Die Staatsanwaltschaft beschuldigt nach wie vor den Angeklagten. Indes weigert sich der Komplize, vor Gericht auszusagen.
„Geld, Gold, Tresor“Angeklagter bezichtigt Komplizen, eine Rösrather Seniorin mit einer Pistole bedroht zu haben

Mit einer schwarzen Waffe soll der Täter die Frau bedroht haben. (Symbolbild)
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Er soll die Mutter seiner lange verflossenen Jugendliebe mit vorgehaltener Waffe überfallen und ausgeraubt haben – so lautete Ende März beim Prozessauftakt gegen einen 52-Jährigen aus Lohmar der Vorwurf der Staatsanwaltschaft (diese Zeitung berichtete). Doch der Mann stritt ab, die 77-Jährige überfallen zu haben. Vielmehr habe sein Komplize die Tat zu verantworten, mit dem er eigentlich einen Einbruch in das Haus geplant habe. Doch beim Ausbaldowern einer Einstiegsmöglichkeit in das Haus in Rösrath im Juli 2025 habe der Komplize sich selbstständig gemacht und die 77-Jährige eigenmächtig überfallen, während er im Auto auf ihn gewartet habe.
An dem, was erstmal wie eine klassische Schutzbehauptung klingt, könnte aber tatsächlich etwas dran sein. Am Dienstag wurde der mutmaßliche Komplize (31) der 27. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht vorgeführt. Nach der Aussage des Angeklagten, der auch den Namen des Mannes genannt hatte, hatte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den 31-Jährigen erwirkt. Der wurde wenig später von der Polizei vollstreckt. Nun sitzt der mutmaßliche Räuber, der bereits mehrfach, jedoch nicht einschlägig vorbestraft ist, in Untersuchungshaft. Das Ermittlungsverfahren läuft.
Videoaufnahmen zeigen den Täter bei der Flucht vom Tatort
„Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Erscheinen“, sagte der Vorsitzende Dr. Wolfgang Schorn, um hinzuzufügen: „Aber Sie hatten wohl auch keine andere Wahl.“ Eigentlich hatte die Kammer den 31-Jährigen als Zeugen vernehmen wollen. Doch nach der Belehrung, dass er als Tatverdächtiger nichts sagen müsse, machte der Mann von seinem Schweigerecht Gebrauch: „Ich sag hier nix“, so der 31-jährige knapp. Anschließend wurde er auch schon wieder von einem Wachtmeister ins Hausgefängnis des Landgerichts abgeführt.
Richter Schorn zeigte sich dennoch zufrieden, den Mann mal gesehen zu haben – „Statur, körperlicher Zustand, Bewegungsablauf“, sagte Schorn. Immerhin liegen dem Gericht Videoaufnahmen einer Überwachungskamera vor, die den Täter bei der Flucht vom Tatort zeigen — und der Mann auf dem Video gleicht dem Angeklagten eher weniger. „Wird vermutlich nicht überraschen, dass auch das ein Grund war, den hier mal herzuholen“, so Schorn.
Angeklagter wollte die Frau ausrauben, um Schulden zu bezahlen
Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll der 52-Jährige den Überfall begangen haben. Dabei habe er der 77-Jährigen eine „schwarze Pistole vor die Stirn“ gehalten, wie es in der Anklageschrift hieß. Mit den Worten: „Geld, Gold, Tresor“, habe er die geschockte Geschädigte dann aufgefordert, ihm Wertsachen zu übergeben.
Der Angeklagte behauptet hingegen, sein Plan sei es gewesen, in das Haus einzubrechen. Aus der Zeit seiner Beziehung zur ältesten Tochter der 77-Jährigen habe er noch gewusst, dass es einen Tresor und wertvolle Ikonen in dem Haus gebe. Er sei hoch verschuldet und habe gedacht, das sei eine Möglichkeit, genug Geld fürs Abbezahlen zu erlangen. Der Prozess wird fortgesetzt.

