Angeregt von Kollegen päppelt Friedrich junge Igel auf und bereitet sie auf die Auswilderung vor - ein Beitrag zum Schutz der bedrohten Art.
Hilfe für IgelWeil Stacheln nicht mehr reichen, hilft Sabine Friedrich aus Voiswinkel

Sabine Friedrich mit dem Neuzugang Joda: sechs Wochen alt und manchmal auf Krawall gebürstet.
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Wenn Joda auf Krawall gebürstet ist, dann zieht man sich besser warm an. Ohne Handschuhe geht dann nichts – und die sollten besser von der stabileren Sorte sein. Obwohl Joda eigentlich noch ein Baby ist, wird er nicht gerne auf den Arm genommen. Dann fährt er seine Stacheln aus und hüpft wie ein wildgewordener Massage-Igel.
Von Massage versteht er zwar nichts, von Igeln aber umso mehr. Schließlich ist er selbst einer – sechs Wochen alt und gerade mit seiner eher friedliebenden kleinen Schwester Amelia bei Sabine Friedrich und ihrer Familie in Voiswinkel eingezogen. Die freut sich über den Neuzugang im heimischen Garten, Teil eines Auswilderungsprojektes, das der Arbeitgeber von Sabine Friedrich in Holweide unterstützt.
Das Team der Kollegen engagiert sich im Tier- und Naturschutz
Der Versicherungskonzern setze schon länger auf Naturschutz und Nachhaltigkeit, erzählt Friedrich, wie sie zu ihren kratzbürstigen Patenkindern gekommen ist. „Das Betriebsgelände ist sehr naturnah“, schildert sie, große Felder und Wald grenzten an, am Teich lebten kanadische Wildgänse. Es gebe eine Blühwiese mit Bienenstöcken „und Kollegen machen auch Honig.“
Nachdem eine Mitarbeiterin vor einiger Zeit auf dem Balkon einen Igel überwintert und von der Not der Igelstationen im Land berichtet hatte, die kaum noch in der Lage seien, sich um die vielen hilfsbedürftigen, untergewichtigen oder kranken Tiere zu kümmern, zog Anton I. auf dem Grundstück in Holweide ein.
„Volker“ brachte überraschend acht Igeljunge zur Welt
Und nicht nur Anton wuchs, sondern auch die Hilfsbereitschaft des Teams. „Auch mir war vorher nicht bewusst, dass Igel mittlerweile vom Aussterben bedroht sind“, sagt Sabine Friedrich. Viele Kollegen und Kolleginnen, die über einen Garten verfügen, boten sich an, sich um hilfsbedürftige Igel zu kümmern und auch der Betriebskindergarten zog mit. „Darauf bin ich schon ein bisschen stolz“, sagt Sabine Friedrich über ihren Arbeitgeber.

Joda muss noch etwas an Gewicht zulegen, bevor er sich ein eigenes Revier suchen kann.
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Auf Anton I. sollte in Holweide nun eigentlich Volker folgen, doch dieser Igel hatte eine Überraschung parat: „Volker war eine Volkerine und bekam noch in der Aufzuchtstation acht Babys“, sagt die Voiswinklerin lächelnd. Da sie und ihre Familie mit ihrem ersten Igel Hendrik bereits gute Erfahrungen gemacht hatte, durften zwei von Volkerines Babys, nämlich Joda und Amelia, nun auch noch in Odenthal einziehen.
Igel sind Einzelgänger
Ob Hendrik über die winzigen Neuzugänge verschnupft ist, können die Friedrichs noch nicht sagen, er machte sich erst einmal aus dem Staub. Der Garten mit seinen Büschen ist nicht hermetisch abgeschlossen, sondern biete viele Schlupflöcher zu angrenzenden Wiesen und Gärten, berichtet Sabine Friederich. „Denn Igel sind Einzelgänger.“

Das neue Zuhause für Joda und seine Schwester Amelia in Voiswinkel.
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So konnte sich der herangewachsene Hendrik ein eigenes Revier suchen, kehrte aber bisher immer noch regelmäßig zur Futterstelle und zu seinem Schlafhaus zurück. „Freiwillig“, was besonders die beiden Kinder der Familie freut.
Igel sind aus vielen Gründen im Bestand bedroht
Einige Meter entfernt wohnen jetzt Joda und Amelia in ihrer eigenen Igel-Immobilie. Nur am Ankunftstag, ausgerechnet dem bisher heißesten Tag des Jahres, brachten die Friedrichs die kleinen Neuzugänge im kühlsten Raum des eigenen Hauses unter. Nun gilt es, die beiden groß zu päppeln, damit auch sie später ausgewildert werden können.
„Ich finde es schön, wenn man etwas tun kann“, sagt Sabine Friedrich mit Blick auf den Überlebenskampf der Igel, die gleich aus mehreren Gründen bedroht sind. Um die Verantwortung weiß die Familie, denn selbst ein kleines Wildtier muss regelmäßig mit Wasser und Futter versorgt, gewogen, notfalls tierärztlich behandelt und vor Gefahren durch Marder oder Katzen geschützt werden.
Auch Vorsicht bei der Gartenarbeit hilft Igeln
Die Friedrichs haben bereits zwei Kaninchen im Garten und so sei der zusätzliche Aufwand überschaubar, meinen sie, zumal man „liebe Nachbarn“ habe. Die seien über die neuen Gartenbewohner informiert worden. „Ich bin herumgegangen und habe gebeten, bei der Gartenarbeit vorsichtig zu sein und besonders darauf zu verzichten, Mähroboter nachts laufen zu lassen.“
Denn Igel sind nachtaktiv und werden von den Geräten oft angefahren und getötet oder verstümmelt. Die uralte Methode, sich zu einer stacheligen Kugel zusammenzurollen, um Feinden zu entgehen, nützt denn Igeln bei Mähern genausowenig wie bei Autoreifen. Schon mit Kleinigkeiten könne man wirkungsvoll helfen, ist Sabine Friedrich überzeugt. „Da müssen wir alle etwas tun“, findet sie. „Ich möchte, dass auch meine Kinder so etwas noch erleben können.“
