Der Pilot Klaus Rademacher hätte auf der Rückreise fast bei Langenfeld auf der anderen Rheinseite landen müssen, fand aber noch Aufwind.
767 Kilometer StreckeSegelflieger kam von Bergheim bis fast nach Tschechien und zurück

Der Bergheimer Segelflieger Klaus Rademacher flog am Freitag (3. Juli) einen Streckenflug von 767 Kilometer bis kurz vor die tschechische Grenze.
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Ein Bergheimer Segelflieger hat sich am Freitag (3. Juli) von der Sonne fast bis nach Tschechien tragen lassen. Wie der Luftsportclub Erftland berichtet, hat der Pilot Klaus Rademacher an diesem Tag 767 Kilometer überwunden.
Insgesamt seien vier Piloten des Vereins am Freitag in die Lüfte gestiegen. Rademacher sei mit seiner LS6 aber die weiteste Strecke geflogen. Direkt nach dem Windenstart habe er einen Aufwind gefunden, der ihn 1000 Meter in die Höhe trug.
„Die LS6 mit 18 Metern Spannweite ist für den Streckenflug gebaut: Aus einem Kilometer Höhe gleitet der Flieger rund 50 Kilometer weit. Diese Eigenschaft nutzte Rademacher, um zügig Richtung Sauerland zu fliegen. Über Remscheid und Radevormwald ging es nach Plettenberg, dann führte die Route Richtung Südosten“, sagt der LSC Erftland in seiner Mitteilung.
Sonne erzeugt Thermik für die Flieger
Entscheidend sei für solche Flüge nicht der Wind, sondern die Sonneneinstrahlung. Die Sonne erwärmt den Boden, wodurch sich sogenannte Thermikblasen bilden würden. „Diese steigen – ähnlich wie Luftblasen in einem Topf mit kochendem Wasser – nach oben und ermöglichen es den Piloten, auch ohne Motor immer weiter an Höhe zu gewinnen und große Distanzen zurückzulegen“, so der LSC Erftland.
Auch ein solides Verständnis für Meteorologie sei ein Vorteil. Die Piloten würden bei der Planung solcher langen Flüge die Entwicklungen am Himmel genau beobachten und erkennen, wann die Thermik wirklich trägt und wie sich Wolken entwickeln. „So gelang es Rademacher, über Marburg und Suhl in Thüringen bis nach Kulmbach zu segeln. Von dort aus liegt die tschechische Grenze nur noch 60 Kilometer entfernt“, teilt ein Sprecher des Vereins mit.
Aufwind in letzter Minute trug den Piloten nach Bergheim
Kurz nach 15 Uhr hat sich Rademacher wieder auf den Heimflug gemacht. Und beinahe hätte es nicht gereicht, um bis nach Bergheim zurückzukommen: Kurz vor dem Ziel habe er mit nur noch 400 Metern über dem Grund und nach 30 Kilometern ohne Aufwind bereits die Landung auf der anderen Rheinseite bei Langenfeld geplant.

Der Segelflieger Klaus Rademacher landete nach rund neuneinhalb Stunden Flug wieder in Bergheim.
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In letzter Minute habe sich aber noch ein Aufwind gefunden. „Mit diesem schraubte sich Rademacher ein letztes Mal auf über 1000 Meter Höhe – genug für den Endanflug nach Bergheim“, beschreibt es der LSC Erftland. Um 20.48 Uhr sei er nach rund neuneinhalb Stunden in der Luft auf heimischem Boden gelandet. Er habe 767 Kilometer hinter sich gebracht.
„Ich habe schon fast nicht mehr daran geglaubt, aber in Langenfeld konnte ich mich noch mal rausbasteln. Sonst hätte ich dort landen und das Flugzeug im Hänger nach Hause transportieren müssen. Es war ein toller Flug, ich hätte beim Start nie gedacht, dass es heute für mich bis nach Bayern hineingeht“, zitiert der Verein Rademacher.
Über den Luftsportclub Erftland
Laut eigenen Angaben zählt der Luftsportclub Erftland rund 100 aktive Mitglieder. Der Verein betreibt sein Segelfluggelände auf der Wiedenfelder Höhe bei Bergheim. Neun Fluglehrerinnen und Fluglehrer bilden dort aktuell rund 20 Flugschülerinnen und Flugschüler aus. In diesem Jahr sei die Flotte um ein weiteres Leistungsflugzeug ergänzt worden, mit dem der Nachwuchs bereits seine ersten Streckenflüge unternehme.
Wer sich für das Segelfliegen interessiert, könne jederzeit den Segelflugplatz besuchen gehen. Der LSC Erftland ist auch bei Bergheim Aktiv am Sonntag, 12. Juli mit einem Flugzeug in der Fußgängerzone vertreten. Interessierte können dort im Cockpit Platz nehmen und sich einen ersten Eindruck vom Segelfliegen verschaffen.
