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„Nacht der Technik“ in Bergisch GladbachLeistungsschau der heimischen Unternehmen

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Mit dem Roboter kleine Gummiringe bewegen: Eine Übung im Evangelischen Krankenhaus  zeigt, wie heute operiert wird.

  • Die Nacht der Technik in Bergisch Gladbach führt die Besucher auf die Spuren der Higgs-Teilchen.
  • An Süßigkeiten wurde zudem die Chirurgie erklärt.
  • Die Besucher konnten sich ein umfangreiches Bild vom neuesten Stand der Technik machen.

Bergisch Gladbach – Viele, auch weniger technikbegeisterte Menschen, dürften sich an die Sensation erinnern, als 2012 im Forschungszentrum Cern das Higgs-Boson, auch Higgs-Teilchen oder Gottesteilchen genannt, in einem gigantischen Teilchenbeschleuniger mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden konnte.

Bei der siebten „Nacht der Technik“ konnten die Besucher bei der Firma „Research Instruments“ (RI) den vielleicht höchsten Stand der aktuellen Technik der Menschheit hautnah erleben. Dabei ging es, in der warmen Nacht sehr angenehm, in Räume, die immer kühler werden. So brauchen zum Beispiel die Teilchenbeschleuniger ganz genau 20 Grad.

Wie hat es nur eine Firma aus Bergisch Gladbach zum Cern geschafft?

Nun, der riesige Teilchenbeschleuniger besteht tatsächlich aus einer Kette von ganz vielen hintereinander geschalteten Teilchenbeschleunigern und von diesen wurde ein Teil tatsächlich im Bensberger Technologiepark von RI gebaut. Im Physik-Geschäft dürfte das der absolute Hochadel sein, denn das Cern ist das größte Forschungszentrum der Welt.

Die Bensberger benutzen die Teilchenbeschleuniger aber nicht nur zur Forschung. Sie haben gemeinsam mit anderen Instituten einen Teilchenbeschleuniger entwickelt und vermarktet, der Krebspatienten helfen soll. Wenn die Strahlentherapie mit Photonen (Licht) versagt, kann die Strahlentherapie mit Protonen (Teilchen) helfen. Es könne präziser gearbeitet werden, sagt RI-Geschäftsführer und Physiker Dr. Michael Peiniger. „Das Geschäft ist für uns zu groß geworden, so dass wir keine andere Chance hatten, wir mussten verkaufen.“

Bei „Astro Strobel“ ist der Name Programm

Aber die Firma Research Instruments war ja nur eine mögliche Station bei der „Nacht der Technik“. Stolze 70 Jahre Tradition konnte die Firma „Astro Strobel“ vorweisen. Der Name ist nicht nur Programm, sondern setzt sich auch aus Vor- und Nachnamen von Gründer Adolf Strobel zusammen.

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Inzwischen führt Enkel Herbert Strobel das Unternehmen, welches sich auf Satelliten, Kabel-, Empfangs- und Verteiltechnik spezialisiert hat. Die Besucher wurden mitgenommen auf eine Reise, beginnend am virtuellen Reißbrett und endend in der Fertigung. Um für Kundenwünsche und den Weltmarkt in Form und Gestaltung flexibel zu sein, fertigt die Firma sogar die Gehäuse selbst. Wie sehr sich die Technik geändert hat, wurde an Antennensteckdosen aus den 50er Jahren demonstriert.

Operationen an Süßigkeiten im Evangelischen Krankenhaus

Selbst nach 23 Uhr gab es noch reges Interesse bei den Techniknacht-Teilnehmern. So wurde zum Beispiel im Evangelischen Krankenhaus mit Geräten aus verschiedenen Jahrzehnten operiert. Und das auch noch von den Besuchern. Glücklicherweise wurden dabei nur winzig kleine Gummiringe über Hütchen gestülpt und Süßigkeiten zerlegt. Dr. Andreas Hecker erklärte ganz praktisch den großen Fortschritt in der Chirurgie durch die Technik.

Wo früher ein stark belastender großer Bauchschnitt nötig war, reichen nun kleine Instrumente. Dabei kommt es auf zwei Bereiche ganz besonders an: Der Operateur muss genau sehen können und der Operateur muss präzise arbeiten können, bei beidem hilft der Roboter, der allerdings auch stolze 1,5 Millionen Euro gekostet hat.

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