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„Retten, was zu retten ist“Neue Bedenken rund um geplante Baumfällungen in der Südstadt

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Mitte Dezember verhinderten Schüler, Lehrer und Lokalpolitiker mit ihrem Protest die Fortführung der gerade begonnenen Baumfällungen am Berufskolleg Ulrepforte.

Mitte Dezember verhinderten Schüler, Lehrer und Lokalpolitiker mit ihrem Protest die Fortführung der gerade begonnenen Baumfällungen am Berufskolleg Ulrepforte. 

Auf dem Gelände des Berufskollegs Ulrepforte muss Platz geschaffen werden für Interimscontainer. Aber stehen die Bäume unter Denkmalschutz?

Die Grünen-Fraktion der Bezirksvertretung Innenstadt hat am Montag neue Zweifel an der Rechtmäßigkeit der geplanten Baumfällungen am Berufskolleg Ulrepforte öffentlich gemacht. Reinhold Goss, Sprecher der Fraktion, bat das Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege um eine formelle denkmalrechtliche Prüfung und Stellungnahme, da die Denkmalkarte der Stadt Köln nicht nur die Schulgebäude, „sondern alle, aber insbesondere die beiden östlich und westlich gelegenen Grünflächen als eigenständige Denkmäler“ ausweise. „Die auf diesen Flächen stehenden Bäume sollten damit Bestandteil einer denkmalgeschützten Außenanlage sein“, sagte Goss. 

Für 21 Bäume auf dem Gelände liegt eine Fällgenehmigung vor. Sie müssen weichen, weil auf den Flächen übergangsweise Container aufgestellt werden sollen. Diese werden gebraucht, da das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Schule für Bauberufe ab Mitte des Jahres bei laufendem Betrieb generalsaniert werden soll. Als die Stadt Mitte Dezember mit den Fällungen begann, fühlten sich die Schulgemeinschaft und einige Lokalpolitiker überrumpelt, man verhinderte mit Protesten die Fortführung der Arbeiten. 

Fällung der Esche am Berufskolleg Ulrepforte soll geprüft werden

„Wir wollen retten, was zu retten ist“, wiederholte Manfred Stommel-Prinz aus dem Schulleitungs-Team am Montag das Anliegen der Schulgemeinschaft. Er hatte der Stadtverwaltung im Dezember eine intransparente Kommunikation vorgeworfen und die Befürchtung geäußert, dass planerische Fehler gemacht wurden. Inzwischen habe es ein Treffen zwischen Vertretern der Stadt, der Schule und der Bezirksvertretung Innenstadt gegeben. Dabei sei zumindest vereinbart worden, dass die Lernenden und Lehrenden des Berufskollegs vor dem Start der Fällungen umfassend von der Stadt informiert werden. Und dass die Stadt die Platzierung eines der Container noch einmal überprüft. Würde er anders aufgestellt werden, könnte vielleicht eine bislang ebenfalls zur Fällung vorgesehene imposante Esche gerettet werden. „Wir haben das nach unseren Kenntnissen geprüft und gehen davon aus, dass das möglich wäre“, sagt Architekt Stommel-Prinz.

Auch diese mächtige Esche am Berufskolleg Ulrepforte soll gefällt werden, um für zwei Jahre während der Sanierung des Schulgebäudes Container aufstellen zu können.

Auch diese mächtige Esche am Berufskolleg Ulrepforte soll gefällt werden, um für zwei Jahre während der Sanierung des Schulgebäudes Container aufstellen zu können.

Eine Sprecherin der Stadt teilte auf Anfrage mit, dass die Baumfällungen „nach dem 19. Januar 2026 wie geplant fortgesetzt“ werden sollen. Das gesamte zu sanierende Berufskolleg Ulrepforte stehe unter Denkmalschutz: „Zu diesem Baudenkmal gehören teilweise auch Grünflächen, jedoch keine Bäume.“ Es gebe jedoch bekannte archäologische Bodendenkmäler im Erdreich. „Aus all diesen Gründen hat die Planung in engster Abstimmung mit der Denkmalpflege stattgefunden, die auch weiterhin eingebunden ist und bleibt.“

Man wolle allerdings, so die Sprecherin, den exakten Standort einer Containeranlage nochmals daraufhin überprüfen, „ob sie gegebenenfalls etwas zu verrücken ist und damit ein Baum (Esche) erhalten werden kann“. Die Kreisgruppe Köln des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte zuletzt angekündigt, eine Diskussion im Kölner Stadtrat zu einem wirksameren Schutz von Bäumen bei Bauvorhaben im Stadtgebiet anstoßen zu wollen. Am Berufskolleg Ulrepforte werde „die Fällung von Bäumen unnötig in Kauf genommen“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Röscheisen.

„Wir setzen uns dafür ein, nicht mehr Bäume zu fällen, als für die Einrichtung der Baustelle notwendig“, sagte am Montag Eva Bürgermeister, die umweltpolitische Sprecherin der Kölner SPD-Ratsfraktion: „Die jetzt aufkommende Diskussion um die Bäume darf allerdings nicht zu einer Verzögerung bei der dringend notwendigen Sanierung des Berufskollegs führen.“ Ähnlich äußerte sich Constanze Aengenvoort, umweltpolitische Sprecherin der Kölner CDU-Ratsfraktion: „Das Ziel muss es sein, so wenig Bäume wie möglich zu fällen – und trotzdem den Schulbau voranzubringen.“ Dass die Stadtverwaltung nun zumindest die geplante Fällung der mächtigen Esche noch einmal überprüfe, bezeichnete sie als „erfreuliche Entwicklung“.