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Schnelles Bergisch GladbachSeit 2006 düst Gladbach durchs Land

Vor 20 Jahren wurde in Köln ein ICE auf den Namen der Kreisstadt getauft – dank Wolfgang Bosbach, der vier Jahre bei der Bahn warb.

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Gaben nach der Taufe das Startsignal: Reiner Latsch (DB), MdB Wolfgang Bosbach und BM Klaus Orth (v.l.) .

Bergisch Gladbach ist schnell. Ziemlich schnell sogar. Seit 20 Jahren rast die Stadt mit bis zu 330 Stundenkilometern über deutsche Schienen – auch wenn der ICE, der ihren Namen trägt, seine Namensgeberin selbst nicht erreicht. Denn einen ICE-Bahnhof hat Bergisch Gladbach bekanntlich nicht. Getauft wurde der Hochgeschwindigkeitszug deshalb am 2. November 2006 im Kölner Hauptbahnhof. Anlass war der 150. Geburtstag der Stadt.

ICE mit Musik empfangen

Um 10.12 Uhr rollte der ICE damals auf Gleis 5 A ein. Rund eine „Waggonladung“ Bergisch Gladbacher war eigens mit der S-Bahn nach Köln gefahren. Fahnen der Kreisstadt flatterten unter dem Bahnhofsdach, die „Max Brassers“ der städtischen Max-Bruch-Musikschule spielten auf. Bürgermeister Klaus Orth, Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach und Reiner Latsch, NRW-Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, warteten auf das neue Patenkind.

Bosbach wirbt jahrelang bei der Bahn

Dass es überhaupt so weit kam, war vor allem Bosbach zu verdanken. Der CDU-Politiker hatte jahrelang bei der Bahn dafür geworben, einen ICE nach seiner Heimatstadt zu benennen. Die Idee war ihm gekommen, nachdem bereits ein Lufthansa-Airbus den Namen Bergisch Gladbach erhalten hatte. Doch bei der Bahn stieß Bosbach zunächst auf wenig Begeisterung. ICE-Züge wurden zwar seit 2002 nach Städten benannt – eigentlich aber nach solchen, in denen sie auch hielten.

Bosbach ließ nicht locker. Rund vier Jahre beschäftigte er die Bahn mit seinem Wunsch. Bei der Taufe scherzte er, Bahnchef Hartmut Mehdorn habe irgendwann wohl entschieden: „Gebt Bosbach den Zug, damit er mir nicht immer wieder schreibt.“ Schließlich machte die Bahn eine Ausnahme.

Taufe mit stillem Wasser statt Sekt

Die Taufe verlief weniger prickelnd, als bei einem solchen Festakt vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Wegen der Oberleitung durfte kein Sekt über den Zug gegossen werden. Stattdessen kam stilles Mineralwasser der „Bergischen Waldquelle“ zum Einsatz. Um 10.42 Uhr hob Orth das Signalstäbchen, der frisch getaufte ICE setzte sich Richtung Frankfurt in Bewegung.

Bergisch Gladbach steckt auch drin

„Auf dem Zug steht nicht nur Bergisch Gladbach drauf. Da ist auch Bergisch Gladbach drin“, betonte Orth damals. Das war durchaus wörtlich gemeint. Die Deuta-Werke an der Paffrather Straße lieferten Elektronik für ICE-Züge der Baureihe 3, darunter Datenrekorder, Anzeigeinstrumente im Führerstand und Displays für den elektronischen Buchfahrplan.

Im Fahrstand des ICE.

Das Zugmodell liegt heute auf dem Speicher

Der damalige Bürgermeister Klaus Orth (SPD) bekam bei der Taufe noch eine kleinere Ausgabe des Patenkindes überreicht: ein ICE-Modell für das Rathaus. Am ersten Arbeitstag seines Nachfolgers Lutz Urbach (CDU) war der Modellzug im Bürgermeisterzimmer ein Highlight für Urbachs Kinder beim Antrittsbesuch im Rathaus. Das Zugmodell ist bis heute im Rathaus – allerdings nicht mehr an prominenter Stelle. Stadtsprecher Sascha Keimer machte sich auf Nachfrage dieser Zeitung auf die Suche. „Das ist mittlerweile auf dem Speicher“, sagt er.

Bürgermeister Kreutz ist noch nie mitgefahren

Und der heutige Bürgermeister? Marcel Kreutz hat den ICE „Bergisch Gladbach“ tatsächlich schon einmal entdeckt – natürlich nicht in Bergisch Gladbach, sondern im Kölner Hauptbahnhof. Mitgefahren ist er bislang allerdings noch nie. „Wird also dringend Zeit“, sagt Kreutz im Gespräch mit dieser Zeitung.

Keine feste Verbindung für den Namenszug

Dabei ist es gar nicht so einfach, gezielt mit „Bergisch Gladbach“ zu fahren. Eine feste Verbindung nur für den nach der Kreisstadt benannten Zug gibt es nicht. 2013 erklärte ein Bahnsprecher dieser Zeitung, der ICE werde vornehmlich auf Nord-Süd-Verbindungen über die Schnellfahrstrecke Rhein/Main eingesetzt. Zwischen 1200 und 1500 Kilometer legte er damals täglich zurück. Wer von Köln Richtung Süddeutschland unterwegs war, hatte also durchaus Chancen, dem rollenden Botschafter der Kreisstadt zu begegnen.

Zuvor schon ein Airbus mit dem Stadtnamen

Im Jahr 2000 war der Lufthansa-Airbus A340-300 auf den Namen der Kreisstadt getauft worden. Patin war die damalige Bürgermeisterin Maria Theresia Opladen.

Eine kuriose Arbeitsteilung

20 Jahre nach der sechs Jahre später erfolgten Zugtaufe bleibt eine kuriose Arbeitsteilung: Während die S-Bahn Bergisch Gladbach mit Köln verbindet, trägt ausgerechnet der schnellste Botschafter den Namen der Stadt durch Deutschland, ohne sie selbst besuchen zu können. Dem heutigen Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) fehlt zu seinem persönlichen ICE-Jubiläum damit eigentlich nur noch eines: die gemeinsame Fahrt in dem schnellen Botschafter der Stadt.