Im Kreis der Kollegen ist es für Feuerwehrleute nicht immer einfach, über die eigenen Gefühle nach solchen Einsätzen zu sprechen.
Freiwillige FeuerwehrSerie mit tödlichen Unfällen in Bedburg belastet Helfer

In Bedburg auf der L279 sind am 16. Dezember zwei Pkw frontal zusammengestoßen.
Copyright: Eric Lamparter
Deutlich sind die Unfallspuren auch jetzt noch auf der L 279 zu sehen. Nach einem Frontalunfall am 16. Dezember hatten Freiwillige Feuerwehrleute aus Bedburg dort einen erst 20-Jährigen aus dem Wrack seines Wagens gerettet. Mit vereinten Kräften kämpften sie mit den Rettungskräften um das Leben des jungen Mannes – vergeblich. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus.
Bedburg: Junge Menschen starben bei den Unfällen
Der Einsatz war noch nicht richtig verarbeitet, als die Feuerwehrleute am nächsten Morgen erneut angefordert wurden. Auf der A44 war es zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen, den eine 20-jährige Beifahrerin, eine Polizistin, nicht überlebte. Ihre Verletzungen waren so schwer, dass sie noch an der Unfallstelle auf dem Beifahrersitz verstarb.
„So etwas steckt keiner einfach so weg“, weiß Bedburgs Feuerwehrchef Guido Garbe. Nach dem zweiten tödlichen Unfall innerhalb von 13 Stunden hatte er das PSU-Team – die Psychosoziale Unterstützung – angefordert. „Diese Fachleute sind speziell ausgebildet, um Feuerwehr- und Rettungskräften nach belastenden Einsätzen bei der Aufarbeitung der erlebten Geschehnisse zu helfen. Reden hilft.“
Alles zum Thema Bundesautobahn 61
- Freiwillige Feuerwehr Serie mit tödlichen Unfällen in Bedburg belastet Helfer
- Silvesternacht Zwölfjähriger fährt mit Auto von Köln nach Bliesheim und baut Unfall auf A61
- Neuer Wehrleiter, alte Baustellen So geht es bei der Feuerwehr in Weilerswist weiter
- A61 bei Bergheim Motorradfahrer bei Unfall tödlich verletzt – Vollsperrung
- Kilometerlanger Stau Mehrere Verletzte bei Unfall auf der A61 bei Erftstadt

Bedburgs Feuerwehrchef Guido Garbe (r.) mit den beiden Freiwilligen Feuerwehrleuten Pascal Rütten (l.) und Sebastian Weuthen. Sie waren bei allen drei tödlichen Unfällen kurz vor Weihnachten im Einsatz.
Copyright: Margret Klose
Je offener die Einsatzkräfte über ihre Eindrücke und Empfindungen nach einem belastenden Einsatz sprechen können, desto besser könnten die Geschehnisse verarbeitet werden. Er musste das PSU-Team ein weiteres Mal vor Weihnachten anfordern. Am 21. Dezember verunglückte auf der A61 ein 24-jähriger Motorradfahrer bei einem Alleinunfall. Er starb noch an der Unfallstelle.
Ähnlich alt wie die drei Unfallopfer ist Pascal Rütten. Der 19-jährige Student gehört seit seinem zehnten Lebensjahr der Freiwilligen Feuerwehr in Bedburg an – zuerst der Jugendabteilung, seit zwei Jahren der aktiven Wehr. Er war bei allen drei Einsätzen dabei und hat einen Weg gefunden, damit klarzukommen. Er spreche viel mit seinen Kollegen darüber. Aber auch das PSU-Team sei ihm bei der Verarbeitung eine große Hilfe. „Ich bin sehr dankbar, dass wir hier die Möglichkeit haben, das PSU-Team anfordern zu können. Sogar Einzelgespräche sind möglich.“
PSU-Team hilft, die Eindrücke zu verarbeiten
Im Kreis der Kollegen sei es nicht immer einfach, über die eigenen Gefühle nach solchen Einsätzen zu sprechen. Mit dem PSU-Team sei das viel einfacher. „Die Distanz zwischen ihnen und den Einsatzkräften ist schlichtweg größer“, erklärt Rütten. Sein Fernstudium ermöglicht ihm, tagsüber auch unter der Woche in Bedburg zu bleiben. Und als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr fahre er natürlich los, wenn es einen Einsatz gibt. Schließlich weiß auch er, dass Bedburgs Feuerwehrchef insbesondere wochentags jede verfügbare Einsatzkraft braucht.
Garbe bestätigt: „Um bei Unfällen auf die erforderliche Mindesteinsatzzahl von zehn bis 15 Einsatzkräften zu kommen, muss ich besonders unter der Woche tagsüber stets mehrere Einheiten alarmieren.“ Dabei sei Bedburg mit aktuell 205 aktiven und ausschließlich freiwilligen Feuerwehrleuten nicht schlecht aufgestellt. „Ich freue mich trotzdem über jedes neue aktive Mitglied“, sagt Garbe.

Deutlich sind auch im neuen Jahr die Schriftzeichen der Polizei zu sehen, die sie bei der Unfallaufnahme auf die L279 und den Rand gezeichnet hatten.
Copyright: Margret Klose
Bedburg und Elsdorf sind die einzigen Kommunen im Rhein-Erft-Kreis, die eine Wehr aus ausschließlich freiwilligen Feuerwehrleuten haben. In allen anderen Kommunen im Rhein-Erft-Kreis werden die Freiwilligen Feuerwehrleute von hauptamtlichen Kräften unterstützt.
Auch Sebastian Weuthen (31) war schon bei einigen extrem schweren Unfällen im Einsatz, bei denen Schwerverletzte aus ihren Fahrzeugen gerettet werden mussten – und er hat geholfen, sie am Unfallort zu reanimieren. Mitunter musste er auch hilflos mit ansehen, wie die Verunglückten trotz aller Bemühungen gestorben sind. „Mir hilft das Team, die erlebten Ereignisse zu verarbeiten“, sagt er. Doch er kenne keinen, der Unfälle, bei denen Menschen ihr Leben verlieren, einfach wegstecke und zur Tagesordnung übergehe. Am schlimmsten seien Unfälle, bei denen junge Menschen und Kinder verletzt oder getötet würden.
Garbe betont: „Und je früher die Aufarbeitung der Ereignisse beginnt, desto besser.“ „An den Anblick von Toten und Schwerverletzten gewöhnt man sich nie“, sagt er. Mitunter könnten auch noch Tage, Wochen und Monate nach den Einsätzen Symptome auftreten, die ein Anzeichen für eine posttraumatische Störung sein könnten: Schlaflosigkeit etwa und Schweißausbrüche, aber auch Bilder vom Unfall, die sich im Kopf einfach nicht mehr abstellen lassen. „Solche Anzeichen müssen sehr ernst genommen werden“, sagt Garbe.
Ihn selber hat ein tödlicher Unfall vor einigen Jahren auf der A61, bei dem ein Pkw unter einen Lkw geraten war, getriggert und an einen Einsatz aus den 1980er-Jahren erinnert, als er noch als Zivi im Rettungsdienst tätig war. Damals war er zu einem Unfall gerufen worden, bei dem ein Kind ums Leben gekommen war. „Eigentlich hatte ich gedacht, diesen Unfall längst verarbeitet zu haben“, erklärt er.

