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HochwasserschutzStrategie gegen die Flut

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Mit überfluteten Straßen muss man auch in nächster Zeit rechnen. Die Stadt Overath will jetzt vorsorgen.

Overath – Zweimal innerhalb von zwölf Monaten haben weite Teile der Stadt Overath nach heftigen Regenfällen unter Wasser gestanden. Da es nicht so aussieht, als wenn diese Jahrhundert-Regenfälle wirklich nur alle hundert Jahre auftreten, will die Overather Stadtverwaltung den Hochwasserschutz nun mit aller Macht vorantreiben. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn eigentlich ist man nicht zuständig.

In den Gremien des Aggerverbandes, der sich um die größeren Fließgewässer im Stadtgebiet kümmert, wurde das Thema jetzt angesprochen. Den Delegierten lag ein altes, aber immer noch gültiges Schreiben des NRW-Umweltministeriums vor, wonach „der Hochwasserschutz weder den Kommunen noch einem Verband als Pflicht zugewiesen ist“. Mögliche Betroffene, also die Grundstücksbesitzer, müssten sich selbst schützen, heißt es da.

Problematische Bachläufe

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Denn für Overath ist klar, dass es nicht die Fließgewässer wie Agger und Sülz sind, die für die immer so plötzlich auftretenden Probleme sorgen, sondern kleine Bäche, die in bebauten Gebieten zum Teil unterirdisch geführt werden. Hier sind dann die Durchlassrohre zu schmal.

„Die Problemstellen sind uns mittlerweile bekannt. Wir wollen dort jetzt für Abhilfe sorgen“, sagt Bürgermeister Andreas Heider. In einer Besprechung mit Vertretern des Aggerverbands und der Kreisverwaltung wurden genannt: der Katzbach insbesondere im Gebiet der Bebauung rund um den Edeka-Markt, der Unterheider Bach in Vilkerath, der Hausthaler Siefen in Immekeppel und Holzbach sowie Dresbach oberhalb von Steinenbrück.

Wenn es vom Himmel schüttet, bringen diese Bäche meist Unmengen von Erde aus landwirtschaftlich genutzten Flächen mit, die dann die Rohre verstopfen und Keller verschlammen.

Beim Aggerverband ist man der Meinung, dass die Kommunen mit dem Hochwasserschutz überfordert sind. Man bietet ihnen Hilfe an, zumal man bis zum Jahr 1992 für diese Aufgabe zuständig war. Damals gab es eine Gesetzesänderung. Bürgermeister Heider hat sich für dieses Angebot bedankt und ausdrücklich darum gebeten, kurzfristige Lösungsvorschläge zu erarbeiten: „Bei der gegenwärtigen Wetterlage müssen wir ja jeden Tag mit neuen Katastrophen rechnen.“ Sollten die Kompetenzen wieder auf der Aggerverband übertragen werden, muss die Stadt – und damit auch der gebührenzahlende Bürger – natürlich mit einer höheren Umlage rechnen.

Doch man wird auch mit den Eigentümern der problematischen Grundstücke direkt in Kontakt treten müssen. Beim Katzbach zum Beispiel ist die Verrohrung unter den Grundstücken Hauptstraße 5 und 7 das Problem. Die Durchlassrohre sind in den 1950er Jahren mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern genehmigt worden. Dies gilt heutzutage aber als viel zu eng. Denn bei den Starkregen-Ereignissen am 30. Juni 2012 und am 20. Juni 2013 suchten sich die Wassermassen neue Abflussmöglichkeiten und liefen über der Erde den Berg hinab in die Innenstadt.

Das alles geschah so plötzlich, dass kaum jemand rechtzeitig reagieren konnte. Die Stadt will nun in Absprache mit Polizei, Feuerwehr und Kreis eine Art Frühwarnsystem einführen. Mitarbeiter der Verwaltung sollen die Hauptstraße für den Verkehr sperren dürfen, Sandsäcke werden vorgehalten. Der Katzbach soll einen neuen Einlaufrechen bekommen, man prüft den Bau eines Rückhaltebeckens. Wenn möglich, sollen die Einlassrohre größer werden.

Für ein Hochwasserrückhaltebecken im Holzbachtal steht eine finanzielle Förderung in Aussicht. Bürgermeister Heider: „Wir haben keine rechtliche, aber eine moralische Pflicht, uns um das Hochwasser-Problem zu kümmern.“