Notruf von Zanders-Areal: Für die Großübung von Feuerwehr und THW wurde ein Industriebau am Wochenende zur Fischstäbchenfabrik.
Mit BildergalerieGasalarm, Waldbrand und ein blutiger Sturz in Bergisch Gladbach

Beim Sturz von einer Stange durchbohrt wurde der Dummy, den es hier zu retten gilt.
Copyright: Guido Wagner
Am Forsthaus Steinhaus brennt der Wald, an der Britanniahütte ist ein Auto gegen eine Hauswand gefahren und in einer Halle in Gronau ein Mann so unglücklich von einem Gerüst gestürzt, dass er von einer Metallstange aufgespießt wurde – und dann kommt auch noch ein Mayday-Hilferuf von einem Feuerwehrtrupp rein, der sich gerade in einem brennenden Haus befindet und selbst Hilfe braucht. An allen Ecken und Enden des Stadtgebiets „brennt“ es für die Feuerwehr an diesem Tag. Sämtliche Einheiten sind im Einsatz. Dazu auch noch das Technische Hilfswerk.
In der Feuerwehr-Einsatzleitstelle auf der Feuer- und Rettungswache Nord an der Paffrather Straße läuft's trotzdem routiniert – und ruhig. Das Gros der Einsätze an diesem Morgen sind Übungseinsätze, aber keineswegs alle, wie sich bald zeigen wird.
Das war eine grandiose Teamleistung. Wir werden es wieder machen.
Während Einsatzleiter Marten Sperber mit seinem zur Übung einberufenen Stab die Lage und die aktuellen Einsätze im Blick hat und mit dem „Gesamtarchitekten“ der Übung, Benjamin Severin-von Polheim, stets auch die immer drückender werdende Hitze im Blick hält, werden im Nebenraum die einzelnen Einheiten per Funk und digitaler Nachricht auf die Tablets in den einzelnen Einsatzfahrzeugen zu den Übungseinsatzstellen geschickt.
Dazu nutzt die Feuerwehr an diesem Tag mit einem eigenen Meldekopf das Leitstellensystem der Feuer- und Rettungsleitstelle des Kreises. „Die gibt uns auch reale Einsätze hier rein“, sagt Stephan Mertz und deutet auf die Bildschirme vor sich, während das Telefon schellt „Zur Sicherheit ruft die Leitstelle dann aber auch noch einmal an“, sagt Mertz und lächelt. Zwischen den Übungseinsätzen von der Rettung einer Person aus dem Wald beim Dirtparcours an der Reuterstraße bis zur „Person in Notlage“ auf einem Dach, geht ein echter Notfall ein: In einem Gewerbegebiet stecken fünf Personen in einem Aufzug fest. Umgehend schicken die Disponenten eine der beiden Einheiten, die während der gesamten Übung wechselnd den Grundschutz im Stadtgebiet für reale Einsätze sicherstellen. Rasch wird den Menschen im Aufzug vom Löschzug Paffrath/Hand geholfen.
Eine Person mit Pfählungsverletzung muss beim THW aus luftiger Höhe und mit Trennschleifer gerettet werden
Vize-Wehrleiter Frank Haag steuert derweil bei der Presserundtour die Zentrale des THW an. Aus dem T-Shirt der Übungspuppe, die dort nach dem verheerenden Sturz vom Gerüst auf einer Metallstange aufgespießt ist, quillt Blut. Nicht viel, obwohl die Stange mitten durch den Körper geht. „Die Überlebenschancen sind gar nicht so schlecht, wenn das Metall nicht herausgezogen, sondern abgeschnitten und die Person von dort oben vorsichtig heruntergeholt wird“, erklärt THW-Zugführer Christoph Eyberg und setzt hinzu: „Der Rettungshubschrauber ist auf dem Anflug.“ Das Team der Feuerwehreinheit Herkenrath, das den Übungseinsatz gerade zu lösen hat, entscheidet sich dafür, zum Verletzten hinaufzuklettern, ihn mit einer Rettungsschlinge zu sichern, die Stange mit einem Trennschleifer abzutrennen und den lebensgefährlich Verletzten dann herunterzubringen. Es gelingt. Im Ernstfall hätte der Patient wohl überlebt.

Behutsame Rettung: Ein Arbeiter ist nach einem Sturz von Gerüst auf eine Eisenstange gefallen, die seinen Korpus durchbohrt hat.
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Das THW hat nicht nur zum wiederholten Mal eine Station zur Feuerwehrübung beigesteuert, sondern auch ein eigenes Team auf den Parcours durchs Stadtgebiet entsendet. Im Königsforst treffen die THW-ler auf eine für sie nicht alltägliche Herausforderung: Feuer. Doch mit Wasserrucksäcken und Patschen haben sie den kleinen Vegetationsbrand, den Hans Jörg Fernkorn mit einer Nebelmaschine inszeniert, im Nu gelöscht.
Gasalarm in der „Fischstäbchenfabrik“ auf dem ehemaligen Zanders-Gelände
Aber was ist das? Gasalarm auf dem Zanders-Gelände. „Wir befinden uns hier in einer Fischstäbchenfabrik“, eröffnet Fabian Koch vom Löschzug Stadtmitte den eintreffenden Einsatzkräften vom B1-Ausbildungskurs der Gladbacher Feuerwehrschule das Übungsszenario. Mit speziellen Gasmessgeräten und Diagnoseröhrchen gilt es herauszufinden, welches Gas aus der Kühlanlage der neuen (Übungs-)Fabrik ausgetreten ist. Die angehenden Berufsfeuerwehrleute finden das Ergebnis schnell: Sie haben es hier mit Ammoniak zu tun.

Modellbauer: Stadtratsmitglied Andreas Ebert schenkte der Feuerwehr selbst erstellte Modelle unterschiedlicher Dachstühle.
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Ein paar hundert Meter weiter realisiert das Team vom Löschzug Bensberg schnell, dass die nicht mehr atmende Person hinter dem Steuer des Autos, das an der Britanniahütte gegen eine Hauswand gefahren ist, schnellstmöglich aus dem Wrack geholt und reanimiert werden muss. Stationsleiter Dominik Möller sieht auf seinem Tablett, wie erfolgreich die Reanimation des Dummys ist.
Bei der Station der Unterstützungseinheit kommt es auf Kooperation, Geschicklichkeit und Teambuilding an
Auf Kooperation, Geschicklichkeit und Teambuilding kommt es hinterm Kreishaus Heidkamp an. Dort wartet die Unterstützungseinheit der Feuerwehr mit kniffligen Aufgaben. Unter anderem gilt es, 20 Getränkekisten horizontal mit fünf Personen zu „stapeln“. Gar nicht so einfach, macht aber auch noch Spaß, wie viele Gruppen an diesem Tag neben der wertvollen Übung auch bei anderen Szenarien im Stadtgebiet feststellen.
„Ich bin stolz auf unsere Mannschaft“, sagt Feuerwehrchef Jörg Köhler am Abend bei der Siegerehrung, für die das THW seine Zentrale zur Verfügung gestellt hat. „Die heutige Jahresübung hat eindrucksvoll gezeigt, wie leistungsfähig und motiviert unsere Einsatzkräfte sind“, so Köhler, der sich auch über das Interesse zahlreicher Politikerinnen und Politiker freute, denen er die einzelnen Stationen der Übung vor Ort gezeigt hatte.
Die Sieger der Großübung
Den Wanderpokal für die beste Gesamtleistung bei der Jahresübung der Feuerwehr Bergisch Gladbach sicherte sich in diesem Jahr die Staffel der Wachabteilung 2 der Feuer- und Rettungswache Süd in Bensberg.

Die Sieger mit Feuerwehrchef Köhler (l.) und seinen Stellvertretern Frank Haag und Benjamin Severin-von Polheim (v.r.).
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Den zweiten Platz belegte die Wachabteilung 2 der Feuer- und Rettungswache an der Paffrather Straße. Platz 3 ging an das THW-Team. Die folgenden Plätze belegten die Einheiten: 4. Bensberg, 5. Schildgen, 6. Paffrath/Hand, 7. Ausbildungslehrgang B1 der Feuerwehr- und Rettungsdienstschule, 8. Refrath, 9. Herkenrath, 10. Stadtmitte. (wg)
