Die Stadt Rösrath will die Gewerbeflächen in Rambrücken nun selbst entwickeln. Der Investor Go-Green kam mit dem Projekt seit 2022 nicht voran.
Stadtentwicklung in RösrathStadt plant zügige Gewerbeansiedlung in Rambrücken

Das geplante neue Gewerbegebiet zwischen dem Rösrather Ortsteil Rambrücken (am unteren Bildrand) und dem Gewerbegebiet Sülzer Burg in Lohmar liegt direkt an der Sülztalstraße und unweit der Autobahn A3.
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Einen Neuanfang bei der Entwicklung des Gewerbegebiets Rambrücken hat Bürgermeister Yannick Steinbach (Fors-Park) im Interview mit dieser Zeitung angekündigt. Die Stadt Rösrath kauft die Flächen des geplanten Gewerbegebiets und bietet sie anschließend interessierten Unternehmen an. Diese könnten sich ab sofort bei der Stadt anmelden, kündigte Steinbach an. Indem die Stadt nun selbst die Regie bei der Entwicklung des Gewerbegebiet übernimmt, will sie die Ansiedlung von Unternehmen zügig voranbringen. „Das Projekt zeigt, dass es seit meinem Amtsantritt im Rathaus ein ganz anderes Tempo gibt“, erklärte Steinbach im Interview.
Er teilte auch mit, dass der Stadtrat der von ihm in die Wege geleiteten Neu-Justierung des Projekts einstimmig gefolgt ist. Der Beschluss des Stadtrats erfolgte bereits am 15. Dezember, allerdings in nichtöffentlicher Sitzung: Steinbach machte ihn daher erst öffentlich, nachdem der Kauf durch die Stadt notariell besiegelt war und die Kommunalaufsicht des Rheinisch-Bergischen Kreises zugestimmt hatte. Dass es im Stadtrat keine Gegenstimmen gab, ist bemerkenswert: Im Vorfeld der Sitzung hatte Steinbach in Gesprächen mit den Fraktionen für dieses Vorgehen geworben und sie offenbar überzeugt.

Direkt an der Sülztalstraße (links) liegt das Gelände für das geplante Gewerbegebiet bei Rambrücken (im Hintergrund).
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Damit rückte die Kommunalpolitik ganz einhellig von dem bisherigen, unter Regie von Steinbachs Amtsvorgängerin Bondina Schulze (Grüne) entwickelten Konzept für die Gewerbeentwicklung in Rambrücken ab. Danach sollte der Investor Go-Green in Rambrücken einen „Öko-Tech-Campus Rösrath“ schaffen, ein nachhaltiges Gewerbeprojekt: durch Nutzung nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energien, weitgehende Selbstversorgung mit Energie und umweltgerechte Mobilitätsangebote. Go-Green wollte „kleinteiliges Gewerbe“ ansiedeln, insbesondere Handwerksbetriebe, ausdrücklich keinen „Großgewerbebetrieb“.
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Zum Konzept von Go-Green gehörte auch die Entwicklung des Geländes „aus einer Hand“. Das Unternehmen sollte Bauorganisation und Bauausführung, Energieversorgung, Bauplanung und Bauleitung übernehmen. Damit sollte das Projekt schneller vonstatten gehen – innerhalb von drei bis vier Jahren bis zur Fertigstellung. Teil des Konzepts war auch, Flächen und Gebäude nur zu vermieten und nicht zu verkaufen.
Einstimmiger Beschluss im Stadtrat
All das wurde im Dezember 2022 angekündigt, vor mittlerweile drei Jahren. Doch in Rambrücken siedelten sich bis heute keine Unternehmen an. Offenbar ging insbesondere die Vorgabe, Grundstücke und Gebäude nur zu vermieten und nicht zu verkaufen, an den Bedürfnissen interessierter Gewerbebetriebe vorbei. Die frühere Bürgermeisterin Bondina Schulze hielt dennoch an dem Konzept fest, in einem Interview mit dieser Zeitung zum Abschied von ihrem Amt erklärte sie Ende Oktober 2025: „Ich halte das Konzept des Investors nach wie vor für zielführend.“ Umso verblüffender ist, dass nur rund sechs Wochen später, am 15. Dezember, der gesamte neue Stadtrat von dieser Sichtweise Schulzes abrückte und dem Konzept Steinbachs zustimmte. Auch die Grünen-Fraktion ging damit auf Distanz zu dem Konzept der früheren grünen Bürgermeisterin.
Das jetzt vom Stadtrat abgesegnete neue Konzept sieht vor, dass die Stadt zunächst die Flächen in Rambrücken von Go-Green kauft und sie anschließend an Unternehmen weiterverkauft. Zunächst ist aber ein Bebauungsplan aufzustellen, erst anschließend – wenn Baurecht besteht – muss die Stadt für die Grundstücke bezahlen. Angesichts dieser für die Stadt vorteilhaften Regelung zeigt Steinbach sich „sehr zufrieden“. Er hebt hervor, dass das Geschäft den Haushalt der Stadt „zunächst nicht“ belaste. „Sobald der Bebauungsplan beschlossen ist, kann sehr zügig die Vermarktung der Grundstücke erfolgen“, erklärt Steinbach. Mit anderen Worten: Die Kosten für die Stadtkasse können durch den Weiterverkauf der Flächen umgehend gedeckt werden.
Eine weitere deutliche Veränderung gegenüber dem früheren Konzept von Go-Green ist, dass auf dem Gelände keine Wohnungen geschaffen werden – es entsteht ein reines Gewerbegebiet. „Mit dem Verzicht auf Wohnungsbau haben wir weniger Restriktionen für die Gewerbe-Entwicklung“, erklärt Steinbach.
Mehr Gewerbesteuer
Ziel der Entwicklung der Gewerbeflächen im Ortsteil Rambrücken ist es, insbesondere bereits in Rösrath tätigen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Tätigkeit im Stadtgebiet auszubauen. Das soll eine Abwanderung von Unternehmen vermeiden. Zugleich will die Stadt durch florierende und wachsende Unternehmen ihre Einnahmen aus der Gewerbesteuer steigern. Das soll dazu beitragen, das Defizit im städtischen Haushalt auf Dauer deutlich zu verringern.

