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Erst krank, dann wegIHK in Leverkusen wieder führungslos

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Nicole Grünewald, Jörg Hausmann, Uwe Vetterlein

Das sollte im März 2024 der Neustart in Opladen sein: IHK-Präsidentin Nicole Grünewald und Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein umrahmen Jörg Hausmann.

Jörg Hausmann hat die Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg auf eigenen Wunsch verlassen. Zuvor war er lange krankgeschrieben.

Seit dem Ruhestand von Eva Babatz vor drei Jahren kommt die Opladener Filiale der Industrie- und Handelskammer zu Köln nicht mehr recht zur Ruhe. Mit dem Jahresbeginn wurde die Niederlassung an der Schusterinsel auch offiziell erneut führungslos. Geschäftsstellenleiter Jörg Hausmann ist nicht mehr da.

Schon seit dem vorigen Frühjahr war Hausmann nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Der Leiter der Opladener Niederlassung der Industrie- und Handelskammer zu Köln war krankgeschrieben. Und während sein Arbeitgeber die lange Abwesenheit im Lauf des vorigen Jahres nicht kommentieren wollte, meldete sich Hausmann nun selbst zu Wort: „Ich habe einen neuen Job und arbeite jetzt als Sachbearbeiter Kredit bei Volksbank im Bergischen Land eG.“ So steht es in Hausmanns Profil auf dem Netzwerk Linked-In.

Daraufhin äußerte sich die IHK so: „Jörg Hausmann hat die IHK Köln zum Jahresende auf eigenen Wunsch verlassen. Die Stelle wird zeitnah neu besetzt“, sagte Sprecher Jörg Löbker auf Anfrage. 

Zurück zu einer Bank

Mit seinem Engagement bei der Remscheider Genossenschaftsbank kehrt Hausmann in vertraute berufliche Gefilde zurück. Seine Karriere hatte er als Kreditabwickler zunächst bei der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen begonnen. Anfang 2011 wechselte er in derselben Funktion zur Stadtsparkasse Remscheid; danach beriet Hausmann im Namen der Bank Unternehmen, die finanziellen Sanierungsbedarf hatten.

Bevor er im Februar 2024 zur Industrie- und Handelskammer kam, leitete Hausmann ein halbes Jahr das Team für Intensivbetreuung und Abwicklung bei der Etris-Bank, dem Geldinstitut des Einkaufsbüros Deutscher Eisenhändler in Wuppertal. 

Der Kontakt zur Kölner IHK sei indes durch Hausmanns Ehrenamt entstanden, berichteten er und Präsidentin Nicole Grünewald im März 2024 übereinstimmend: Der Bänker ist seit März 2021 Schatzmeister des Vereins „WiW“, das steht für „Wir in Wermelskirchen Marketing“. Dort sind knapp 300 Unternehmen und Personen überwiegend aus dem Einzelhandel aktiv, kümmern sich zum Beispiel im Veranstaltungen und Feste, die Wermelskirchen prägen. Auch die Azubi-Messe Connect wird von „WiW“ organisiert.

2024 sollte der Neustart gelingen

Als Hausmann im März 2024 von Kölns IHK-Präsidentin Nicole Grünewald und Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein vorgestellt wurde, mussten Wogen geglättet werden. Die Leverkusener Zweigstelle war seit dem Sommer 2023 ohne Leitung gewesen: Babatz-Nachfolgerin Ellen Lindner war nach nur rund einem halben Jahr in die Kölner Zentrale zurückbeordert worden. Im Sommer 2024 kehrte Lindner – sie war zuvor 18 Jahre Expertin für Steuern und öffentliches Haushaltswesen der Kölner Kammer – ihrem Arbeitgeber den Rücken.

Lindners plötzliche Demission hatte in der Unternehmerschaft erhebliche Unruhe ausgelöst. Manche befürchteten gar, die Opladener Filiale, aus der nicht nur die Leverkusener Unternehmen, sondern auch die aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis betreut werden, könnte geschlossen werden. Ein Verdacht, dem Grünewald und Vetterlein im Frühjahr 2024 energisch entgegen traten.  

Dass Veränderungen in Leverkusen stets mit Argwohn betrachtet werden, zeigte sich zuletzt bei der Auflösung des Wirtschaftsgremiums. Nach 43 Jahren wurde der Kreis auf Kölner Geheiß aufgelöst. Begründet wurde das von der IHK Spitze mit Strukturveränderungen.

Die neuerliche Vakanz dürfte erneut kritische Fragen bei Unternehmern in Leverkusen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis aufwerfen. Und das in einer Zeit, in der sich die größte Industrie- und Handelskammer Nordrhein-Westfalens immer weiter isoliert.