Die Ortsteile Auenheim, Niederaußem und Oberaußem rücken in den Fokus der Betrachtungen. Auch die Bürger werden beteiligt.
Masterplan in ArbeitBergheimer Norden bereitet sich auf die Zeit nach der Kohle vor

Auenheim grenzt unmittelbar an das Braunkohlekraftwerk.
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Die Stadt Bergheim bereitet sich für die Zeit nach der Kohle vor. Die Verwaltung erstellt dafür einen Masterplan für die Stadtteile rund um das Kraftwerk, also Niederaußem, Oberaußem und Auenheim.
„Die drei Ortsteile sind aufgrund der Nähe zum Kraftwerk besonders stark vom Braunkohleabbau geprägt und brauchen aufgrund der nahenden Beendigung der Kohleverstromung eine zukunftsfähige Perspektive“, heißt es von der Pressestelle. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördern das Projekt.
Masterplan Bergheim-Nord rückt Ortsteile am Kraftwerk in den Fokus
Bürgermeister Volker Mießeler unterstreicht die Bedeutung des Vorhabens: „Der Masterplan Bergheim-Nord ist für uns ein Schlüsselprojekt im Strukturwandel. Es geht nicht nur um neue Pläne auf dem Papier, sondern um die konkrete Frage, wie wir Auenheim, Oberaußem und Niederaußem als lebenswerte, zukunftsfähige Orte stärken.“
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Aktuell erarbeitet das Planungsbüro Stadtguut ein städtebauliches Leitbild sowie konkrete Strategien und Maßnahmen für die drei Ortsteile. Laut Pressestelle der Stadt nehmen bereits erste Ideen wie neue Nutzungsmöglichkeiten für bestimmte Flächen oder Verbesserungen beim Verkehr Gestalt an.

Mit dem Masterplan will sich die Stadt für die Zukunft ohne Kohleverbrennung aufstellen.
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Die Planungsphase soll Ende 2026 abgeschlossen sein, die Umsetzung soll in mehreren Schritten folgen. Die Pressestelle erklärte, sich hierfür auch mit RWE abzusprechen. Dem Energiekonzern gehören in den Ortsteilen viele Flächen.
Bergheim will Bürger am Masterplan beteiligen
Aber wie nimmt Bergheim die Bürgerinnen und Bürger mit? Laut Einwohnerstatistik der Kreisstadt wohnten zum Stand 31. Dezember 2025 über 12.000 Menschen in den drei Stadtteilen Auenheim (412), Niederaußem (5798) und Oberaußem (6.060).
Laut der Pressestelle der Stadt gab es Begehungen, Gespräche und verschiedene Beteiligungsformate, etwa ein Stadtteilfrühstück im Sommer 2025 und eine Veranstaltung Mitte November 2025. „Über 60 interessierte Bürgerinnen und Bürger haben die Gelegenheit genutzt und sich über die aktuellen Planungsstände informiert sowie wertvolle Ideen und Anregungen eingebracht“, vermeldete die Pressestelle der Stadt Anfang Februar.
Die Stadt dokumentiert den Prozess auch im Internet und hat eine Beteiligungsplattform ins Leben gerufen, diese weist aktuell aber nur drei Teilnehmer aus. Auf Anfrage erklärt die Pressestelle, dass die Plattform in dieser frühen Phase dazu diente, über das Projekt zu informieren. In Zukunft sollen auf der Plattform ein Konzept und interaktiven Karten auftauchen - dann sollen Bürgerinnen und Bürger sich auch zu konkreten Maßnahmen äußern können. „Insofern gehen wir davon aus, dass auch die Beteiligung auf der digitalen Plattform sodann noch deutlich zunehmen wird.“
Ortsbürgermeister loben Vorhaben, sehen aber mögliche Verbesserungen
Johannes Hüber, Ortsbürgermeister von Auenheim, betonte: „Dass man sich da Gedanken macht, speziell über Bergheim-Nord und die Umgebung des Kraftwerks, ist absolut richtig.“ Es stimme ihn hoffnungsvoll, dass nach Jahrzehnten der besonderen Belastungen durch Kraftwerksnähe neue Dinge entstehen.
Bei der Bürgerbeteiligung sieht er dagegen Optimierungsbedarf. Dem stimmte auch Hans-Josef Weck, Ortsbürgermeister von Oberaußem, zu. Er plädierte dafür, Bürgerinnen und Bürger stärker abzuholen, die bei Formaten mit vielen politischen Akteuren zu gehemmt sind, um ihre Vorschläge zu unterbreiten. Johannes Hüber äußerte den Wunsch, die Beteiligungen kontinuierlicher zu gestalten und die Vereine stärker ins Boot zu holen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass mit dem Fokus auf Auenheim, Oberaußem und Niederaußem andere Teile des Nordens aus der Betrachtung des Masterplans fallen. „Es gibt Stimmen, die sagen: Warum ist Büsdorf nicht dabei oder warum ist Rheidt-Hüchelhoven nicht dabei?“, sagt Weck. Auch ihn habe das irritiert. Seiner Meinungnach seien die Hüchelhovener wegen der Windrichtung stärker vom Kraftwerk belästigt worden als die Oberaußemer.
Auenheim, Oberaußem und Niederaußem stärker verbinden
Trotzdem seien Wecks Eindrücke positiv. Auch wenn er noch nicht viel konkretes zum Masterplan erkennen könne, freut er sich über die Mühen, die in das Projekt fließen. Für die Zukunft haben die beiden Ortsbürgermeister klare Anliegen, etwa die Ortsteile im Bergheimer Norden stärker zu verbinden.
Johannes Hübner erklärte auf Anfrage, dass weitere Zuwege zwischen Oberaußem und Auenheim wichtig wären. Auenheim sei weiterhin ein Dorf mit Charme, weise aber Zahnlücken auf. Wo vieles bisher von der Industrie belegt war, gebe es nun die Chance, das Ganze nach menschlichen Bedürfnissen neu aufzubauen. Auch könne der Ordenshof als Ausflugsstandort stärker im Hinblick auf Tourismus beworben werden. „Der Reiz liegt in der Verknüpfung von Alt und Neu“, sagt Hübner.
„Wir Oberaußemer wollen unsere Baugebiete entwickeln“, erklärte Hans-Josef Weck und wies auf Fortuna-Quartier, Entwicklungsgebiet im Euel, sowie auf den Wunsch nach zukunftsfähigen Arbeitsplätzen. „Wir brauchen auch dringend eine neue Turnhalle, weil unsere Vereine keinen Platz mehr haben.“

