Das Café, das seit rund drei Jahren besteht, ist zu einem Ankerpunkt für viele geworden. Es bietet Abwechslung vom Alltag.
InklusionIm Bergheimer St. Augustinuscafé arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung

Ein großer Teil des Teams des Augustinus Cafés, das Inklusion und Teilhabe groß schreibt: v.l.: Heinz Grenzwürker, Nathalie Herzogenrath, Dietmar Königs, Walter Ruf, Axel Bernhagen, Tuana Sariz, Michael Gerber, Ana Maria Berrio Baquero.
Copyright: Merle von Mach
Im inklusiven Bergheimer St. Augustinuscafé zeigt man sich in WM-Stimmung. Fähnchen schmücken den Innenraum. Erhält man Einblick in die hinteren Räumlichkeiten, findet sich sogar ein Spielplan inklusive Tippspiel an den Wänden. Das Inklusionscafé der St. Augustinus Eingliederungshilfe (ehemals St. Augustinus Behindertenhilfe) ist ein besonderer Ort, denn hier arbeiten sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung.
Bergheim: Ein Ort, um Berührungsängste abzubauen
Der neue Name der Eingliederungshilfe, so schreibt die St. Augustinus-Gruppe auf ihrer Homepage, beschreibt klarer, worum es in ihrer „täglichen Arbeit geht – Menschen in ihrer Teilhabe zu unterstützen, ihre Selbstbestimmung zu stärken und ihre Lebensqualität zu sichern.“ Auch das Café an der Hauptstraße 45-47 ist Teil dieser Arbeit, denn es wird zu einem Ort des Austauschs, der Inklusion und der Teilhabe.
„Hier ist ein Ort für Struktur. Hierher kommen Klienten mit Beeinträchtigungen oder psychischen Erkrankungen“, erklärt Ana Maria Berrio Baquero, die als pädagogische Fachkraft tätig ist. „Und so ein Café ist ein guter Ort, um Berührungsängste zu verlieren. Schließlich sind wir alle Teil der Gesellschaft“, ergänzt sie. Und weil derzeit die WM läuft, hat man gemeinsam das Café dekoriert, auch wenn die Klienten zu Beginn der WM noch gar nicht so sehr im Fußballfieber waren.
Siegen oder fliegen, wenn sie wieder keine Tore schießen
„Ich schaue lieber Autorennen“, gesteht Dietmar Königs (66). Er ist wie Heinz Grenzwürker (59), Nathalie Herzogenrath (37) und Walter Ruf (79) einer der insgesamt vier Klienten, die von ihrer Arbeit im Café berichten. Auch Heinz Grenzwürker interessiert sich eigentlich „mehr für American Football.“
Und doch hängt im Hintergrund die Tabelle des Tippspiels, denn so ganz gehen gerade die Deutschlandspiele dann doch nicht an ihnen vorbei – ob auf dem Handy, zu Hause oder wie Nathalie Herzogenrath bei Freunden, gebannt verfolgen die vier die Spiele. „Siegen oder fliegen, wenn sie wieder keine Tore schießen!“, wirft Dietmar Königs ein, womit er Recht behalten sollte. Doch eigentlich geht es im Augustinus-Café um mehr als Fußball.
Eine Abwechslung im Alltag
Das Café, das seit rund drei Jahren besteht, ist zu einem Ankerpunkt für viele geworden. Ungefähr zwei- bis dreimal die Woche kommen die vier nach Bergheim ins Café. „Ich mag es beim Kuchenteig für unsere kalte Eissplittertorte zu helfen“, sagt Nathalie Herzogenrath. Fleißig helfen alle in der Küche mit, kümmern sich um die Blumen oder arbeiten ganz vorn im Service mit – je nachdem, was ihnen am liebsten ist.
Für Heinz Grenzwürker kommt es im Service ganz auf die Gruppengröße der zu bedienenden Kundschaft an: „Wenn es vorn zu viele Leute auf einmal werden bin ich etwas gestresst. Dann gehe ich kurz hier nach hinten, mache eine kurze Pause und dann geht’s weiter.“ Sie alle schätzen das Café, denn es bietet ihnen nicht nur eine Ablenkung von ihrer jeweiligen Lebenssituationen, sondern auch mehr Abwechslung im Alltag.
„Zu Hause ist mir eher langweilig, daher komme ich gerne hierher“, erzählt Walter Ruf. Dreimal wöchentlich ist er im Café, kommt gut mit allen aus und macht wohl „den allerbesten Kaffee“, wie Dietmar Königs aus der Runde lobend berichtet. Rufs Woche ist sowieso reichlich gefüllt: „Ich muss auch noch zweimal wöchentlich zum Reha-Sport. Und einmal im Monat gehe ich in der Musikgruppe trommeln.“
Auch die anderen wissen ihre Freizeit zu nutzen. Während Nathalie Herzogenrath gerne reitet oder in die Malschule geht, schätzt Heinz Grenzwürker das Spazierengehen. Und Dietmar Königs engagiert sich sowohl im Schützen- und Karnevalsverein als auch beim Rettungsdienst der Malteser, über die er sogar schon mehrfach den Papst und einige Kardinäle bei den Katholikentagen in der Region gesehen hat. „Franziskus und davor Benedikt und viele Abgesandte aus Rom waren dabei“, erzählt Königs stolz. Ins Inklusionscafé kam der Papst aber leider noch nicht.
