Beim „Marktplatz Gute Geschäfte“ entstehen neue Partnerschaften zwischen Ehrenamt und Wirtschaft.
Rhein-BergDieser Markt bietet Geschäfte an, für die es kein Geld braucht

Vereinbarungen im Wert von 23.600 Euro konnten beim diesjährigen Marktplatz Gute Geschäfte getroffen werden.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Overath Ohne Moos nichts los. Das gilt die meiste Zeit, für die meisten Dinge im Leben. Für gute Geschäfte muss Geld aber nicht immer eine Rolle spielen, wie sich beim „Marktplatz Gute Geschäfte“, der dieses Jahr das fünfte Mal im Rheinisch-Bergischen Kreis stattgefunden hat, gezeigt hat. Im Overather Kulturbahnhof versammelten sich vergangenen Donnerstag regionale gemeinnützige Vereine und Unternehmen, um zu schauen, wie sie sich gegenseitig helfen können.
Organisiert wurde der Marktplatz von Tanja Siebert, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation Amaidi International in Overath, und Christian Gollmer, Kreisgruppengeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW. Seit 2019 veranstalten die beiden das Format. „In Jahren mit geraden Zahlen findet der Marktplatz in Overath statt und in Jahren mit ungeraden Zahlen in Altenberg“, erklärt Siebert. So sei die Veranstaltung für die verschiedenen Firmen und Vereine im Kreis gut erreichbar. Dieses Jahr haben elf gemeinnützige Organisationen und sechs Unternehmen teilgenommen. Damit sei die Teilnahme geringer als in den Vorjahren. „Wir haben von den Vereinen und Unternehmen die Rückmeldung bekommen, sie hätten gerne mitgemacht. Doch wegen der angespannten und auch unsicheren Wirtschaftslage, seien sie zurückhaltend und mit anderen Themen beschäftigt“, so Siebert.
Unterstützung im digitalen Bereich
Und wonach wird häufig gesucht? „Die Vereine brauchen meist Unterstützung im digitalen Bereich, zum Beispiel mit Webdesign oder den sozialen Medien“, weiß Siebert aus Erfahrung. Unternehmen würden nach Unterschiedlichem suchen, meistens böten sie als Gegenleistung an, was auch ihre geschäftliche Kernkompetenz sei.
Geben können beide Seiten alles Mögliche. So können Wissen oder Netzwerke miteinander geteilt, aber auch Arbeitsmaterial oder Arbeitskraft zur Verfügung gestellt werden. In einem Speeddating, für das sie eine Stunde Zeit haben, können sich die Parteien auf die Suche nach einem Partner machen.
Belohnung für Vereinbarungen
Dr. Jürgen Rembold, Gründer der Rembold Stiftung, verlieh den besten drei Kooperationen von 2025 eine Auszeichnung. Dabei erhielten die gemeinnützigen Vereine eine Belohnung von je 200 Euro. Prämiert wurden der Verein CVJM Bergisch Gladbach, der Elternverein der Kita Villa Löwenzahn in Rösrath und die Elterninitiative herzkranker Kinder in Köln. Mitglieder des CVJM beteiligten sich an einem Motivationsworkshop von Frederike Hofmann, Gründerin des Unternehmens „Tanzen mit Friede“. Für das gesamte Team der Kita Villa Löwenzahn hat Katha Arndt als Coach und Trainerin ein Resilienztraining für einen stressfreieren Alltag durchgeführt. Spezielle Wickelshirts für Kinder, die sich im Krankenhaus aufhalten müssen, hat Schneiderin Maria-Theresia Wolff, Inhaberin von „Phantasiali Stoffe“, mit Mitgliedern der Elterninitiative herzkranker Kinder genäht.
Die Idee für diese Auszeichnung hatte Rembold selbst. „Ich dachte, es wäre schade, wenn das Verhandelte im Sande verläuft. Und um zu zeigen, was daraus geworden ist und zu würdigen, dass die Vereinbarungen eingehalten wurden, wollte ich einen Rückblick darauf werfen“, erklärt Rembold, der mit seiner Stiftung auch als Hauptsponsor des Marktplatzes auftritt, neben der Kreissparkasse Köln. Da die Stiftung ausschließlich bürgerschaftliches Engagement unterstütze, passe der Marktplatz perfekt ins Beuteschema. In seiner Ansprache bei der Verleihung hielt der Stifter für sich fest, dass die „beste Investition bei geringem Risiko die Spende ist“.
Wiederholungstäter dabei
Claudia Eggert und Beate Wegner von der Elterninitiative herzkranker Kinder Köln e.V. nehmen dieses Jahr zum vierten Mal teil. „Man kann ja nicht immer vorhersagen, was man braucht, aber wir sind immer auf der Suche nach Hilfe“, meint Eggert. Ob es um Coachings für Eltern gehe oder Sportangebote für die zum Teil bewegungseingeschränkten Kinder, es gebe immer etwas zu tun. Wenn man schon passende Kontakte in der Hinterhand habe, sei das hilfreich. „Wir sind mit anderen Vereinen und gemeinnützigen Organisationen gut vernetzt, nächstes Jahr gibt es uns nämlich 40 Jahre. Viele Unternehmen suchen nach Aktionen, an denen sie sich beteiligen können“, erläutert Wegner. Hier könnten sie vermitteln.
Auf der Unternehmerseite konnte man unter anderem auf Katrin Füchsel von Ringana, einem Kosmetikhersteller, treffen. Sie war vor allem auf der Suche nach Netzwerken. „Ich kann im Austausch ebenfalls ein großes Netzwerk anbieten und ich organisiere sehr gerne“, meint Füchsel. Sie sei zum dritten Mal dabei. Beim letzten Mal habe sie nach einer Kooperation eine kleine Messe beim Seifenkistenrennen in Overath organisiert. „Ich mag es, neue Leute kennenzulernen und die Stärkung des lokalen Netzwerks ist mir wichtig, besonders wenn es darum geht, Frauen miteinander zu vernetzen“, erklärt Füchsel.
Ehrenamt als tragende Säule
Auch Jörg Schiefer, Erster Beigeordneter der Stadt Overath, und Landrat Arne von Boetticher, Schirmherr der Veranstaltung, waren gekommen. Letzterer richtete zur Begrüßung einige Worte an die Teilnehmer. „Das Ehrenamt ist eine tragende Säule in unserem Kreis, das es zu unterstützen gilt. Und zum Glück haben wir Unternehmen, die Verantwortung übernehmen können.“
Wie Amaidi im Nachgang zur Veranstaltung in einer Pressemitteilung verkündet, seien dieses Jahr Vereinbarungen im Gesamtwert von mehr als 23.600 Euro und 125 Ehrenamts-Stunden erzielt worden.
Vorbild für andere Länder
Neben Vereinen und Unternehmen war auch eine Delegation aus Uganda zu Gast, mit den Amaidi-Direktoren Mamerito Ssenfuma und Sula Kakande. Wie Ssenfuma erklärte, ging es bei dem Besuch in Overath darum, sich anzuschauen, wie eine solche Veranstaltung organisiert und durchgeführt wird. So könne das Konzept auf Uganda übertragen werden, damit auch dort Netzwerke zwischen Wirtschaft und Ehrenamt entstehen können.
An gemeinnützigen Organisationen aus dem Kreis waren außerdem vertreten: Inclusio Rhein-Berg, Arbeiter-Samariter-Bund, CBF – Club behinderter Menschen und ihrer Freunde sowie Die Platte in Bergisch Gladbach. Auf Unternehmensseite waren neben Ringana, die Schneiderei Phantasiali Stoffe, Tanzen mit Friede, Marlene Weiner – Die Ausbildungsexpertin und Rebecca Gollmer – Beratung für gemeinnützige Organisationen dabei.
