber auch ein Mercedes-Benz Cabriolet mit, das sie aber wenige Tage später in einem Wald in Brand steckten. Sowohl der 50-Jährige als auch der 38-Jährige haben die Tat gestanden. Der Prozess wird fortgesetzt.
