Zwei Familienväter wollen ein Rettungsfahrzeug kaufen und nach Westafrika bringen. Dafür sammeln sie Spenden.
Bergisch GladbachSo soll ein Krankenwagen auf einer Rallye nach Gambia gelangen

Mit dem Krankenwagen von Katterbach nach Gambia: Martin Loy und sein Freund Frank Niemann wollen ein Rettungsfahrzeug kaufen und Tausende Kilometer bis nach Westafrika fahren – dort soll es Kindern helfen, die sonst nur schwer Hilfe erreichen
Copyright: Loy
Noch gehört der Krankenwagen ihnen nicht. Aber Martin Loy aus Katterbach und sein Freund Frank Niemann aus Bielefeld haben das Fahrzeug bereits gefunden, mit dem sie Großes vorhaben. Auf dem Foto sitzen die beiden auf dem Dach des rot-weißen Rettungswagens. Wenn alles klappt, soll genau dieser schon bald Tausende Kilometer zurücklegen – bis nach Gambia. Dafür brauchen die beiden zunächst Unterstützung. Sie sammeln Spenden, um das Fahrzeug zu kaufen, technisch aufzubereiten und schließlich nach Westafrika zu bringen. „Drive for Life – Krankenwagen für Gambia“ haben die beiden Familienväter ihr Projekt genannt, das über den gemeinnützigen Verein Kindergarten Klutstein e.V. läuft, der sich ebenfalls mit einer Spielzeugsammlung in der Kita beteiligen möchte.
Der Name des Projekts „Drive für Life“ (Fahren fürs Leben) ist durchaus wörtlich gemeint: Der Rettungswagen soll nicht auf einem Schiff oder in einem Container nach Afrika gelangen. Loy und Niemann wollen ihn selbst hinfahren – im Rahmen der Rallye Dresden–Dakar–Banjul. Am Ziel wird das Fahrzeug allerdings nicht versteigert, wie dies sonst bei der Charity-Rallye üblich ist. Es soll als Krankenwagen weiterleben und vor allem Kindern zugutekommen, die Schutz, medizinische Versorgung oder eine sichere Fahrt dorthin benötigen, wo ihnen geholfen werden kann.
Es geht nicht nur um Transport. Es geht darum, Hilfe überhaupt erst möglich zu machen
„Es geht nicht nur um Transport“, sagen die Initiatoren. „Es geht darum, Hilfe überhaupt erst möglich zu machen.“ Gedacht ist der Wagen für die Child Welfare Unit in Gambia. Sie kümmert sich um Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen: um Opfer von Gewalt und Missbrauch, um Kinder mit Behinderungen, verlassene Kinder und andere besonders Schutzbedürftige. Gerade in akuten Situationen fehlt es dabei an etwas ganz Elementarem: Mobilität. Diese Lücke wollen Loy und Niemann ein Stück weit schließen. Der Krankenwagen könnte Kinder zu Krankenhäusern oder Schutzstellen bringen und zugleich die Mitarbeiter der Kinder- und Sozialhilfe mobiler machen.
„Unser Projekt ersetzt keine Systeme“, betonen die beiden. „Aber es stärkt vorhandene Hilfe vor Ort ganz praktisch.“ Partner des Projekts ist die Dresden-Banjul-Organisation (DBO), die seit Jahren in Gambia aktiv ist. Sie bringt Kontakte und Erfahrung vor Ort mit und soll die Übergabe an die Child Welfare Unit begleiten. Dass ausgerechnet ein Krankenwagen das Herzstück des Projekts ist, hat mit den schwierigen Bedingungen in dem westafrikanischen Land zu tun. Besonders Kinder am Rand der Gesellschaft haben nach Angaben der Initiatoren teilweise große Schwierigkeiten, medizinische und soziale Hilfe zu erreichen. Kinder mit Behinderungen erleben zudem Ausgrenzung und werden gerade in ländlichen Gebieten mitunter regelrecht versteckt.
Martin Loy brachte schon 2016 ein Notarztfahrzeug nach Tadschikistan
Für Martin Loy ist die Idee, ein Einsatzfahrzeug über Tausende Kilometer dorthin zu bringen, wo es dringend benötigt wird, nicht neu. Bereits 2016 setzte er ein ähnliches Projekt um und brachte ein Notarztfahrzeug nach Tadschikistan, das anschließend an Caritas International gespendet wurde. Auch bei einem Hilfskonvoi in Bergisch Gladbachs ukrainische Partnerstadt Butscha saß er bereits am Steuer.
Die Freundschaft zwischen Loy und Niemann begann ebenfalls unterwegs. Kennengelernt haben sie sich bei einer Rallye nach Tadschikistan. Später waren sie gemeinsam unter anderem in Tunesien und Marokko unterwegs. Aus der gemeinsamen Reiseleidenschaft entstand die Überzeugung, dass sich Abenteuer mit konkreter Hilfe verbinden lässt. Diesmal führt die Route nach Westafrika. Die Dresden–Dakar–Banjul-Rallye ist dabei mehr als eine Abenteuerfahrt. Üblicherweise werden die Fahrzeuge der Teilnehmer nach ihrer Ankunft versteigert, die Erlöse fließen über die DBO in gemeinnützige Projekte in Gambia.
Nach dem Kauf stehen technische Prüfung und Aufbereitung an
Für den Krankenwagen gilt eine Ausnahme: Er soll direkt gespendet werden und als Rettungsfahrzeug erhalten bleiben. Bevor die Fahrt beginnen kann, muss allerdings zunächst der Kauf finanziert werden. Danach stehen technische Prüfung und Aufbereitung an. Auch mögliche Reparaturen, Ersatzteile, Ausstattung und Überführung kosten Geld. Der Bergisch Gladbacher Verein Kindergarten Klutstein e.V., der hinter dem Projekt steht, kann laut Loy auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellen.
Vor Martin Loy, Frank Niemann und ihrem Krankenwagen liegen Tausende Kilometer durch mehrere Länder. Am Ende der Reise soll kein Rallyepokal stehen, sondern ein Rettungswagen, der in Gambia weiterfährt – für Kinder, bei denen schnelle Hilfe mitunter schon daran scheitert, dass sie niemand sicher dorthin bringen kann, wo sie Unterstützung bekommen.
