Baumkontrolleur Björn Borner gibt Aufschluss über die Maßnahmen, die vor einer Baumfällung ergriffen werden.
UmweltDas passiert, bevor ein Baum gefällt wird

Die Fällung eines alten Birnbaums, der aus Verkehrssicherheitsgründen entfernt werden musste, hatte im vergangenen November für Irritation bei Anwohnern in Overath gesorgt.
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Wer ein Herz für die Umwelt hat, dem wird es nie leicht fallen dabei zuzusehen, wie ein Baum gefällt wird. Doch dass es für Fällungen städtischer Bäume gute Gründe gibt, das wollte die Overather Stadtverwaltung in der vergangenen Sitzung für Umwelt, Mobilität, Tourismus und Digitalisierung deutlich machen. Denn oft seien Bürger irritiert über Fällungen, da sie nicht nachvollziehen könnten, wieso mancher Baum weichen muss.
Um das zu erläutern, besuchte Björn Borner, städtischer Baumkontrolleur und -pfleger, die Sitzung und berichtete von den Abläufen vor einer Fällung. Borner machte zunächst klar, dass er darauf achten müsse, dass ein Baum keine Gefahr darstelle. Sollte nämlich doch ein großer Ast auf eine Person oder ein Auto fallen, drohen der Stadt Kosten für Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Deshalb würden Bäume an stärker frequentierten Stellen, etwa Schulwegen oder in Wohnanlagen, häufiger kontrolliert als zum Beispiel die im Wald, wo sowieso Betreten auf eigene Gefahr gelte. Ersteres werde zweimal jährlich kontrolliert und letzteres nur nach Unwetterereignissen.
Anzeichen mit dem Auge erkennen
Was das Prozedere angehe, so gebe es erst einmal eine Sichtkontrolle, die sogenannte VTA-Untersuchung (Visual Tree Assessment). Anzeichen seien hier Totäste, Pilzfruchtkörper, faulende Stellen oder Risse. Nach Unwetterereignissen wie starken Stürmen oder Schneefall würde prinzipiell kontrolliert. Bei der Sichtkontrolle würden dann verschiedene Merkmale dokumentiert, die es zu beobachten gelte, zum Beispiel ob sich ein dicker Ast direkt über der Straße befindet, der später zu einer potenziellen Gefahr werden könnte. Je nach Schaden, der entdeckt oder dokumentiert wurde, müsse der Kontrolleur auch nach oben, um den Baum von dort zu betrachten, da die Auswirkungen sonst nicht erkennbar seien.
„Fast alle Schäden, die Bäume haben, werden durch Pilze verursacht“, erläuterte der Baumpfleger. Die würden über offene Stellen, etwa durch Schnitte oder Verletzungen der Rinde oder Wurzeln, in den Baum gelangen. Scheuernde Äste würden deshalb regelmäßig entfernt. Pilze mit Fungiziden zu bekämpfen sei allerdings nicht möglich, da sie auch wichtige gesunde Pilze töten würden.
Prüfung nach der Standsicherheit
Wenn nun ein Schaden festgestellt wurde, so Borner, müsse weiter geprüft werden, ob der Schaden die Stand- und Bruchsicherheit gefährdet. Gegebenenfalls brauche es dafür technische Hilfsmittel. Denn nicht jeder Schaden, besonders bei Pilzbefall, sei optisch wahrnehmbar.
Bei Verdacht auf Fäule im Inneren des Baumes gebe es verschiedene Messungsvarianten. Eine davon sei die Bohrwiderstandsmessung mittels eines Resistographen. Sie verursache zwar einen Schaden am Baum, da gebohrt wird, doch so könnte man feststellen, ob das Holz noch fest ist und es Widerstand gibt oder ob es bereits faul ist.
Ein Abbild vom Inneren des Baumes
Mit einer Schallmessung könne ebenfalls Fäule festgestellt werden und das noch präziser. Das Messgerät erstelle ein 3D-Bild vom Inneren und zeige dabei auch die Ausformung der faulen Stellen sowie die Restwandstärke auf. Die gebe Aufschluss über die Stabilität des Baumes.
Die sogenannte Zugprobe funktioniere mit einem Seilzug in der Krone des Baumes und elektronischen Sensoren. Dabei werde festgestellt, wie weit der Baum auslenkt und wie weit er wieder zurückkommt. So könne die Sicherheit im Falle eines Sturms erprobt werden.
Messungen alle drei bis fünf Jahre
Die Messungen müssten, einmal damit angefangen, alle drei bis fünf Jahre wiederholt werden. Da sie allerdings sehr kostenintensiv seien (bis zu 2500 Euro), könnten sie nicht bei jedem Baum durchgeführt werden, besonders, wenn er keinem speziellen Schutz bedarf.
Aus den Gutachten ergäben sich dann die Maßnahmen. Wenn große Äste in der Krone zum Beispiel zu weit auseinanderklaffen, können sie mittels Seilen gesichert werden. Wenn es Schäden an der Rinde gibt, zum Beispiel durch ein Auto, das aufgefahren ist, würden schwarze Folien um die verletzte Stelle gewickelt. Die Farbe sei deshalb wichtig, weil sie keine UV-Strahlung durchdringen lässt und Pilze so weniger Chancen haben.
Kappung ist die letzte Option
Zu weiteren Maßnahmen zählten Kronen-Teileinkürzungen, Komplette Kronen-Einkürzungen, Kronensicherungsschnitte und selten auch Kappungen der Bäume. Letzteres bedeute, dass nur noch der Reststamm erhalten bleibe als Habitat. Das sei die letzte Option vor einer Fällung.
Borner betonte in dem Zusammenhang auch die Verantwortung, die er trage, wenn es doch zu Schäden durch kaputte Bäume komme. „Das bedeutet aber nicht, dass ich aus Angst Bäume fälle. Wie das Wort schon sagt, bin ich Baumpfleger und versuche eine Fällung, so gut es geht, immer zu vermeiden.“

