50 Menschen nehmen am Protest auf dem Bergisch Gladbacher Trotzenburgplatz teil – Immer wieder Erinnerung an die vielen Toten.
Für Proteste im IranMahnwache als Trauer- und Hoffnungsort in Bergisch Gladbach

Nur symbolisch zum Schweigen gebracht: die Intiatorin der Mahnwache in Bergisch Gladbach, Hale Bagherzadeh.
Copyright: Anton Luhr
Auch die Kreisstadt war am Samstag (17.1.) Teil einer weltweiten Bewegung. An diesem Tag fanden in zahlreichen Ländern Proteste und Mahnwachen für die Menschen im Iran statt. Überall wollten Initiatoren und Beteiligte ein Zeichen setzen.
Man darf nicht wegsehen!
Standen auf dem Trotzenburgplatz zu Beginn nur wenige Menschen, blieben mit der Zeit immer mehr Passantinnen und Passanten stehen. Manche kamen auch gezielt, andere zuerst nur aus Neugier, um sich dann aus Anteilnahme dem Protest anzuschließen. Bis sich schließlich rund 50 Menschen auf dem Platz versammelt hatten.
Unter ihnen Hale Bagherzadeh, die die Mahnwache allein organisiert und angemeldet hatte. Für Bagherzadeh war die Anteilnahme nach eigenem Bekunden bewegend, auch wenn sie sich insgeheim noch mehr Beteiligte erhofft habe. Viele, so erklärte sie, seien bereits bei der großen Demonstration in Köln – dorthin wolle sie später selbst noch weiterziehen. „Man darf nicht wegsehen“, sagt sie.
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Bagherzadeh floh vor 15 Jahren aus Teheran, weil sie sich dort für Menschenrechte einsetzte. Auch in Deutschland möchte Bagherzadeh weiter kämpfen, für Freiheit und für die Menschen im Iran. Während der Mahnwache sprach Bagherzadeh selbst jedoch kein Wort – gemeinsam mit einigen anderen Protestierenden hatte sie sich schwarzes Klebeband über den Mund geklebt.
Frau – Leben – Freiheit
Bagherzadeh nutzt Schweigen als Protestform, denn manchmal sagt Schweigen mehr als Worte, erklärt sie. Sie selbst und andere Teilnehmende trugen Plakate in ihren Händen: „Freiheit für Iran“ und „Frau – Leben – Freiheit“. Der Slogan der iranischen Protestbewegung, auf Kurdisch „Jin, Jiyan, Azadî“, zog sich durch die gesamte Veranstaltung und sollte insbesondere auf die Frauen verweisen, die im Iran unterdrückt werden.
Zwischen den Redebeiträgen erklangen Lieder iranischen Ursprungs, teils begleitet von rhythmischem Stampfen. Die Mahnwache, zugleich Trauerort und Hoffnungsraum. Immer wieder wurde an die vielen Toten erinnert – an Töchter, Söhne, Freundinnen und Freunde, die im Iran ihr Leben verloren haben. Doch, so betonten die Protestierenden, diese Trauer soll nicht still bleiben, sondern wütend und laut. Sie fordere dazu auf, nicht zu schweigen, Solidarität zu zeigen und den Protest sichtbar zu machen, auch fernab des Landes selbst.
Unter den Rednern waren auch Joshua Vossebrecker, Abgeordneter der Grünen, und Corvin Kochan, stellvertretender Bürgermeister von Bergisch Gladbach (SPD). Kochan sprach von der großen Ungewissheit vieler hier lebender Iranerinnen und Iraner und rief zu Solidarität und Hoffnung auf. Den emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung bildete ein Gedicht von Bagherzadeh, das ihr Ehemann Tomas Santillán für sie vortrug. Darin schildert Bagherzadeh ihre persönlichen Erfahrungen: die Angst der Menschen im Iran, die Sorge einer Mutter um ihre Kinder und die Trauer um ihr Land und ihre Herkunft. Die laut vorgetragenen Zeilen bewegten nicht nur die Autorin selbst, auch viele der Anwesenden waren sichtlich bewegt.

