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Wir in Bergisch GladbachVier Tage Ferien, die nicht selbstverständlich sind

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Eine Gruppe von Kindern und Betreuern steht und sitzt auf einer Treppe und jubelt.

Viel erleben in vier Tagen: Bei der Ferienfreizeit von „Wir für Bergisch Gladbach“ im Westerwald gab es viel zu erleben.

Dank des Vereins „Wir für Bergisch Gladbach“ erleben 32 Kinder Ferienabenteuer im Westerwald, trotz finanzieller Einschränkungen.

Morgengymnastik, Fußball und Tischtennis, eine Nachtwanderung durch den Wald, Schwimmen in der Talsperre und abends Stockbrot am Lagerfeuer: Es klingt nach ganz normalen Sommerferien. Und genau das ist vielleicht das Besondere daran. Denn für manche der 32 Kinder, die jetzt vier Tage im Westerwald verbracht haben, ist ein solcher Urlaub alles andere als selbstverständlich.

Kinder backen Stockbrot an einem Lagerfeuer.

Auch ein Lagerfeuer, an dem man Stockbrot machen konnte, gehörte zum Erlebnisprogramm.

Wenn nach den Sommerferien in der Schule die Frage fällt: „Und, wo wart ihr im Urlaub?“, haben Millionen Kinder und Erwachsene in Deutschland darauf keine Antwort. Nicht, weil sie lieber zu Hause geblieben sind. Sondern weil das Geld zum Verreisen fehlt.

Kinderaugen zum Leuchten bringen, was gibt es Schöneres?
Ferdinand Linzenich, Vorsitzender des Vereins „Wir für Bergisch Gladbach“

Einigen dieser Kinder zumindest ein paar besondere Ferientage zu ermöglichen, dafür engagieren sich seit Jahren Ehrenamtler des Vereins „Wir für Bergisch Gladbach“. Zum zehnten Mal organisierten die Aktiven um den Gladbacher Kabarettisten und Unternehmer Ferdinand Linzenich nun eine Ferienfreizeit für Kinder, die sonst kaum die Möglichkeit hätten zu verreisen. Ein Engagement, das auch den Ehrenamtlern viel gibt. „Es ist jedes Mal wieder ein ganz besonderes Erlebnis, mit den Kindern unterwegs zu sein, etwas zu erleben“, sagt Initiator und Motor Ferdinand Linzenich, der das Projekt seit zehn Jahren auch mit seiner Unternehmensgruppe finanziert – und ebenso wie seine Tochter Christina selbst mitfährt.

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Wie groß der Bedarf für solche Angebote ist, zeigen aktuelle Zahlen: 17,3 Millionen Menschen in Deutschland konnten sich laut Statistischem Bundesamt zuletzt nach eigener Einschätzung keine einwöchige Urlaubsreise leisten – gut jeder Fünfte. Besonders hart trifft es Menschen mit geringem Einkommen: Wer über höchstens 1600 Euro netto im Monat verfügt, kann in rund der Hälfte der Fälle eine solche Reise nicht bezahlen.

Jeder Fünfte in Deutschland kann sich keine Woche Urlaub im Jahr leisten

In Nordrhein-Westfalen sieht es sogar noch etwas schlechter aus. Hier konnten 2025 rund 23 Prozent der Menschen keine Woche Urlaub finanzieren. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder: Bei ihnen waren es in NRW fast 47 Prozent.

Hinter solchen Zahlen stehen Familien – und Kinder, für die sechs Wochen Sommerferien eben nicht automatisch bedeuten, auch einmal herauszukommen. 32 von ihnen verbrachten jetzt mit „Wir für Bergisch Gladbach“ vier Tage im Bundeszentrum der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in Westernohe im Westerwald.

Ferdinand Linzenich sitzt mit einem Kind im Bus.

Echt cool: Kabarettist und Unternehmer Ferdinand Linzenich (l.) fuhr selbst als Betreuer mit auf die Ferienfreizeit.

Dabei geht es nicht allein um Kinder aus Familien, in denen das Geld für Urlaub fehlt. Mitgefahren sind auch Kinder aus irakischen, ukrainischen und afrikanischen Flüchtlingsfamilien sowie Mädchen und Jungen, die durch Todesfälle in ihrer Familie belastet oder traumatisiert sind.

Vor diesem Hintergrund bekommen vier Tage im Westerwald einen besonderen Stellenwert. Es geht nicht um eine möglichst spektakuläre Reise. Es geht darum, Kindern etwas zu ermöglichen, was für viele Gleichaltrige selbstverständlich zum Sommer gehört: morgens einmal nicht im eigenen Bett aufzuwachen, mit anderen Kindern unterwegs zu sein, gemeinsam Neues auszuprobieren – und anschließend mit eigenen Feriengeschichten nach Hause zu kommen.

Linzenich-Gruppe finanziert besondere Ferienfreizeit, Chefs und Mitarbeitende helfen

Finanziert wird das Camp von der Linzenich-Gruppe. Deren Inhaber und Vereinsvorsitzender Ferdinand Linzenich beschränkt sich dabei nicht auf die Rolle des Sponsors. Gemeinsam mit seiner Tochter Christina, seinem Bruder Marc und drei Mitarbeitern seines Unternehmens betreute er die Kinder. Die Mitarbeiter wurden für die Freizeit eigens von der Arbeit freigestellt.

Das Programm zeigt zugleich, dass besondere Ferienerlebnisse keine großen Attraktionen und weiten Reisen brauchen. Die Kinder spielten Fußball und Tischtennis, gingen an einer Talsperre schwimmen und machten eine Nachtwanderung. Unterstützt von zwei Pfadfinderinnen bauten sie Riesenmurmelbahnen im Wald, schnitzten Äste fürs Stockbrot und sausten auf einer aus Zeltplanen gebauten Schmierseifenrutschbahn. Am Abend saß die Gruppe am Lagerfeuer, sang gemeinsam und grillte Würstchen, Stockbrot und Marshmallows.

Christina Linzenich macht ein Selfie von sich und einer Gruppe von Kindern und Betreuer Robin.

Auch Christina Linzenich (r.) fuhr als Betreuerin mit auf ie besondere Ferienfreizeit von „Wir in Bergisch Gladbach“.

Es sind vergleichsweise einfache Dinge. Aber vielleicht liegt gerade darin der Kern des Projekts. Wer später von der Nachtwanderung, vom Lagerfeuer oder von der Rutschpartie erzählen kann, hat etwas erlebt, das sich nicht danach sortieren lässt, aus welchem Elternhaus jemand kommt oder wie groß das Urlaubsbudget der Familie ist. Für Linzenich ist genau das seit Jahren Motivation, das Camp zu organisieren. „Kinderaugen zum Leuchten bringen, was gibt es Schöneres“, sagt er.

An den finanziellen Verhältnissen von Millionen Familien ändert eine solche Ferienfreizeit nichts. Für 32 Kinder aus Bergisch Gladbach macht sie trotzdem einen Unterschied. Wenn nach den Sommerferien die Frage kommt, was sie erlebt haben, haben sie diesmal ihre eigenen Geschichten zu erzählen.